Hurricane: ein musikalisches Highlight jagte das nächste

Krückenrock, pinke Flamingos und brennende Bühnen

Weitere Stimmungs- und Bandfotos sind in zehn Bildergalerien unter www.rotenburg-rundschau.de und www.scheesseler-anzeiger.de zu finden
 ©Rotenburger Rundschau

(az/stj). Feucht-fröhlich war das Motto des Hurricane-Festivals auf dem Scheeßeler Eichenring. Damit ist weniger der Alkoholgenuss der rund 60.000 Festivalfans gemeint. Schließlich mussten sich die Besucher mal wieder mit wechselhaftem Wetter anfreunden, das den einen oder anderen Regenguss bereithielt. Dennoch wurde vor den drei Bühnen gefeiert, was das Zeug hielt: Die bunte Mischung der verschiedensten Musikstile sorgte dafür, dass jeder auf seine Kosten kam.

Bereits der Freitag lieferte einen denkwürdigen Start ins Open-Air-Wochenende. Bereits um 15.30 Uhr betrat mit den britischen Newcomern Glasvegas die erste Band die Blue Stage. Während der Zuschauerandrang anfangs noch überschaubar war, füllten sich die Reihen immer mehr, als es auf die ersten Highlights des Abends zuging. Gerade hatten die Ting Tings noch eine solide Rock-Show präsentiert, wurde’s für den Auftritt des amerikanischen Popsternchens Katy Perry bunt, oder besser gesagt: ziemlich pink. Pinker Schriftzug mit Glitzer, pinke Plastikflamingos und ein Strasssteinchen-Mikrofon ließen erahnen, was da auf die Headbanger zukam: Die Chartstürmerin sollte ihrem Image voll und ganz treu bleiben. Und so präsentierte sich Katy Perry nicht nur in viel zu knappen Dress, sondern auch mit rosa Leggins und pinken Herzchen-Ohrringen. "Hey you! I wanna make out with you!“, rief sie in die Menge, als sie einen der rargesäten männlichen Fans entdeckte und verabredete sich gleich mit einem ihrer weiblichen Anhänger zum Schäferstündchen mit Kings-of-Leon-Sänger Caleb Followill. Und, das dürfte’s auf dem Hurricane bis dato noch nie gegeben haben: Erstmals hallten "Ausziehen!“-Rufe übers Gelände. Soweit kam’s nicht – stattdessen lieferte Katy Perry samt Band ihre größten Hits "I kissed a Girl“, "Ur so Gay“ und "Hot ‘N‘ Cold“ ab und brachte die Menge zum Kochen. Da ertappte sich selbst der hartgesottendste Hardrocker beim Mitwippen. Als Duffy im Anschluss die Blue Stage betrat, lichteten sich die Reihen etwas, schließlich hatten sich Franz Ferdinand für die Green Stage angekündigt. Die schottischen Indie-Rocker um Sänger Alex Kapranos beehrten das Hurricane nach 2004 bereits zum zweiten Mal und ließen die Massen von der ersten Reihe bis zum Eingang tanzen. Als Einstieg wurde die Kracher "Matinee“ und die neueste Single "No You Girls“ gewählt – damit hatten die Schotten die Menge sofort auf ihrer Seite. Jubelsstürme entbrannten, als Sänger Alex verkündete: "Hurricane – isch liebe disch von ganzem Herzen!“ Den krönenden Abschluss gab’s mit "This Fire“, das gleichzeitig die perfekte Überleitung für die folgenden Kings of Leon war. Die nämlich brachten die Bühne wahrlich zum Brennen – und zwar nicht nur mit fulminanten Leinwand-Projektionen, sondern auch mit ihren Hits "Sex on Fire“, "Use Somebody“ und "Revelry“. Eines der Highlights waren am späten Samstagabend die vor allem von der Generation der heute 30- bis 40-Jährigen sehnsüchtig erwarteten US-Amerikaner Faith No More. Elf Jahre nach ihrer Trennung haben sich die Musiker um Sänger Mike Patton wiedervereinigt, um in diesem Sommer auf Festivals in Europa aufzutreten. Passenderweise eröffneten sie ihren Gig mit "Reunited“ - eine Schmonzette, die 1979 von dem Soul-Duo Peaches & Herb veröffentlicht wurde und so gar nichts mit dem von Faith no more geprägten Funk Metal gemein hat. Wohl aber mit der stilistischen Extravaganz, die "FNM“ seit jeher umgab. Nicht nur musikalisch. Patton betrat im aprikosenfarbigen Anzug, an dessen Revers sich der 41-Jährige wie seine Bandkollegen eine Blume gesteckt hatte, die in einen roten Vorhang gehüllte Bühne. Sich mit der rechten Hand auf eine Art Krückstock stützend humpelte er ans Mikrofon. Das vorgetäuschte Beinleiden hatte sich jedoch spätestens bei Lied Nummer zwei erledigt. Bei The Real Thing - eine Singleauskopplung des 1989 erschienenen gleichnamigen Erfolgsalbums - riss Patton das Mikrofon aus dem Ständer und setzte augenblicklich zu einem Ausfallschritt an, den auch die heutige Generation der Sänger von Hardcore-Bands quer durch den Garten nicht besser hinbekommen hätte. Von Patton gelobt und auf dem Hurricane-Festival gern gesehen waren auch die Pixies - eine Independent-Band aus Boston, die von vielen anderen Alternativ-Rock-Formationen als Einflussgröße genannt wird. Debaser, Monkey Gone To Heaven, Where Is My Mind... - Sänger Black Francis, die sichtbar gut gelaunte Bassistin Kim Deal, Gitarrist Joe Santiago und Schlagzeuger David Lovering ließen keinen Klassiker ungespielt. Als die Pixies 1986 gegründet wurden, hatten Social Distortion schon sieben Jahre Bandgeschichte hinter sich. Von dem heute 47-jährigen Sänger Mike Ness in Kalifornien ins Leben gerufen, gilt das 1983 erschiene Debüt-Album Mommy's little Monster in der Historie des US-amerikanischen Punkrock als wegweisend. Von Rock’n’Roll, Rockabilly, Blues und Country stark beeinflusst bildete sich vor der Bühne ein buntes Völkchen mit Vertretern aller nur denkbaren Jugendkulturen und feierten Ness & Co. - vor allem bei der schnell und schrammelig vorgetragenen Coverversion des Johnny-Cash-Klassikers "Ring of Fire“. Wer am Sonntagmittag bereits ausgehfähig war, besuchte den Auftritt der einzigen Lokalmatadoren des Festivals: Everlaunch präsentierten Songs von ihrem neuen Album "Suburban Grace“. Den Ausklang des Festivals bestritten ebenfalls zwei deutsche Bands: Zunächst Fettes Brot und dann "Die beste Band der Welt“ – die Ärzte – sorgten für strahlende Gesichter bei den Festivalgängern. Farin, Bela und Rod sorgten für den Crowdsurferrekord des Open-Airs. Wer Pech hatte, kassierte für seinen Regelverstoß die rote Karte und musste das Gelände vorzeitig verlassen – die meisten pilgerten aber, wenn auch etwas wehmütig ob des Endes des dreitätigen Dauerkonzerts, mit strahlenden Gesichtern gen Zeltplatz.

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