Drei junge Männer über ihr Leben als Flüchtling in Sottrum - Von Lena Prüser

In einem fremden Land

Brigitte Mintenbeck ist im Unterstützerkreis für Flüchtlinge aktiv und kümmert sich darum, dass den neuen Bewohnern Sottrums auch mal ein Fahrrad zu besseren Mobilität zur Verfügung steht. Dafür ist der Kreis allerdings auf Spenden angewiesen.
 ©Rotenburger Rundschau

Sottrum. Temperaturen um den Gefrierpunkt, eine komplizierte Sprache: Das Leben, das Adam Traore, Omar Isakob und Ahmed Oumar zurzeit in Sottrum führen, birgt Schwierigkeiten. Die drei sind Flüchtlinge, die seit einiger Zeit in Sottrum leben. Aber es gibt Menschen, die sie bei den ersten Schritten in einem für sie fremden Land unterstützen: Mitglieder des Helferkreises Sottrum begleiten sie bei Arztbesuchen, organisieren Begegnungen mit anderen Menschen und helfen ihnen beim Deutschlernen.

Im Gespräch mit der Rundschau berichten die drei Männer von ihrer Reise nach Deutschland. Wie fühlen sie sich hier? Wie sehen ihre Wünsche für die Zukunft aus?Das Leben der Flüchtlinge in ihrer alten Heimat sah ein bisschen anders aus, als das, das sie nun in Sottrum führen: Adam Traore war an der Elfenbeinküste zu Hause. Er hatte dort einen Abschluss gemacht, den man mit dem Abitur vergleichen kann, und als Assistenz der Geschäftsführung in einem Unternehmen gearbeitet. „Aber ich fühlte mich schon seit langem von der politischen Situation in meinem Land bedroht. Deswegen bin ich nach Ghana gegangen“, berichtet Traore. Von dort flog er in die Türkei. Über Bulgarien kam er anschließend nach Deutschland. Auf der Internetseite „Bla bla car“ hatte er sich dazu eine Mitfahrgelegenheit organisiert.Zuerst habe er Angst gehabt: ein fremdes Land, neue Menschen und eine ungewisse Zukunft. Doch sein erster Eindruck fiel positiv aus. „Ich habe hier sehr nette Menschen kennengelernt und fühle mich gut aufgenommen“, sagt er. Seit vergangenem Juli lebt er mit seinen Freunden zusammen in ihrer Wohnung über dem Venezia Markt in Sottrum. Traore liest viel und sieht gerne fern, aber eigentlich wünscht er sich viel mehr Austausch mit Deutschen.Weihnachten feierte er zusammen mit seinen Freunden in Sottrum, an Silvester ging es aber schon auf eine Party nach Bremen. Ein Problem sind jedoch oft die fehlenden Sprachkenntnisse. Deshalb nehmen er und die übrigen Flüchtlinge zwei Mal in der Woche Deutschunterricht. Auf die Frage nach seinen Plänen für die Zukunft erzählt Traore, dass er davon träume, einmal richtig in Deutschland zu arbeiten und hier zu wohnen, dass er aber auch wisse, wie wichtig es ist, sein Deutsch zu verbessern. „Ich wünsche mir für mein weiteres Leben Liebe und Frieden. Aber ich glaube an Gott und und daher auch daran, dass meine Träume in Erfüllung gehen.“Sein Mitbewohner Omar Isakob arbeitete ursprünglich als Bauer im Sudan. Er musste fliehen, weil die dortige Polizei aufgrund von Bodenschätzen sein Viertel niederbrannte. Mit 115 Dollar erkaufte er sich einen Platz auf einem Boot, mit dem er über das Mittelmeer nach Italien gelangte. Dort angekommen, gab ihm die Polizei 200 Euro. „Sie sagten mir, ich solle gehen, wohin ich will“, berichtet Isakob. So kam er mit dem Zug nach Deutschland. „Ich habe das Leben und die Menschen hier als sehr positiv erlebt“, sagt er. Gleichzeitig ist er verzweifelt, weil er nicht weiß, wo seine Familie nun ist. Auch Isakob hofft auf eine Zukunft in Sottrum.Doch es gibt auch den Wunsch, nach Hause zurück zukehren: Ahmed Oumar, der auch aus dem Sudan nach Deutschland gekommen ist, vermisst seine Heimat. Besonders im Winter sei es zu kalt. Daran ist er nicht gewöhnt. „Im Sudan ist es viel heißer“, sagt er auf Deutsch. Er erzählt von seiner Frau und seinem Kind, sie fehlen ihm sehr. „Sie brauchen meine Liebe und Hilfe. Ich muss für sie sorgen“, erklärt er.Auch deshalb möchte er wieder in den Sudan zurückkehren, wenn der Winter vorüber ist. Hier in Deutschland bestehe das Leben von Oumar nur aus Schlafen und Essen. „Das ist doch kein Leben“, sagt er. Deswegen wünscht er sich, bald einmal Besuch von Sottrumern zu bekommen, um Menschen kennen zu lernen und sein Deutsch zu verbessern. „Ich würde mich sehr über Gespräche mit den Menschen hier freuen.“ Seinen Besuchern verspricht er die ein oder andere Tasse Tee. „Ist ja so kalt hier“, bemerkt er mit einem Lächeln.Jemand, der ihnen in Sottrum zur Seite steht, ist Brigitte Mintenbeck. Sie ist ein Mitglied des Unterstützerkreises: „Ich mag an meiner Arbeit hier, dass ich so viele Menschen treffe und ihnen helfen kann. Gleichzeitig lerne ich dabei unterschiedliche Kulturen kennen“, erklärt sie. „Es ist schön zu merken, dass ich diesen Menschen wichtig bin.“ Ihre generelle Denkweise über das Leben hat der Umgang mit den Flüchtlingen jedoch nicht beeinflusst. „Als Mitarbeiterin bei der Essensausgabe der Tafel habe ich schon immer mit Menschen zu tun gehabt. Sie waren mir auch schon immer alle gleich wichtig, unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem sozialen Status.“Allerdings fühlt sich Mintenbeck manchmal machtlos: „Oft kann man gar nicht so viel helfen, wie man es gerne tun würde“, bedauert sie. Trotzdem kann der Helferkreis schon viele Erfolge verzeichnen. So zum Beispiel das Flüchtlingscafé: Sottrumer Bürger und Asylbewerber lernten sich bei Kaffee und Kuchen kennen.Nicht nur dort sind alle, die die Flüchtlinge aus Sottrum kennenlernen oder mithelfen möchten, willkommen. „Zum Beispiel bräuchten wir noch Menschen, die die Flüchtlinge zum Arzt oder bei Behördengängen begleiten“, erklärt Mintenbeck. „Es ist außerdem sehr wichtig, dass die Flüchtlinge sich hier integriert fühlen.“ Dazu können die Menschen sich an sie unter Telefon 01737374205 wenden.

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