Ausgabestelle Sottrum der Rotenburger Tafel öffnet ihre Pforten

Letzter Schliff vor dem Start

Nicole Weinberger (v.l.) und ihre Tochter Stella sowie Manja Nagel freuen sich auf den Start der Ausgabestelle. Foto: Baucke
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VON NINA BAUCKE

Sottrum – Leere Regale in der kleinen Kühlzelle, an der Längswand ebenso, während auf einem Tisch in der Mitte des Raumes Pappkartons mit Marmelade, Reis, Mehl, Nudeltüten und Schoko-Nuss-Creme stehen. „Das hat uns eine Frau als Spende vorbeigebracht“, sagt Nicole Weinberger. „Es ist schön, dass – obwohl alle wegen der Krise tiefer in die Tasche greifen müssen – die Menschen uns trotzdem unterstützen.“ Am Montag soll es soweit sein, dann öffnet nach gut eineinhalb Jahren wieder Ausgabestelle der Rotenburger Tafel in Sottrum.

Bis dahin hat Weinberger noch einiges auf dem Zettel: Heute geht es daran, Waren abzuholen, zu sortieren, einzuräumen und dem kleinen Ladenlokal an der Alten Dorfstraße den letzten Schliff zu verpassen. Vieles hat sich allerdings schon in den vergangenen Wochen getan: „Die Hilfsbereitschaft war toll“, sagt Manja Nagel. „Sogar einige Kunden waren hier, um zu helfen.“ Sie ist eine Freundin von Weinberger und ihre Stellvertreterin, wenn es darum geht, bei der Sottrumer Ausgabestelle künftig den Hut aufzuhaben. Gemeinsam haben die beiden Frauen sich umgeschaut, wie es andere Ausgabestellen machen, „und wir haben uns dann das Beste herausgesucht, was wir übernehmen wollen“, sagt Weinberger mit einem Lachen. „Jetzt scharren wir mit den Hufen, dass es endlich losgeht.“

Gleich neben der Eingangstür steht ein besonderer Blickfang: ein Sekretär aus Holz mit Schubfächern und kleinen Schränkchen. „Wir haben ihn bei Ebay-Kleinanzeigen entdeckt, die Besitzer wollten ihn eigentlich wegschmeißen. Da dachten wir: Den holen wir uns“, berichtet Weinberger. An diesem Platz nehmen die Helfer der Ausgabestelle künftig die Kunden in Empfang und prüfen die Ausweise.

Für mehr Fairness und um einen Überblick über das zu behalten, was sie rausgeben können, hat sich das Team um Weinberger ein System mit kleinen Nummernkärtchen überlegt: Vor der Öffnung an den jeweiligen Ausgabetagen – montags und donnerstags von 15 bis 17 Uhr – sollten sich die Kunden vor der Tür einfinden, jeder erhält daraufhin eine der unsortierten Nummern. „Dann wissen wir, mit wie viel Menschen wir an dem Tag rechnen müssen“, erklärt Weinberger.

Jeweils eine Gruppe von fünf Personen darf das Ladenlokal zeitgleich betreten, während Helferinnen bereits auf die Bedarfe abgestimmte Kisten packen. „Wir versuchen, alles so gut wie möglich aufzuteilen, denn wir wollen natürlich nichts wegschmeißen“, erklärt Nagel die Vorgehensweise.

Die schwarzen Latzschürzen aus Baumwolle hängen im Pausenraum an einem Haken, daneben hat Weinberger die Einsatzpläne für die ersten Wochen angepinnt. „Da wird sich aber sicherlich noch einiges immer mal verschieben“, ist sie sich sicher. Rund 55 Helfer hat Weinberger auf ihrem Zettel, nicht alle kennt sie bereits.

Das soll sich am Sonntag ändern. Denn bevor um 14 Uhr die offizielle Eröffnung ansteht und alle Interessierten die Gelegenheit, die Ausgabestelle kennenzulernen, kommen von 9 bis 12 Uhr die Helfer für eine Besprechung zusammen, jeder soll lediglich alle zwei Wochen im Einsatz sein. „Wenn jemand natürlich feststellt, dass es ihm so viel Spaß macht, dass er öfter mithelfen möchte: Wir freuen uns!“, betont Weinberger.

Zu tun ist genug: Denn von Montag bis Samstag ist ein Fahrerteam im Einsatz, um Lebensmittel und mehr einzusammeln. In Sottrum sind Aldi und Lidl ebenso wie die Bäckerei Holste, das Rewe-Lager und Rossmann mit dabei. Der Biomarkt Aleco will sich laut Weinberger noch melden „und wir hoffen auf Edeka“. In der Nachbarkommune Ottersberg haben die Sottrumer Rewe, Aldi, Netto, Rossmann, den Tierfutterhändler Na Zoo Was und den Dodenhof-Genießermarkt mit im Boot.

Für die Fahrten braucht es Sprit, das Auto muss zudem auch mal gewartet werden, darüber hinaus brauchen die Helfer Handschuhe, Putzzeug und mehr. „Deswegen sind wir auch weiterhin für alle Spenden sehr dankbar“, machen Weinberger und Nagel deutlich.

Auch, wenn viel Arbeit hinter und auch noch vor Weinberger liegt: Leid tut ihr die Entscheidung, die Tafel-Ausgabe in Sottrum wieder auf die Beine zu stellen, nicht. „Ich würde mich immer wieder so entscheiden“, sagt sie mit entschlossener Stimme. Auch ihre Familien haben Weinberger und Nagel angesteckt, ihre Männer haben die kleine Teeküche eingerichtet, und Weinbergers elfjährige Tochter Stella hat deutlich gemacht, dass sie mithelfen möchte. „Jetzt warten wir mit Spannung auf den Start“, sagen die beiden Frauen – und müssen beide lachen: „Was bleibt uns auch anderes übrig?“

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