Diskussion zur Erdgasförderung in Bad Fallingbostel - Von Klaus Müller

„Notfalls nach Berlin“

Zahlreiche Bürger nahmen an der Diskussion teil. Foto: Klaus Müller
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Wittorf/Bad Fallingbostel. Jahrelang kämpft Heinz-Hermann Gerke von der Initiative Wittorfer Bürger für Umwelt und Gesundheit (WUG) bereits gegen weitere Erkundungsbohrungen für Erdgas in seiner Region. Kürzlich nahm er mit fünf weiteren WUG-Mitgliedern in Bad Fallingbostel an der großangelegten Podiumsdiskussion des Aktionsbündnisses gegen Gasbohrungen teil. Nach fast drei Stunden war es für ihn „wieder einmal eine interessante Veranstaltung, aber wir sind keinen Schritt weiter gekommen.“

Gerke vermisst konkrete Aussagen zu einem vernünftigen Monitoring, beispielsweise in Bothel, das an diesem Abend immer wieder erwähnt wurde. „Warum kann man so etwas nicht umsetzen, wie es der Schornsteinfeger durchführt. Er misst direkt am Schornstein und nicht in weiter Entfernung, um zu einem Ergebnis zu kommen?“ Er sei enttäuscht von der Politik, auch an diesem Abend.

Für viele andere im vollbesetzten Saal des Kurhauses war es eine wichtige Information darüber, wie es mit dem so heißen Thema „Gasbohrungen im Heidekreis und im Landkreis Rotenburg“ weitergeht. Das Aktionsbündnis gegen das Gasbohren in dieser Region hatte zu dieser Podiumsdiskussion eingeladen, mit Gegnern und Befürwortern der Gasförderung im Land und einer sehr prominente Besetzung, die sich fast zwei Stunden lang den Fragen der Besucher stellten. Am Ende zog Hans-Heinrich von Hofe, Sprecher der Initiative, eine „gute Bilanz dieses Abends“, bei dem es auffällig ruhig blieb, der seiner Ansicht nach aber einiges an Aufklärung brachte.

„Sie haben ein klares Nein zu weiteren Erdgasbohrungen erhalten. Die Gemeinden haben entsprechende deutliche Resolutionen verabschiedet, denen sich der Landkreis angeschlossen hat“, verdeutlichte Manfred Ostermann, Landrat des Heidekreises in der Diskussion. „Die Landkreisbehörde wird diesen Weg gemeinsam mit ihrer Bevölkerung auch in Zukunft gehen und gegenüber dem Bergamt eine klare Haltung einnehmen.“

Bohrungen dürften nicht in Wasserschutzgebieten und Naturschutzbereichen stattfinden, eine Forderung, der sich dann allerdings auch Jürgen Rückheim, Generalbevollmächtigter Vermilion Germany, anschloss: „Wir haben gelernt,“ gab er zu. Und weist daraufhin, dass sein Unternehmen bei den Bohrungen die neuesten technischen Geräte einsetzt. Denn es werde an den Planungen für Erdgasbohrungen im Heidekreisraum, in Dorfmark, Oerbke und auch in Visselhövede festhalten. Man bräuchte das Erdgas auch noch in der Zukunft, einer Reduzierung und dem Einsatz anderer umweltfreundlicher Energien stände noch ein langer Weg bevor, so Rückheim.

„Wir wollen alternative Energien und möglichst schon morgen keine Erdgasförderung in Deutschland mehr,“ sagte Grünen-Sprecherin Julia Verlinden.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil plädierte dafür, erst einmal die Ursachen für die gehäuft aufgetretenen Krebsfälle in Bothel zu klären, bevor man über andere Aktionen der Bohrlochbetreiber spricht. „Machen Sie die Menschen dieser Region nicht noch unruhiger.“

Klingbeil spricht auch über das Fracking-Gesetz, das vor einigen Jahren das alte Berggesetz ersetzt hatte. „Ich war einer derjenigen in meiner Partei, der nicht zugestimmt hat, weil das Bergrecht wichtige neue Regelungen nicht aufgenommen hatte. Die Umweltverträglichkeitsprüfung für jede beabsichtige Bohrung muss endlich stattfinden, bundesweit.“ Ludwig Möhring, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Erdgas, Erdöl und Geoenergie, verteidigte wiederum die Erdgasförderungen, sprach aber auch von umweltfreundlichem Gas, das man auf den Markt bringen möchte.

Andreas Sikorski, Präsident des Landesbergamtes (LBEG), stand an diesem Abend des Öfteren im Kreuzfeuer. „Ich bin nicht nur einfacher Beamter, sondern reagiere auf die Bedürfnisse der betroffenen Bürger,“ sagte er – und erntete dafür Lacher aus dem Plenum. Aber er stellte klar, dass er das vorgeschriebene Recht umsetzen müsse. „Wir müssen auf die Anregungen und Informationen aus der Region mehr eingehen“, betonte Sikorski. „Bisher hat es noch nie eine Genehmigung einer Bohrung gegeben, wenn der Landrat dagegen war.“ Aber Dorfmark, die Bohrstelle Wisselshorst 2, Oerbke und Visselhövede blieben in der Pipeline: „Wir haben diese Bereiche nicht aufgegeben“, so Rückheim.

Noch steht kein neuer Bohrturm im Landkreis, „aber notfalls werden wir nach Berlin fahren und den Politikern dort deutlich machen, was wir unter Umwelt- und Klimaschutz in der Lüneburger Heide verstehen und dass wir endlich ruhiger leben wollen,“ sagt von Hofe am Schluss der Veranstaltung.

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