Zukunft der Moore: Ohne Wiedervernässung geht es nicht - Von Christiane Looks

Der natürliche Schwamm

Das Hohe Moor ist eine über rund 6.000 Jahre aus Torfmoosen gewachsene Landschaft. Erst vor gut 200 Jahren entdeckten die Menschen das Moor für sich. Foto: Joachim Looks
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Elm. „Was machen wir denn dieses Mal gemeinsam?“ Es hatte sich seit einiger Zeit eingespielt, dass eine kleine Gruppe Interessierter einmal im Jahr ein verlängertes Wochenende gemeinsam mit Wandern oder Radfahren verbrachte. In der Planungsphase haben wir überlegt, in welcher Region wir noch nicht waren und welcher interessante Ausgangspunkt gewählt werden konnte.

Angelegt an sorgfältig zu planende Hochgebirgstouren hatten wir die Erfahrung gemacht, dass sich eine gründlich überlegte Basislagerauswahl als entscheidend für die Akzeptanz eines Projekt erweisen konnte. Als Glücksgriff erwies sich eine Entscheidung, die Touren zwischen Heide und Moor gestattete. Zum Favoriten aller Beteiligten an diesem Wochenende entwickelte sich die Moortour.

Egal, wie umständlich es für uns und andere Besucher bei strahlendstem Sonnenschein wurde, wenn wir, wenig passend ausgestattet mit Rädern, einander auf den kilometerlangen Holzbohlenstegen im wiedervernässten Moor begegneten. Die beeindruckenden Wasserflächen mit abgestorbenen Bäumen, unzählige Libellen über dem braunschwarzen Wasser bei ihrem faszinierenden Flug und Eidechsen auf den warmen Holzbohlen entschädigten für alles Ausweichen-Müssen und Umeinander-Herumgehen.

Wiedervernässen – entsprechende Vorhaben wecken unterschiedlichste Empfindungen und rufen Kritik hervor. Ziel ist es immer, entwässerte Moorflächen langfristig erneut in einen Zustand zu versetzen, bei dem sie wachsen und nicht schrumpfen. Denn wer Mooren Wasser entzieht, nimmt in Kauf, dass sie ihre Fähigkeit verlieren, Wasser wie ein Schwamm aufzunehmen.

Glückliche, aber dreckverkrustete Kleinkinder nach erlebnisreicher Spielzeit im Matsch wieder einigermaßen wohnungsfein zu bekommen, geht am leichtesten, wenn sie in geeignetes Badewasser zum Aufweichen gesetzt werden und ein Badeschwamm zum Spielen erhalten. Strahlende Kinderaugen und rosig saubere Haut dokumentieren eindrucksvoll, welche Qualitäten schwammhaltiges Material hat.

Im Moor übernehmen Torfmoose die Funktion eines Badeschwammes. Sie können das 20-fache ihres Volumens an Wasser einlagern, saugen also jede Menge Niederschläge auf und verhindern dort, wo es sie gibt, auf natürliche Weise Überflutungen ohne Regenrückhaltebecken. Entwässerungsmaßnahmen bedeuten ihr Ende, denn sie sind wurzellos und können sich mit notwendiger Feuchtigkeit von unten nicht versorgen. Sterben Torfmoose ab, versagt ihr Vermögen, Wasser aufzunehmen. Sie schrumpfen, und das um dramatische ein bis zwei Zentimeter pro Jahr. In den Niederlanden, wo seit 1.000 Jahren konsequent Moorentwässerung betrieben wird, sackten Moorböden um viele Meter ab und machten das Land zu den „Nieder-Landen“.

Neugierig auf Wiedervernässungsmaßnahmen geworden? Zwischen den Landkreisen Rotenburg und Stade liegt das Hohe Moor. Schon in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden Bereiche unter Schutz gestellt, nachdem dort über hundert Jahre Torf per Hand abgebaut wurde. Der Ankauf von Flächen führte dazu, dass seit 1980 der Wasserstand im entwässerten Moor erhöht werden konnte mit dem Ziel, ein weites Lebensraummosaik im Hohen Moor mit offenen Wasserflächen, Torfmoosrasen, Moorwald und freier Landschaft zu entwickeln. 2001 ermöglichte ein von der EU im großen Stil gefördertes Projekt weitere Flächenankäufe und großzügige Wiedervernässungen. Darüber berichtet eine Informationstafel am Moor in der Nähe von Elmerheide an der Kreisgrenze zu Stade. Zur Tafel gelangt, wer über die B 74 von Bremervörde aus kommend nach Elm weiter Richtung Stade fährt. Über Elmerheide wird die Siedlung Willah an der Kreisgrenze erreicht. Unmittelbar vor dem ersten Anwesen zweigt links ein befestigter Weg zum Hohen Moor ab. Er ist gut befahrbar und endet vor der erwähnten Informationstafel. Ab hier muss das Moor zu Fuß erkundet werden. Ein sieben Kilometer langer, mit Pfählen gekennzeichneter Rundweg führt entlang und durch das wiedervernässte Moor. Feste Schuhe oder wanderfreundliche Gummistiefel sind angebracht. In der warmen Jahreszeit muss mit einer Begleitung durch Mücken und Bremsen gerechnet werden. Auch Zecken freuen sich über jeden Unvorsichtigen. Daher ein Tipp: Winterwanderung!

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