In ihre Lieblingsdecke eingemummelt und im Schneidersitz sitzend schrieb Mata Pohl ihren ersten Roman - Von Christine Duensing

Neun Tage im Juni

In ihre Lieblingsdecke eingemummelt und im Schneidersitz sitzend schrieb Mata Pohl ihren ersten Roman.
 ©Christine Duensing

Lüdingen. Dezember 2014: Draußen ist es kalt, schummrig und verschneit – Winter eben. Eiszapfen hängen von den Dachrinnen der wenigen Häuschen im kleinen Ort Lüdingen. Während die Nachbarn schwer damit beschäftigt sind, ihre Auffahrt akribisch freizuschaufeln, sich auf einen muntermachenden Glühwein auf dem Visselhöveder Weihnachtsmarkt treffen und in überladenen Schaufenstern nach Geschenken Ausschau halten, bleibt Mata Pohl gern daheim. Sie genießt die kalten Monate – allein, auf dem heimischen Sofa, mit Laptop im Schoß. Denn Winterzeit ist Schreibzeit.

„Wie lässt man eigentlich eine Leiche verschwinden, ohne dass es jemand merkt?“ Keine alltägliche Frage – und trotzdem ging sie Pohl während ihrer Studienzeit über die Lippen. Die Lüdingerin, heute 37 Jahre alt, stellte sie damals einer guten Freundin. Gemeinsam überlegten die beiden, wie sie an eine Antwort herankommen könnten. „Nun ist man ja im realen Leben nicht alle Tage damit konfrontiert, sich einer Leiche zu entledigen“, sagt die Lüdinger Reitlehrerin augenzwinkernd. „Also habe ich mich dazu entschlossen, meiner Fantasie einfach freien Lauf zu lassen und mir eine Lösung auszudenken.“ Das war sie, die Geburtsstunde von „Neun Tage im Juni“.

Für Buch Nummer drei, ihren ersten Belletristik-Roman, brauchte sie insgesamt zwei Winter. „Im Sommer komme ich durch meinen Hof, die Turniere und den Reitunterricht nicht dazu, mich in Ruhe hinzusetzen und eine Geschichte zu Papier zu bringen“, erklärt Pohl. Ganz nach dem Motto „Wenn schon, denn schon“ arbeitet sie an einer Geschichte gern mehrere Tage, Wochen, Monate hintereinander. „Ich bin absolut kein Fan von großen Schreibpausen. Dann verliere ich den Bezug, schweife gedanklich zu sehr ab. Im Winter habe ich die Zeit, mir Tag für Tag abends ein paar Stunden zu gönnen. Wenn ich so vorgehe, neige ich auch generell nie zu den allseits gefürchteten Schreibblockaden.“

Mit Studentin Emma steigt Pohl in ihre Erzählung ein. Die verbringt ein wenig Zeit bei ihrer Oma Gerda. Dann passiert es: Haushälterin Rosi verschwindet. Spurlos, von heute auf morgen – ganz zur Sorge der in Unwissen verbliebenen Menschen auf dem Buchenhof im ländlichen Niedersachsen. Und die gehen allesamt unterschiedlich damit um, dass jemand aus ihren Reihen so plötzlich fehlt. „Da ich eine richtige Dorfpflanze bin – ich wohne seit Kindesalter an hier in Lüdingen und liebe das Landleben einfach – spielt sich alles im Roman auf einem Reiterhof ab. Da fühlte ich mich beim Schreiben einfach heimisch, damit kenne ich mich bestens aus. Es sollte ja alles authentisch werden“, erzählt Pohl. Im gleichen Atemzug warnt sie vor: Wer jede Menge Mord- und Totschlag erwartet, wird von „Neun Tage im Juni“ enttäuscht. Ihr neues Werk sei zwar ein Niedersachsen-Krimi, von der Handlung her aber auch etwas für seichte Gemüter.

