Sind Douglasien heimische Bäume oder nicht? - Von Christiane Looks

Alles Neophyten!

Diese Douglasie im Kreishauspark ist ein Naturdenkmal. Foto: Joachim Looks
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Rotenburg. Das Fortbildungsangebot war zu verlockend, als dass es abgelehnt werden konnte: Unter fachkundiger Führung sollten mit einem Expertenkreis aus den Bereichen Denkmals- und Naturschutz sowie Landschafts- und Gartenpflege in einem historischen Landschaftspark Möglichkeiten kosteneffizienter Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen diskutiert werden – ein angesichts eigentlich immer knapper Mittel für öffentliche Grünflächenpflege spannendes Thema.

Es dauerte auch nicht lange und umgeben von herrlichen Parkbildern mit majestätischen Bäumen, sanft geschwungenen Wegen, verträumten Wasserflächen und herrlichen Ausblicken entbrannten engagierte Gespräche zwischen den einzelnen Fachbereichen, in denen die Teilnehmer das Für und Wider verschiedenster Maßnahmen und Eingriffe abwogen. Unvergessen für mich eine Beschwerde seitens des Naturschutzes in Richtung Denkmalspflege: „Ihr immer mit Euren Exoten wie Kaukasische Flügelnuss, Gurkenmagnolie und Douglasien. Alles Neophyten!“

Neophyten – ein in Fachkreisen heftig diskutiertes Problem. Eigentlich geht es in der Diskussion nicht nur um Neophyten, sondern allgemein um Neobiotika. So werden nämlich jene Pflanzen, Tiere oder Pilze genannt, die bei uns nicht heimisch waren, sondern einwanderten oder bewusst eingeführt wurden. Solche Pflanzen heißen Neophyten, bei Tieren wird von Neozoen gesprochen und bei Pilzen sprechen Fachleute über Neomyceten. Allen diesen Fachbegriffen eigen ist der Wortteil „neo“ für „neu“. Üblich geworden ist es, alles als „neo“ anzusehen, was nach der Entdeckung Amerikas durch Christopher Kolumbus 1492 zu uns gelangte. Vieles davon hat sich hier längst etabliert, wird gar nicht mehr als fremd angesehen. Wem ist schon bekannt, dass die im schwierigen Stadtklima gern gepflanzte Robinie, auch Scheinakazie (Robinia pseudoacacia) genannt, aus Nordamerika stammt und Anfang des 17. Jahrhunderts in Europa eingeführt wurde? Sie hat sich hier integriert, ist raschwüchsig, breitet sich über Wurzelsprosse gut aus, reichert mittels Wurzelbakterien Boden mit Stickstoff an, erfreut mit herrlich duftenden, nektarreichen Blüten, die begeistert von vielen Bienen angeflogen werden und Naschkatzen die Aussicht auf herrlich schmeckenden Akazienhonig eröffnet. Außerhalb von Städten erweist sich die Robinie jedoch nicht als so nett, sondern besetzt skrupellos magere Böden, verdrängt seltene, auf diese besonderen Standortbedingungen angewiesenen Pflanzen und lässt sich nur schwer bekämpfen. Naturschutzbehörden sehen so etwas überhaupt nicht gerne. Dänemark, Österreich und die Schweiz haben sich deshalb entschlossen, dem Baum die rote Karte zu zeigen. Kein Problem hat die Schweiz im Gegensatz zu Deutschland dagegen mit einem anderen, nicht heimischen Baum, der Douglasie (Pseudotsuga menziesii). Die gewöhnliche Douglasie (und nun darf je nach Geschmack ausgewählt werden) auch Douglastanne, Douglasfichte oder Douglaskiefer oder Oregon Pine genannt, stammt aus dem westlichen Nordamerika und kam im 19. Jahrhundert nach Europa. Es gab sie aber schon sehr viel früher bei uns. Natürlich nicht die heute üblichen amerikanischen Versionen, sondern eine europäische. Mit dem Ende der Kreidezeit vor 65 Millionen Jahren hatte sich eine Pflanzen- und Tierwelt entwickelt, die der heutigen ähnelte. Darunter fand sich eine europäische Douglasie. Belegt werden kann dieses anhand von Funden aus dem österreichischen Inntal und der Oberlausitz. Als sich dann vor rund 2,6 Millionen Jahren das Klima änderte, es zu einem Wechsel von Kalt- und Warmzeiten kam, hatte dies große Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen. Bisher besiedelte Gebiete auf der Nordhalbkugel mussten in Kaltzeiten aufgegeben werden und konnten nicht immer in den Warmzeiten wieder besiedelt werden, weil sich die Alpen für die damaligen Douglasien als unüberwindbar erwiesen. Erst 1828/29 wurde in der Nähe von Hamburg hier bei uns mit amerikanischen Douglasiensamen an die weit zurückliegende Vergangenheit angeknüpft, obwohl dies den damaligen Fachleuten nicht bewusst war, weil entsprechende Untersuchungen zu frühgeschichtlichen Vorkommen erst aus neuerer Zeit stammen. Um die Frage zu diskutieren, ob die Douglasie nun ein Neophyt ist, den es kritisch zu beäugen gilt, weil er anderes verdrängt, oder nur als fremdländische Baumart auftritt, vielleicht sogar als Rückkehrer angesehen werden darf, bietet sich in Rotenburg auf den Gelände des Landkreises eine gute Gelegenheit. In der dortigen Grünanlage steht vor den großen Fenstern des Anbaus mit den Sitzungssälen eine prächtige Douglasie, die 1934 als Naturdenkmal unter Schutz gestellt wurde. Beim Betrachten des Baums kann gleich mit diskutiert werden, ob es nun eine Douglastanne, Douglasfichte, Douglaskiefer oder ein Oregon Pine ist. Viel Spaß!

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