Sottrum 2030: Bewohner der Gemeinde diskutieren ihre Zukunft - Von Matthias Daus

Dorf: ja, aber bitte keine Kleinstadt

Ob in großen oder in kleineren Gruppen, die Teilnehmer der Planungswerkstatt diskutierten.
 ©Matthias Daus

Sottrum. Das Heimathaus ist gut gefüllt – offenbar hatte die Einladung zur Planungswerkstatt für das Projekt Sottrum 2030 reges Interesse gefunden. Wo geht die Reise hin? Um einen Beitrag zur Antwort auf diese Frage zu leisten und einen vorsichtigen Blick in die Zukunft der Gemeinde zu werfen, fanden sich etliche Bewohner im Traditionsbau ein.

Wenn man das Ergebnis der ersten Bürgerbeteiligung zusammen fassen möchte, dann ist es der Widerstreit darum, dass gerade der Kernort Sottrum an der Schwelle zur Kleinstadt steht, gleichzeitig aber die Menschen, die dort leben, den dörflichen Charakter nicht verlieren möchten. Aber der Reihe nach.

Die erste Planungswerkstatt war eine offene Veranstaltung. Niemand musste sich im Vorfeld anmelden. So blieb es bis zuletzt spannend, wie das Echo in der Gemeinde ausfallen würde. Die rund 100 Sitzplätze, die von den Organisatoren zu Beginn bereitgestellt wurden, waren schnell vergriffen. Mehr Stühle wurden geholt und selbst diese reichten nicht komplett. Zunächst hatte Dr. Ulrich Berding vom Planungsbüro „Plan 2“ das Wort. In knappen Sätzen verschaffte er einen Überblick darüber, was er mit seinem Team in den vergangenen Monaten in der Gemeinde Sottrum ermittelt hatte. Was er in erster Linie damit umschrieb, wie es möglich wäre, sich der anstehenden Probleme anzunehmen und die Chancen zu nutzen, die sich bieten. „Als Ergebnis werden wir einen Kompass erstellen, der die Richtung angibt, in die sich Sottrum entwickeln soll“, sagte er, „deshalb sind Sie heute hier, um uns zuzuhören und vor allem sind wir hier, um Ihnen zuzuhören.“

Da es ein Ding der Unmöglichkeit ist, die Meinungen von derart vielen Menschen an einem Abend anzuhören, wurde die Befragung auf zwei Arten kanalisiert. Zunächst gab es ein „Nachbar-Interview“, in dessen Verlauf jeder seinen Sitznachbarn befragte und die Ergebnisse auf verschieden farbigen Karten notierte, welche anschließend an Leinen aufgehängt wurden und zudem auch in den zukünftigen Planungsprozess eingebunden werden sollen. Die drei Kernfragen, um die es ging, waren: Wo sehen Sie Chancen und Potenzial für Sottrum? Worauf kann aufgebaut werden? Und was muss verbessert werden? Das Ergebnis war ein wildes Stimmgewirr. Der Beobachter konnte den Eindruck gewinnen, jedem der Anwesenden läge schon lange etwas Wichtiges auf der Seele, was er unbedingt mitteilen wollte – als wäre diese Veranstaltung das Ventil, um den eigenen Gedanken Ausdruck verleihen zu können.

Die zweite Ebene der Meinungsfindung war das Bilden von vier verschiedenen Gruppen, die sich mit so unterschiedlichen Themen wie der örtlichen Wirtschaft, der Naherholung und dem Umweltschutz, dem Verkehrswesen sowie der breit gefächerten Thematik rund um das Wohnen unter sozialen Aspekten beschäftigen. Großer Gesprächsbedarf bestand beim Verkehrswesen. Insbesondere bei dem Widerstreit, auf der einen Seite die Vorzüge einer sehr guten Verkehrsanbindung zu genießen und sich andererseits mit den Folgen des hohen Verkehrsaufkommens konfrontiert zu sehen. Wie sinnvoll ist eine Umgehungsstraße, wenn sie überhaupt möglich ist? Wie kann man Fußgänger und Radfahrer besser in den Verkehr integrieren? Diese und viele weitere Szenarien und Beispiele wurden diskutiert.

Eine Diskussion, die sich auch auf der Ebene des Wohnens und des sozialen Umfelds in der Gemeinde ergab: Ist Sottrum zur „Schlafstätte“ verkommen? Ist hier abends der Hund begraben? Wie kann man bezahlbaren Wohnraum gewährleisten angesichts der steigenden Immobilienpreise? Wie geht man mit den Folgen des Bevölkerungswachstums um? Was muss gewährleistet sein, damit Wohnen in Sottrum attraktiv wird? Wie weit geht die Eigenverantwortung der Einwohner, wenn es um die Lebensqualität geht? Fragen über Fragen.

Am Ende des Abends wurden die Ergebnisse der Diskussionsrunden in Kurzform präsentiert. Für das Projekt Sottrum 2030 ergibt sich das Fazit, dass die Menschen gerne hier leben, aber nicht wissen, ob Sottrum noch das Dorf sein kann, das sie sich eigentlich wünschen. Die Unsicherheit darüber zu überwinden, ob diese Entwicklung eher Fluch oder Segen sein wird, bleibt die größte Aufgabe für die zukünftige Planung darüber, wohin es mit Sottrum gehen soll.

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