Serie „Über’n Gartenzaun“: Der Garten von Christiane und Joachim Looks liegt auf einer Düne - Von Nina Baucke

Eiszeitliches Erbe

Kein Landschaftsgarten ohne eine künstliche Ruine, fand das Ehepaar Looks.
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Eversen. 170 Kilometer – auf dieser Länge zieht sich der Rennsteig, der älteste Weitwanderweg Deutschlands durch den Thüringer Wald. Sein gleichnamiges, norddeutsches Pendant ist um einiges kürzer, genauer gesagt um 160,7 Kilometer, und windet sich über und um eine Sanddüne in Ahausen-Eversen, durch Bäume und sattes Grün – und nicht einmal kleine Rastplätze fehlen. Sogar ein kleines hölzernes Hinweisschild mit der Aufschrift „Rennsteig“ hängt an einem Baum. „Legal gekauft und nicht irgendwo einfach stibitzt“, sagt Joachim Looks mit einem Augenzwinkern.

Denn: „Bei den echten Schildern gibt es keine gelbe Umrandungen, bei denen, die die Touristen im Souvenirshop erstehen können, schon.“ Die Sanddüne mit dem Mini-Rennsteig gehört zu dem Grundstück, auf dem er und seine Frau Christiane leben. 7.000 Quadratmeter umfassen dessen Grenzen, und nicht gerade wenigen Raum nimmt davon der Garten des Paares ein – oder besser gesagt: beide Gärten. Denn die private Oase der Looks’ ist von zwei Gegensätzen geprägt.

„Wohngarten“ nennen Joachim und Christiane Looks das Refugium, das sich direkt um das große Fachwerkhaus schmiegt. Und allein dieser Teil hat es schon in sich – mit Teich, Wasserfall und Teehaus. Und obwohl es jahreszeitlich noch auf der Schwelle zwischen Winter und Frühling ist, regt sich schon das ein oder andere der Flora: Direkt neben der Terrasse wird es gelb, zahlreiche Winterlinge, ein Hahnenfußgewächs, haben bereits ihre knallgelben Blüten entfaltet.

„Ich hatte mal einen Rappel und damit begonnen, mehrere verschiedene Sorten Winterlinge zu sammeln“, erklärt Christiane Looks. „Aber ich habe gemerkt, je toller die Sorten waren, die ich hier gepflanzt habe, desto schneller waren sie wieder verschwunden.“ Für sie ein Zeichen, dass sich diese Sorten in ihrem Garten nicht wohlgefühlt hätten. „Wer sich wohlfühlt, bleibt auch“, ist sie sich sicher. „Pflanzen suchen sich ihren Platz.“ Im Frühjahr und Sommer bestimmen dann neben einer Reihe von Gehölzen eher, je nach Monat, Krokusse, Lilien und Tulpen das Bild – und mit „The Fairy“ auch eine Rosensorte. „Wenn alles blüht, ist hier sehr viel Rosa“, verrät Christiane Looks.

So, wie der Garten heute aussieht, ist er ein Ergebnis aus „nur“ zehn Jahren Arbeit, obwohl das Paar bereits seit 40 Jahren auf dem Grund und Boden lebt. „Damals sah der Garten noch ganz anders aus“, sagt Joachim Looks, der mit täglich einer Stunde den größeren Teil der Gartenarbeit übernimmt – und das als gebürtiges „Stadtkind“, wie er bemerkt. Auf der Suche nach Anregungen waren sie bei einer Reise in den Wörlitzer Park in Sachsen fündig geworden, einem der frühesten Landschaftsgärten aus dem 18. Jahrhundert – mit seinen kleinen Ecken und seinen nachgestellten „Ruinen“. „Ich wusste sofort: Soetwas wollte ich auch“, erinnert sich Christiane Looks. „Mit der Düne hatten wir ja genug ,Landschaft‘ im Garten.“

Die „Landschaft“ macht sogar einen kleinen Wasserfall möglich. Er plätschert in Stufen am Abhang eines Andenkens an die vorletzte Eiszeit hinunter. Schon als das Paar das Grundstück am Ortsrand Eversen zum ersten Mal sah, fiel ihm zuerst die Düne ins Auge – „als wir noch dachten, es sei ein Berg, immerhin hieß die Straße ja Habichtsberg“, erinnert sich Christiane Looks mit einem Lachen. Dazu kam der Wald, der sich auf der Erhebung breit gemacht hatte. „Das Grundstück war ein echter Glücksgriff – und die Düne ist ein Geschenk“, sind sich beide nach wie vor einig.

