Warum Fichten nicht überall gern gesehen werden - Von Christiane Looks

Unerwünscht

Naturschutzgebiet Ottinger Ochsenmoor bietet ein nicht standorttypischem Nadelforststück. Foto: Joachim Looks
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Ottingen. Nachdem wir vor mehr als 40 Jahren in den Landkreis Rotenburg gezogen waren, fanden sich bei Erkundungen in der Region sprachliche Besonderheiten in Ortsbezeichnungen, deren Entschlüsselung mich reizte. Nicht alles ließ sich so ohne weiteres klären. Wusste ich nicht mehr weiter, half der Vater meiner Mutter.

Mein Großvater verfügte berufsbedingt über eine umfangreiche Bibliothek mit unzähligen sprachwissenschaftlichen Werken, und es bereitete ihm Freude, darin so lange zu stöbern, bis er sprachlich Rätselhaftes entschlüsselte. So trug er dazu bei, eine bis heute bei uns beliebte Frühlingswanderung namentlich besser zu verstehen.

Die Route stammt aus dem vergriffenen Ratgeberbuch des ehemaligen Heimatbundes Rotenburg Wümme und führt von Ottingen durch den Ahrser Sunder im heutigen Heidekreis nach Jarlingen. In der Wegeerläuterung wird der Ahrser Sunder als Waldung bezeichnet. Exaktere Karten zeigen, dass es nicht nur den Ahrser, sondern auch einen Ottinger Sunder gibt sowie Flurbezeichnungen mit „Neben dem Sunder“ und „Vor dem Sunder“.

Was bedeutet Sunder? Großvaters Bibliothek wusste eine Antwort: Sunder ist ein Jahrhunderte altes, mittelniederdeutsches Wort und bezeichnet einen aus einer Gemarkung abgesonderten Bereich für besondere Zwecke. Oft waren diese Waldstücke, in denen für Bauwerke gerade, hochstämmige Bäume wuchsen und deshalb durch Einzäunung vor Verbiss geschützt werden sollten, oder die der Jagd dienten. Teile des Ahrser Sunders und „Neben dem Sunder“ gehören seit 2003 zum Naturschutzgebiet Ottinger Ochsenmoor, das kreisübergreifend im Heidekreis und im Landkreis Rotenburg liegt. In dem Verordnungstext zum Schutzgebiet werden unter anderem als Zweck der Unterschutzstellung Erhaltung und naturnahe Entwicklung der standortheimischen Laubmischwälder an den Moorrändern des Ochsenmoores bei Ottingen und Jarlingen als schützenswerte Birken-Kiefernbruchwälder und -moorwälder genannt.

Extra aufgeführt wird der im Naturschutzgebiet liegende Waldbestand des Ahrser Sunders. Er wird forstwirtschaftlich sogar nach Löwe-Grundsätzen genutzt, wobei „Löwe“ für „langfristige ökologische Waldentwicklung“ steht.

Bei den Birken-Kiefernbruchwäldern und -moorwäldern gelten andere Regeln. Es gibt eine Reihe von Ausführungen dazu, was erforderlich ist, um den angestrebten Schutzzweck strukturreicher, standortheimischer Laubmischwälder zu erreichen. Nadelforsten mit den für Moorränder nicht standorttypischen Fichten, wie sie im Bereich des Naturschutzgebietes entdeckt werden können, gehören eher nicht dazu. Ihre Reduzierung trägt dazu bei, charakteristischen Tier- und Pflanzenarten der Moorwälder neuen Lebensraum zu schaffen.

Wer auf Entdeckungsreise gehen möchte: Von Visselhövede aus wird Ottingen über die B 440 erreicht. Gleich beim ersten Anwesen auf der linken Seite zweigen von der Bundesstraße drei Wege ab. Bitte die erste, scharf nach rechts abzweigende Möglichkeit wählen. Sie macht bald einen leichten Schlenker nach links und stößt auf eine Wegekreuzung. Links abbiegen. An einem kleinen Wäldchen mit der Nachbildung eines ehemaligen Grenzsteines zwischen dem Bistum Verden und dem Herzogtum Lüneburg vorbei wird der Bereich des Ottinger Ochsenmoores erreicht. Auf dem Weg bleiben bis zu einem sogenannten T-Stück. Dort rechts halten, an den letzten Ottinger Häusern vorbei und weiter an einem nicht zum Naturschutzgebiet gehörenden Waldstück links entlang. Während dieser Wald bald endet, begleitet uns zur Rechten weiter das Schutzgebiet des Ottinger Ochsenmoores. Kurz bevor linker Hand wieder Wald beginnt, steht am rechten Wegesrand eine Schutzhütte, von der aus es einen interessanten Blick auf das Naturschutzgebiet gibt. Das Schutzgebiet fängt hier unmittelbar am Fichtenwaldstück an. Es zählt zu den in diesem Bereich unerwünschten Nadelforsten, weil Fichten die angestrebte, standorttypische Waldentwicklung behindern.

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