Wenn Wege auf Wanderschaft gehen / Alte Reste in Hellwege - Von Christiane Looks

Wink mit dem Zaunpfahl

In der Hellweger Feldmark gibt es wieder breite Wegeseitenränder. Foto: Joachim Looks
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Hellwege. Es hatte einer großen Überzeugungsarbeit bedurft, um meine Eltern zu überreden, dass wir drei heranwachsenden Geschwister endlich alt genug waren, ohne Eltern oder Verwandte zu reisen. Nach scheinbar endlosen Debatten und heftigem Gemaule der in dieser Angelegenheit sich mal einigen Kinder stimmten sie zu, dass wir – unter ihren wachsamen Augen sorgfältig vorbereitet – eine Woche mit dem Fahrrad in Ostholstein von Jugendherberge zu Jugendherberge unterwegs sein durften, natürlich vorher angemeldet.

Während meine Schwester mit mir auf der jeweiligen Etappe ein Gutshaus nach dem anderen anschauen wollten, zeigte mein Bruder absolut kein Interesse an den – aus seiner Sicht – völlig überholten Gemäuern, sondern plante sportliche Strecken, mit denen er unsere Sightseeing-Touren kilometermäßig locker um das Dreifache übertreffen konnte. Abends in der jeweiligen Jugendherberge trafen dann drei tagsüber unterschiedlich ausgelastete Geschwister wieder zusammen.

Bei unseren Mädelsfahrten über bewusst herausgesuchte Wege war uns aufgefallen, dass viele traditionelle Verbindungswege zwischen Gütern im Laufe der Zeit Veränderungen erfahren haben mussten. Sie entsprachen selten Prinzipien, wie moderner Wegebau sie bevorzugt. Fast jeder kennt das Phänomen: sorgfältig angelegte Verbindungen werden nach und nach optimiert, indem kürzere Routen überall dort entstehen, wo sich die Möglichkeit zu einer Abkürzung ergibt. Das erfolgt nicht chaotisch, sondern geht hervor aus der Abneigung, Umwege zu laufen.

Eine solche Praxis-Anpassung findet sich oft. Feldbreiten orientierten sich häufig an der Breite üblicher Arbeitsgeräte. Wer sich schon einmal abmühte, einen Kiesweg möglichst gleichmäßig zu harken, weiß wie ärgerlich es ist, wenn die Breite der Harke nicht mit der des Weges übereinstimmt. So ist die Neigung gegebenenfalls groß, sich entweder eine geeignete Harke zu besorgen oder die Wegebreite zu verändern. Bei Feldern ist dieses nicht anders. Ein mittelalterlicher Pflug sieht gegenüber einem hochmodernen geradezu winzig aus. Schmalste Ackerstreifen mit modernstem Gerät zu bewirtschaften ist eine Herausforderung. Da liegt es nahe, Gegebenheiten anzupassen, wo es möglich scheint. Beobachteten meine Schwester und ich, dass sogenannte Drei-Wege-Kreuzungen auf unserer Radtour durch Wegeoptimierung an ihrer Verzweigung nicht gradlinig verliefen, sondern sich kurvig aneinanderschmiegten und häufig genutzte Wege breiter als solche waren, die eher selten benötigt wurden, so besteht bei ungünstig zugeschnittener Wirtschaftsfläche zumeist nicht die Neigung, eigene Flächen passend zu verkleinern, sondern sie durch Gebrauch zu erweitern. Da wird dann der Feldrand gegebenenfalls schmaler, und wo ursprünglich zwei Menschen bequem nebeneinander spazieren konnten, entwickelte sich im Laufe jahrelanger Nutzung ein Rest von Trampelpfad. Im nicht-öffentlichen Wegebereich ist das Privatsache. In manchen Gärten überwuchert üppiges Grün ohne energischen Rückschnitt schmale Fußwege derart, dass nur mutige Zaun-Konstruktionen ein vorsichtiges Bewegen im Privat-Dschungel möglich macht.

Sich langsam in einen öffentlichen Wegeseitenraum ausbreitende Äcker zum Rückzug zu bewegen, erfordert mehr als den Einsatz von Heckenscheren. In der Hellweger Feldmark gibt es ein interessantes Beispiel, wie Gemeinde und Anlieger ein sich im Laufe von Jahren langsam herausgebildetes Wegeseitenbild korrigierten. Durch Nutzung war der Wegerand nach und nach schmaler geworden und wurde schließlich auf seine ursprüngliche Breite zurückgeführt. Das ist bis heute gut nachzuvollziehen, denn im Seitenraum finden sich alte Weidepfähle, die jetzt dekorativ im öffentlichen Grün stehen.

Wo? Wer von Hellwege aus über Dorf- und Ahauser-Straße den Ort verlässt, stößt nach 750 Metern auf ein Einzelanwesen an der rechten Straßenseite, vor dem ein befestigter Weg (Rammels) abzweigt. Dem wird gefolgt. Nach ungefähr einem Kilometer geht links ein Feldweg ab. Ein gemütlicher Spaziergang räumt die Chance ein, den rechten Wegeseitenrand genau im Auge zu haben. Er führt zu den dekorativ verbliebenen Zaunpfählen.

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