Und trotzdem stellte die Erhebung damals nach dem Kauf das Paar vor allem vor eine Frage: Was lässt sich bloß aus so einer Sanddüne machen? Neben dem Wald bedekt eine dicke Kraut- und Strauchschicht das Gelände. „Hier muss Licht her“, entschied das Paar und dünnte den Baum- und Strauchbestand aus. „Und siehe da – nach einem halben Jahr wurde es richtig grün“, erinnert sich Christiane Looks mit einem Lachen. Schon als die Everser das Grundstück kauften, wuchsen Bickbeeren und Quecken auf der Düne – daran hat sich nichts geändert, jetzt blühen dort allerdings teilweise bereits ab Ende Januar auch Alpenveilchen sowie 20 verschiedene Schneeglöckchenarten, „ein Rest der Sammlerzeit“, erklärt Christiane Looks. „Aber wir überlassen hier vieles sich selbst.“

Und nicht nur in Sachen Pflanzen wartet der Landschaftsgarten mit einigen Überraschungen auf: Überall finden sich Besonderheiten – mal klein und skurill, mal künstlerisch anmutend und auffällig. Ein großer roter Apfel aus Kunststoff, ein selbstgemeißelter Dürerhase aus Y-tong auf einer Säule, ein vom schottischen Künstler Andy Goldworthy inspirierter Ziegelturm, die Plastikfigur im Baum, die von Weitem erst wie Mr. Spock aus Raumschiff Enterprise aussieht und die das Paar „Christian“ nennt – und Windspiele. „Ich habe ein Faible dafür“, gesteht Joachim Looks. Klingendes Schmuckstück ist eine Windharfe. „Wir wollten partout eine haben“; erinnert sich seine Frau. „Denn schon im 19. Jahrhundert waren Windharfen in Landschaftsgärten Tradition.“ Und natürlich Bänke, an den Stellen mit den schönsten Aussichten.

Für beide ist der Garten ein Ruhepol in ihrem Leben. „Es ist ein Genuss, nach der Arbeit nach Hause zu kommen und einmal noch mit den Hunden über das Grundstück zu gehen. Das entspannt sehr schnell“, sagt Joachim Looks. „Früher war der Garten Erholung, jetzt ist er unser Betätigungsfeld“, ergänz seine Frau. Darf es auch ein ein wenig kleinerer Garten sein? „Wir haben es gerne großzügig“, erklärt Christiane Looks. „Für uns ist entscheidend, dass wir eine Landschaft vor Augen haben, und in der darf es eine Totholzecke, Steinhaufen und Laub in den Beeten geben.“ Die Faszination für ihren Garten teilt das Paar mit zahlreichen tierischen Gästen – Füchse, Marder, Rehe und Igel lassen sich oft blicken, und unter dem Dach leben im Sommer Fledermäuse. Und es teilt ihn mit Besuchern, seit Jahren nehmen Christiane und Joachim Looks an der Veranstaltungsreihe „Private Gärten“ des Touristikverbands Tourow teil. In diesem Jahr eröffnet ihre grüne Oase den Reigen: Erster Termin ist am Sonntag, 19. März, von 12 bis 17 Uhr.

„Im Frühjahr ist unser Garten bunt, diese Zeit ist am spannensten. Im Sommer grün, mit einem kühlen Platz am Teich mit zahlreichen Libellen, im Herbst sind es die rot-braunen Farben des Laubes und auch im Winter blüht das ein oder andere“, erklärt das Paar den Reiz seines Gartens.

Autor

Nina Baucke Nina Baucke
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