Oste wieder Heimat für Edelfische - Naturschützer ehren Projektinitiator Ernst Peters

"Bester Lachsfluss in Deutschland"

(rm). Bis vor 80 Jahren stiegen noch massenhaft Lachse und Meerforellen die Oste hinauf. Dann sank die Gewässerqualität so stark, dass die Edelfische ausblieben. Seit einiger Zeit jedoch verrichten einige Hundert in den Flüsschen im Raum Sittensen wieder ihr Laichgeschäft. Ein Erfolg für "Lachsvater" Ernst Peters aus Zeven. Als Dank überreicht der Naturschutzbund Nabu aus dem Nordkreis dem 75-Jährigen einen Umweltpreis.

Lachse sind eigenwillige Tiere. Sie schlüpfen in den Oberläufen der Flüsse, wachsen heran und wandern mit drei Jahren ins Meer. Zwei Jahre später kämpfen sich die dann geschlechtsreifen und fast fünf Kilo schweren Fische stromauf zurück. Denn sie wollen ihre Eier genau dort ablegen, wo sie selbst geboren wurden. Nachteil der Heimatverbundenheit: Ist die Fischart in einem Fluss erst einmal ausgestorben, bildet sich dort von alleine niemals eine neue Population. Selbst, wenn die Wasserqualität wieder okay ist. Denn kein Lachs im Meer weiß davon. Diese Logik durchbrach Ernst Peters vor fast 25 Jahren. Erstmals im Februar 1982 ließ der Angler und Chef der Besatzgemeinschaft Oste 20.000 Lachseier aus Norwegen kommen - dem Spott vermeintlicher Fachleute zum Trotz. Sechs Wochen später (das Wasser muss acht bis zehn Grad warm sein, damit sich genug Mikroorganismen zum Fressen bilden) wurden die in einer Brutanlage in Freyersen geschlüpften Fischchen in Nebenbächen ausgesetzt. In der Oste selbst wären die Zwei-Zentimeter-Winzlinge Opfer von Raubfischen geworden. Das Experiment glückte. Tatsächlich kehrten 1988 die ersten Lachse aus dem Meer zurück. Inzwischen sind es Jahr für Jahr etwa 600, hat das Landesamt für Ökologie durch Markierungen mit Sendern herausgefunden. "Damit ist die Oste Deutschlands bestes Lachsgewässer", freut sich Peters. Die größten Edelfische seien über einen Meter lang und mehr als zehn Jahre alt. Warum verschwand der Lachs um 1920? "Die Nebenflüsse der Oste wurden begradigt", sagt Peters. Nabu-Vorsitzender Uwe Baumert ergänzt: "Und die Intensivierung der Landwirtschaft führte zur Überdüngung der anliegenden Felder und Wiesen." Dadurch wurde das Wasser zu nährstoffreich. Heute sind diese Übel zum Teil behoben: Viele Uferbereiche sind naturnah gestaltet. Leistungsfähigere Klärwerke verhindern eine Verschmutzung des Wassers. Und eine aufgeschlossenere Generation von Bauern hält beim Düngen genügend Abstand zu Gewässern. Dennoch ist Peters nicht am Ziel. Denn die Salmonidenbestände halten sich bisher noch nicht aus eigener Kraft. Frühjahr für Frühjahr brüten der Lachsvater und seine Leute rund 70.000 Lachs- und 250.000 Meerforelleneier aus und setzen die Jungfische ein. Die Anlage befindet sich heute nicht mehr in Freyersen, sondern in der Nähe der Wassermühle in Sittensen. Was muss passieren, damit diese teure Nachzucht überflüssig wird? Notwendig sind vor allem mehr Kiesbänke mit der richtigen Körnung, meinen Peters und Baumert. In die nämlich schlagen die Lachse ihre Laichgruben. Auch die Ufer müssen noch verbessert werden, sagen die Naturschützer. Sie beklagen neue Befestigungen aus Industriesteinen, wilde Bauschutt- und Müllkippen sowie Rasenschnitt, den Anwohner in den Fluss werfen. Baumert: "Ich hoffe auf die Einsicht der Anlieger und die Kompetenz von Behördenmitarbeitern, die sich der Umwelt verpflichtet fühlen." Bei frevelhaftem Verhalten müssten auch mal Zeichen gesetzt werden. Übrigens: Peters Beispiel machte Schule. In die Wümme werden seit einigen Jahren ebenfalls salmonide Jungfische ausgesetzt. Die Brutanlage befindet sich in Lauenbrück. Sie hat etwa die halbe Kapazität wie die in Sittensen.

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