Es geht auch mit wenigen Melodien: Jazz Smells konzertiert im Heimat- und Kulturhaus Hellwege

Nikotinfreie Vibration

Klaus Fey (Saxofon), Wolfgang Ekholt (Schlagzeug) und David Jehn (Bass) ließen den Jazz im Heimat- und Kulturhaus aufleben.
 ©Wilfried Adelmann

Hellwege (wa). Die Luft ist nikotingeschwängert, Biergläser klirren, Gesprächsfetzen durchschwirren den Raum. Viele Gäste stehen oder lehnen an den Wänden – den Blick starr auf die Musiktruppe gerichtet und nur leicht mit den Zehen wippend, wenn das Trio auf der Bühne auch Melodiöses zum Besten gibt. Wie im Jazz-Keller ist es mit „Jazz Smells“.

Jazz weckt Erwartungen an die Atmosphäre. Die ist im Heimat und Kulturhaus in Hellwege aber gesitteter, als in den verräucherten Spielstätten des Existenzialismus der 60er Jahre: Die Gäste sitzen an ordentlichen Tischen mit schönen Tischdecken und edlen Weinen in den Händen. Aber die Liebe zum Jazz lässt die Besucher des Konzerts immer noch fasziniert lauschen, wenn ein Saxofonsolo den Raum zwischen Musikern und Publikum zum Vibrieren bringt. Und das schafft das Trio „Jazz Smells“: David Jehn am Bass, Wolfgang Ekholt am Schlagzeug und Klaus Fey am Saxofon. „Die spielen nicht erst seit Gestern“, so eine Besucherin des Konzerts, die von der Virtuosität der Musiker begeistert ist.

„Das Besondere an unserem Trio ist, dass es kein Harmonieinstrument, wie zum Beispiel ein Klavier, bei uns gibt“, meint Jehn nach dem Konzert. So könne sich Spannung entwickeln, das Setzen von Akzenten sei leichter und es entstehe ein Dreieck mit sich verändernden Seiten: Mal ist der Bass dominant, mal übernehmen das Saxofon oder die Klarinette die Führung und dann schießt plötzlich Ekholt hinter seinen Trommeln und Becken hervor und bringt die Musik in eine andere Richtung. Chaos und Ordnung sind die Pole zwischen denen sich die Jazz-Musik des Trios bewegt und so Spannung schafft, die zu Lebendigkeit und Neugier wird. Nichts ist vorgefasst. Nur die grundsätzlichen Harmonien und die Geschwindigkeiten sind auf losen Blättern festgehalten, die auch mal durch den Raum segeln, wenn es dem „Springteufel“ hinter seiner Rhythmusmaschine in den Sinn kommt.

Das Ausleben der verschiedenen Charaktere der Musiker ist im Jazz besonders gegeben und führt dazu, dass ein jovial gespielter Bass gegen ein zickiges Schlagen der Trommeln steht und sich ein ausgleichendes Saxofonspiel um Beruhigung bemüht. Vom Altmeister John Coltrane oftmals inspiriert, gibt das Trio nicht nur anstrengende Tonfolgen von sich, sondern begeistert auch das Publikum mit Melodiösem, das sich dann allerdings zu einem Crescendo entwickeln kann, das alle am Ende des Konzerts zum Aufatmen bringt und im Schlussapplaus einige Begeisterungsäußerungen auslöst.

„Jazz Smells“ hat es geschafft, die Atmosphäre eines Jazz-Kellers nikotinfrei in den Raum des Heimat und Kulturhauses zu übertragen. Und dies in einem Prozess, den es wohl nur im Jazz gibt – der es dem interpretierenden Künstler möglich macht, in sensibler Interaktion mit seinen Kollegen und dem Publikum zu treten. Den Konzertbesuchern verlangt das aber etwas ab: Sie sollen sich in die besondere Klangwelt einer Jazz-Darbietung einlassen, ein Stück dieser Prozesswelt werden und dabei noch richtig Spaß haben. Dies gelingt nicht jedem. So manche Besucher horchen dankbar auf, wenn es eine bekannte Melodie schafft, sich in den Modern Jazz zu schummeln. Die Zeiten von Zigarettenqualm und Bierflecken sind wohl vorbei, aber für viele ist es immer noch möglich das freiheitliche Fluidum zu spüren, das der Jazz erzeugt. Der Gruppe um Fey ist es jedenfalls gelungen und mit zufriedenen Gesichtern verlassen die Besucher das Heimat und Kulturhaus in Hellwege mit der Hoffnung, dass bald wieder ein Konzert-Experiment im „Jazz-Keller“ des Huk stattfinden wird.

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