Jazzkonzert von Marialy Pacheco in Hellwege

Kein Abend wie der andere

Die Jazzpianistin Marialy Pacheco begeisterte in Hellwege.
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Hellwege. „Kein Abend ist wie der andere und jeder Auftritt hat seine eigene Magie“, so Marialy Pacheco, nachdem sie zwei Musikstücke zu Beginn ihres Soloauftritts im Heimat- und Kulturhaus Hellwege virtuos am Klavier gespielt hatte.

Und tatsächlich liegt in der Musik als Kommunikationsmittel die Chance ein Netz zwischen Musiker und Publikum zu knüpfen, das Verständigung auf anderen Ebenen möglich macht. Besonders der Jazz hat dort seine Aufgabe, denn wie in keiner anderen musikalischen Disziplin ist es dem Künstler möglich, direkt auf die Stimmung im Publikum einzugehen und die entstehende Musik mit der eigenen Befindlichkeit zu verbinden. So entsteht Einmaligkeit: „Jeder Abend mit Jazzmusik ist nicht zu wiederholen – eben einmalig“, so Pacheco. Auf die Frage eines Gastes, ob sie nicht die temperamentvolle, südländische Stimmung bei den deutschen Nordlichtern vermisse, meinte die Pianistin: „gerade das deutsche Publikum ist da sehr respektvoll, da es bei Balladen selten dazwischenhustet oder gar Zwischenapplaus gibt.“

Die schon mit etlichen Preisen geehrte Pacheco hat mit vielen bekannten Musikern zusammen gespielt und so muss man Edwin Bohlmann großes Lob aussprechen, dass es ihm gelungen ist diese Ausnahmekünstlerin zu verpflichten, das dritte Konzert der Kulturinitiative Sottrum mit dem HuK-Hellwege zu gestalten.

In seiner Anmoderation dankte Bohlmann dann auch den Sponsoren dieser Veranstaltung, ohne die es kaum möglich geworden wäre, den geringen Eintrittspreis und die moderaten Getränkepreise zu halten. Neben dem Landschaftsverband Stade, dem Kulturförderverein Rotenburg, beteiligte sich auch die Bäckerei Holste, die Werbefirma „Kampanje Werbekultur“ und natürlich die Samtgemeinde Sottrum und die Gemeinde Hellwege an diesem Projekt.

Das Klavierhaus Helmich aus Verden stellte den, von der Künstlerin geliebten, Bösendorfer Flügel, der gleich am Anfang des Konzerts zeigen musste was in ihm steckt. Mit schnellem, perlendem Stakkato hämmerte Pacheco auf den Konzertflügel ein, um gleich danach Härte mit Weichheit – Ernsthaftigkeit mit Humor zu tauschen. Der folgende Blues zeigte die zierliche Künstlerin versunken im Scheinwerferlicht der eigenen Improvisation. Die Finger fanden von selbst die Klangtreppen aufwärts und abwärts über die Klaviertastatur.

Ein Stück läge ihr besonders am Herzen, wie die aus Kuba stämmige Jazzerin mit deutschem Pass, erzählte. Auf einer Reise durch Kambodscha habe sie mit ihrem Mann zusammen, die Straßenkinder des asiatischen Landes erlebt. Und tatsächlich erzeugte die darauf folgende Klaviermusik eine Morgennebelstimmung in der sich die Kinder die Augen reiben und dem neuen Tag entgegen sehen.

Das Musikstück nimmt nun Fahrt auf und man sieht die Bilder der hellen Mittagssonne aufsteigen, die manchmal auch weh tun kann. Harmonie und Dissonanzen begleiten die Kinder über den Tag bis zum Müdewerden am Abend und den funkelnden Sternen in den Träumen, wo die Szenen des Tages wieder auftauchen. Bei dieser Musik gelang es Marialy Pacheco am stärksten, das erwähnte Netz zwischen Publikum und Künstlerin zu weben.

Die Konzertbesucher waren beeindruckt und spendeten vehement Beifall. Allerdings waren viele überrascht, dass Pacheco schon nach knapp einer Stunde das letzte Stück ankündigte und mit einem Wiegenlied musikalischen Traumsand in die geschlossenen Augen des Publikums rieseln ließ.

Es gab noch eine einfühlsame Zugabe: „Black Bird“ von Paul McCartney. Dann ging das Licht an und der volle Saal machte sich zum Verlassen der Spielstätte bereit. Marialy Pacheco signierte ihre neue CD „Duets“ und verwies auf ihr Gastspiel im Bremer Sendesaal am 22. Juni in Bremen. Vielleicht zu kurz, dieser mittelamerikanischer Jazz-Rausch, aber das Versprechen eines magischen Erlebnisses war eingelöst worden: Dieser Abend war nicht wie jeder andere.

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