Doppelkonzert im Hellweger Heimat- und Kulturhaus - Von Elke Keppler-Rosenau

Ein Lied für Pauli

Foto links: Jan Christoph und Thomas Schneeberger boten Free-Jazz; Foto rechts: Evelin Gramel und Thomas Brendgens-Mönkemeyer präsentierten auch Stücke ihrer aktuellen CD "On a clear day". Fotos: Elke Keppler-Rosenau
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Hellwege. Gegensätzlicher hatten die beiden Duos Jan Christoph/Thomas Schneeberger und Evelin Gramels/Thomas Brendgens-Mönkemeyer nicht sein können.

Das Herren-Doppel eröffnete den Abend mit „Jazz for Friends reloaded“ und zog gleich zu Beginn alle akustischen Register. Christoph am E-Piano und Schneeberger mit Geige setzten auf ausgefeilte Technik mit Verstärker, die der Saal in der Form gar nicht benötigt hätte, dennoch war die Qualität der überwiegend selbst komponierten Stücke von hohem Anspruch. „ACB“ ein Song aus der Feder von Schneeberger, eher verhalten, hätte es verdient gehabt, etwas leiser rüberzukommen, damit die virtuose Interpretation an der Geige mehr Raum für den träumerischen Charakter des Stückes gehabt hätte. Und dann war da noch das Lied für Pauli, der Kater von Christoph, der eines Tages verloren gegangen war und seinem Besitzer viel Kummer bereitet hatte.

Christoph legte seinen ganzen Schmerz von damals in diesen Song. Pauli fand glücklicherweise wieder nach Hause und das Duo hatte einen neuen, hörenswerten Song im Repertoire. „Rudolfo“ ein Stück mit einem längeren Solo-Part am Piano wurde als akkordreiche Darbietung gegeben und entlockte dem Publikum anhaltenden Beifall.

Nach der Pause setzte sich das Konzert, das übrigens von dem Hellweger Musiker Edwin Bohlmann organisiert wurde, mit dem Duo Evelin Gramels und Thomas Brendgens-Mönkemeyer fort.

Beide Künstler, seit Jahren bestens aufeinander eingespielt, verfügen über einen gemeinsamen Schatz an Stücken, die sich wie Perlen auf eine Schnur reihen. Beide verzichteten auf große Verstärker, was den Gitarren, darunter eine alte Gibson, klanglich guttat.

Die feinen Nuancen, die Brendgens-Mönkemeyer ihnen entlockte, setzten sich in zarten Schwingungen durch den Saal fort. Hochkonzentriert und mit sicherem Griff in die Saiten, gab er die Steilvorlage für die Sängerin Gramels mit ihrer weichen Stimme und leichten tänzerischen Einlagen mit Swing-Effekt zunächst „On a clear day“ sang. Dieser Song befindet sich auch auf der gleichnamigen CD und ist ein ohrgängiges Stück. Das ursprüngliche Saxofon Solo „Twistedt“ von Eddy Ross interpretierte sie fein akzentuiert und stellte dabei ganz charmant ihr Talent für Entertainment unter Beweis, ohne dem Gitarristen die Show zu stehlen.

Ihre heitere, beinahe plaudernde Moderation mit vielen Anmerkungen über die Songs und ihr Arrangement kam bei Publikum gut an.

Mit Schneeberger, so erwähnte sie ganz nebenbei, habe sie ihre ersten Jazz-Erfahrungen gemacht. „Israel“ von Fred Hirsch aus den 40er Jahren, ein berühmter Song aus der Zeit, als die Menschen, die dort hinwollten, ein freies Leben noch für Vision hielten, sprach von Sehnsucht und Hoffnung. Damals war das europäische Trümmerfeld noch nicht konkret absehbar, aber in der Musik wurde bereits davon geträumt.

Es gelang Gramel diese Wünsche nach einem beschwingten Lebensgefühl in dieses Lied zu legen und 78 Jahre nach Entstehung es dennoch modern und zeitgemäß rüberzubringen und das Publikum applaudierte begeistert.

Natürlich ließen es sich beide Duos nicht nehmen, mit einem gemeinsamen Song vom Publikum zu verabschieden und als Quartett aufzutreten. So brachte abschließend „Manta de Carneval“ einen Hauch von Südamerika ins Heimat- und Kulturhaus und bestätigte dessen Ruf, feine Sessions zu veranstalten.

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