Bernd Althusmann bei Erdgasdebatte in Dorfmark zu Gast

Suche nach dem Dialog

Bernd Althusmann nahm Listen mit 1.200 Unterschriften mit zurück nach Hannover.
 ©

Dorfmark/Landkreis (hl). Der niedersächsische Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) kniff nicht und stellte sich kürzlich dem angekündigtem Bürgerdialog zum Thema Erdgasförderung in den Landkreisen Rotenburg, Verden und dem Heidekreis. Er kam jedoch auch nicht nach Dorfmark, um das Ende jeglicher Erdgasförderung für jetzt und in Zukunft zu verkünden, was natürlich eine lebhafte aber sachliche Diskussion nach sich zog.

Nicht ohne Hintergrund, denn im Heidekreis plant der kanadische Energiekonzern Vermilion zwei neue Bohrungen. Eine davon betrifft auch Visselhöveder Gebiet in Bleckwedel und Wehnsen. „Die Hoffnung auf einen generellen Stop kann ich nicht erfüllen, übrigens im Einvernehmen mit Ministerpräsident Stephan Weil“, sagte Althusmann im kurzen Pressegespräch vor dem Dialog.

Kein Wunder, dass die hochkarätigen Teilnehmer vor der Tagungsstätte von einer friedlichen Demonstration mit ungefähr 200 Protestierern samt Treckern begrüßt wurden, einige davon auch aus dem Landkreis Rotenburg. Dort übergaben sie Althusmann dann auch eine handschriftlich geführte Unterschriftenliste mit 1.200 Unterzeichnern, die sich gegen neue Bohrungen im Heidekreis aussprachen. „Demos sind ausdrücklich gewünscht. Das ist ein legitimes Recht, das Bürger ihre Meinung kundtun“, reagierte Althusmann auf das Willkommen in Dorfmark.

Im Gasthaus „Deutsches Haus“ ging es dann um die Fakten und der Minister hatte zur fachlichen Beantwortung Experten aus dem Umweltministerium, dem Sozialministerium und dem eigenen Wirtschaftsministerium sowie den Chef des Landesbergamts (LBEG), Andreas Sikorski, mitgebracht. Natürlich standen die neuen Aktivitäten der Kanadier Vermillion zunächst im Vordergrund, aber auch Kreisrotenburger konnten ihre Fragen oder Stellungnahmen loswerden.

Er habe bei den Erdgasförderern eine bessere Kommunikation angemahnt, erklärte Althusmann. „Bei den Erdöl- und Gasförderern sehe ich noch deutlich Potenzial nach oben die Argumente besser zu vermitteln“, kommentierte er die Öffentlichkeitsarbeit der Energiekonzerne. Bezogen auf die Feldleitungen äußerte sich LBEG-Leiter Sikorski: „Bei den Feldleitungen gab es Schadensfälle. Da nagt der Zahn der Zeit dran. Das ist ein Thema mit dem wir uns beschäftigen müssen. Leider fehlt bei alten Leitungen die Dokumentation. Wir sind dankbar für jeden Hinweis“, zeigte Sikorski sich kooperativ. Der Aktivist Andreas Rathjens wies ihn dabei auf einen Sauergasausstoß bei einer Bohrung in der Nähe von Völkersen mit entsprechenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen hin. Das Amt sei dort von einer Süßgasbohrung ausgegangen, so Sikorski, aber in einer von Rathjens vorgelegten schriftlichen Antwort des LBEG wurde noch die Möglichkeit einer Felddüngung durch die Landwirtschaft ins Spiel gebracht.

Interessante Einblicke in die Branche trug Matthias Bantz vom Ärzteverband IPPNW vor, weil er an einer Tagung der Erdgas- und Erdölförderunternehmen in Celle teilgenommen hatte. Besonders die Dichtheit der Zementrohre und die Überwachung der Anlagen sowie Bohrstellen sei Thema gewesen, weshalb er mehr Überwachung durch das LBEG forderte. „Wir als Ärzte haben eine Verpflichtung gegenüber unseren Patienten“, schilderte er seine Motivation. Außerdem sprach er die gesammelten Gesundheitsstudien vornehmlich aus Nordamerika an, die er vor einiger Zeit dem Wirtschaftsminister in Verden überreicht hatte.

Auf die Studie des Sozialministeriums kam Althusmann selber zu sprechen. „Bis auf den Raum Bothel haben wir keine Hinweise auf Indizien für Bodenbelastungen“, sagte er. Deswegen sollen hier weitere Nachforschungen unternommen werden. „Im Raum Bothel sind nachweislich Indizien für eine Gefährdung der Gesundheit aufgetreten. Mehrere Faktoren spielen da eine Rolle, diesen soll das Sozialministerium weiter nachgehen“, so Althusmann. Das Sozialministerium stellte in Aussicht die Ergebnisse der Abstandsstudie Ende August und die Studie zum Human Monitoring in zwei bis drei Monaten zu präsentieren.

Wolfgang Marschhausen aus dem Landkreis Verden forderte: „Erdgasförderung in Trinkwasserschutzgebieten muss sofort gestoppt werden“. „Ein freilwilliges Moratorium von der Industrie ist durchaus denkbar. „Mit Blick auf die Energiesicherheit für Deutschland wird schon jetzt Schritt für Schritt die regenerative Energie eingeführt. Deswegen ist das Erdgas nur eine Brückentechnologie“, antwortete Althusmann. Denn für ein verpflichtendes Moratorium gäbe es keine rechtliche Grundlage. „Dekarbonisierung, wann beginnen Sie damit und welche Teile des Landtages beschäftigen sich damit?“, sprach auch die Botheler Grüne Birgit Brennecke die Energiewende an. „Es ist nicht so, als wenn wir nichts tun. Der VW-Konzern, woran wir als Land beteiligt sind, setzt voll auf E-Mobilität und mit 40 Milliarden Euro forscht der Bund nun zur Wasserstofftechnologie. 60 Prozent regenerative Energien haben wir in Niedersachsen, dem Windenergieland Nummer eins“, entgegnete Althusmann. Der Wirtschaftsminister wolle sich bei seinem Kollegen auf Bundesebene Peter Altmaier für eine verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung bei Bohrungen einsetzen, gab er den Teilnehmern nach zweieinhalb Stunden Dialog mit auf den Heimweg.

12.07.2019

Ehrenamtskarte

12.07.2019

Eröffnung der Tarmstedter Ausstellung

12.07.2019

Kulturbankett Rotenburg

09.07.2019

Protest in Dorfmark