„Sonderlich brutal wird es nicht. Vielmehr geht es hauptsächlich darum, wie sich die kauzigen Hof- und Dorfbewohner nach dem Verschwinden von Rosi verhalten“, erklärt Pohl. Mit einem wissenden Lächeln ergänzt sie: „Ein bisschen spannend wird es aber schon, denn so viel sei verraten: Sie ist nicht die Einzige, die von jetzt auf gleich wie von der Bildfläche verschluckt wird. “

Das ist Absicht, verrät Pohl ganz offen. Und meint damit, dass sie mit ihrem Erstlingsroman bewusst Dorfbewohner auf die Schippe nimmt. Sie lacht. „Ich nehme mich da ja selbst nicht raus und schmunzle auch mal über mein Verhalten. Auch ich gucke neugierig über den Zaun, wenn ein Fahrzeug mit unbekanntem Kennzeichen auf ein-

em Nachbarshof hält. Leute, die auf dem Land leben, haben halt ihre Eigenarten, das ist ja nicht generell etwas Schlimmes – wieso also nicht darüber lachen?“

Erfahrungen als Autorin sammelt die 37-Jährige bereits seit rund zehn Jahren. Regelmäßig veröffentlicht sie Beiträge zu Themen rund um Pferd und Hof, beispielsweise auf entsprechenden Blogs.

2009 brachte sie ein Sachbuch zum Clickertraining heraus, 2013 Sachbuch zwei über Freizeitgestaltung mit dem Pferd.

„Klar, für mich war es jetzt eine ganz neue Herausforderung, einen Ausflug in die Belletristik zu machen“, gibt Mata Pohl zu. Sie lächelt. „Aber es war eine superschöne Herausforderung.“

Und der stellte sie sich am liebsten so: in ihre kunterbunte Lieblingsdecke eingemummelt, im Schneidersitz mit Laptop auf dem Ecksofa sitzend und mit einer ihrer Katzen auf dem Schoß. So entstand Seite für Seite, 184 insgesamt. „Eine neue Erfahrung war es, dass ich mich beim Romanschreiben tatsächlich immer in guter Gesellschaft gefühlt habe.“ Das habe an den Charakteren gelegen, die sie sich für ihr Buch ganz genau ausgemalt habe. „Ich habe ihnen unterschiedliche Eigenschaften auf den Leib gedichtet, ihnen richtige Lebensläufe zugeteilt. Letztlich kamen sie mir vor wie gute Bekannte.“

Über die Frage, ob sie eine Lieblingsfigur nennen kann, muss Pohl keine Sekunde lang nachdenken. „Gerda, die Oma“, sagt sie bestimmt. Die passende Begründung dazu fällt ihr deutlich schwerer. „Es ist einfach so ein Gefühl. Vielleicht fühle ich mich zu ihr hingezogen, weil ich als ältere Dame gern ähnlich wie sie wäre.“

Ein rascher Blick aus dem Fenster, hinaus auf Lüdingens Straßen. Das verrät: Der nächste Winter kommt. Und jetzt, wo die Monate wieder kälter werden und die hellen Tage kürzer, brütet Mata Pohl bereits über den nächsten Buchideen. „Ich habe definitiv Blut geleckt und möchte fürs Erste im Bereich Belletristik bleiben.“ Einen Folgeroman wird es aber nicht geben, da ist sich die Lüdingerin sicher. „Was mich mal reizen würde, wären Jugendbücher, zum Beispiel so ganz klassische Pferderomane für junge Mädchen, wie jeder sie kennt – mit meiner persönlichen Note.“

• Bücher von Mata Pohl:

Neun Tage im Juni, 7,99 Euro

ISBN 978-3-7392-7575-8

Clickertraining: Positive Bestärkung in der Pferdeerziehung, 9,95 Euro

ISBN 978-3-8370-2267-4

Mein Freizeitpferd: Haltung - Lernverhalten - Umgang - Reiten 12,90 Euro

ISBN 978-3-7322-0836-4

Alle Exemplare sind auch als E-Book im Internet erhältlich, weitere Informationen gibt es unter .

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