Wegen Verbot von „One Love-Binde“: DFB zieht wohl gegen FIFA vor Gericht - und zwar sofort

Kapitän des DFB-Teams und beim FC Bayern: Manuel Neuer, hier mit der One-Love-Binde.
 ©IMAGO/ Ulmer/Teamfoto

Verbot für Manuel Neuer: Die FIFA untersagt bei der WM 2022 in Katar das Tragen der „One Love“-Binde. Der DFB prüft deshalb rechtliche Schritte - und kritisiert „massive Androhungen“.

München/Katar - Die WM 2022 hat einen handfesten Skandal. Und das direkt zum Start der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar (20. November bis 18. Dezember).

One-Love-Binde: DFB prüft angeblich rechtliche Schritte gegen WM-Ausrichter FIFA

So hat der Fußball-Weltverband FIFA als Ausrichter des Turniers am Montag (21. November) sieben Nationen verboten, im Emirat eine „One-Love-Binde“ als sichtbare Botschaft gegen Diskriminierung Homosexueller und für mehr Menschenrechte zu tragen. Unter den betroffenen Fußball-Nationen sind unter anderem Deutschland mit Kapitän Manuel Neuer, England und die Niederlande.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) reagiert umgehend - und zieht angeblich gegen die FIFA vor Gericht. Wie die Bild am Dienstag berichtet, will der DFB vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne rechtliche Schritte einleiten. „Die FIFA hat uns ein Zeichen für Diversität und Menschenrechte verboten. Sie hat dies mit massiven Androhungen sportlicher Sanktionen verbunden, ohne diese zu konkretisieren. Der DFB prüft, ob dieses Vorgehen der FIFA rechtmäßig war“, wird DFB-Sprecher Steffen Simon, einst Sportreporter beim ZDF, von der Tageszeitung zitiert.

Im Video: WM in Katar - Manuel Neuer darf doch keine One-Love-Binde tragen

Demnach will der DFB beim CAS erreichen, dass Bayern-Star Neuer im zweiten WM-Vorrundenspiel gegen Spanien am Sonntag (20 Uhr, hier im Live-Ticker) die One-Love-Binde anziehen darf. Und zwar ohne, dass der 36-jährige Torwart dafür mit einer Gelben oder gar Roten Karte sanktioniert wird. Oder, dass es zu einem möglichen Punktabzug gegen die deutsche Nationalmannschaft kommt, wie ebenfalls befürchtet wurde.

One-Love-Binde: DFB-Team reagiert schwer irritiert auf Entschluss der FIFA in Katar

Wie die Bild weiter schreibt, sieht der DFB-Antrag einen vorläufigen Rechtsschutz für alle Spiele der deutschen Nationalmannschaft in Katar vor. In dem Bericht wird gemutmaßt, dass sich die FIFA und ihr umstrittener Boss Gianni Infantino im Nachgang des Turniers keinen Rechtsstreit leisten wollen würden.

Die deutsche Delegation hatte die Entscheidung des Fußball-Weltverbands im Emirat schwer irritiert zur Kenntnis genommen. „Es handelt sich aus meiner Sicht um eine Machtdemonstration der FIFA“, sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf am Montag im Teamquartier im Norden Katars. Neuendorf meinte: „Das ist aus unserer Sicht mehr als frustrierend und auch ein beispielloser Vorgang der WM-Geschichte.“ Bundestrainer Hansi Flick sprach am Dienstag vor dem WM-Auftakt Deutschlands gegen Japan (Mittwoch, 14 Uhr, MEZ) von „absolutem Unverständnis“.

Er sehe bei seinen Spielern eine „Enttäuschung über eine Entscheidung“, die England und die Niederlande unter Druck gesetzt und „letztendlich alle Verbände“ dazu zu gezwungen habe, „dass man letztendlich dieses Zeichen nicht setzen kann. Deswegen glaube ich eher, dass es eine Enttäuschung ist als eine Unruhe“, sagte der Badener im Gespräch mit dem ZDF: „Hätte man die Sanktionen davor gewusst, hätte man vielleicht reagieren können. Ich finde einfach: Wie die Fifa sich da verhält, ist unbeschreiblich. Letztendlich fehlt uns allen irgendwo das Verständnis.“

One-Love-Binde: FIFA steht während Katar-WM in Deutschland schwer in der Kritik

Auch aus Deutschland gibt es viel Kritik an der Vorgabe der FIFA. „Infantino hat es sogar geschafft, die Mannschaften zu zwingen, die ‚One Love‘-Binde nicht zu tragen. Wie erbärmlich“, schrieb Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger bei Twitter zum One-Love-Binden-Eklat. Der 40-Jährige hatte sich einst als homosexuell geoutet, was im Fußball äußerst selten ist.

Hitzlsperger, der Vorstandsboss des VfB Stuttgart war und in München lebt, weiter: „Gianni Infantino denkt, er ist größer als Virgil van Dijk, Manuel Neuer, Harry Kane und andere Topstars des Weltfußballs. Er denkt, das Spiel gehört ihm. Er kann sich schwul, arabisch, moslemisch und noch ganz anders fühlen. Es ist so traurig, dass wir an diesem Punkt angekommen sind.“ (pm)

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