Leporello feiert am 5. Mai Premiere mit „Mayenlust“

Schaurige Moorleichen

Was hat es mit den Moorleichen auf sich, die überall auftauchen? Regisseurin Ramona Schmalen (links) und die Laiendarsteller der Gruppe Leporello verraten es den Zuschauern auf dem Meyerhof. Fotos: Henning Leeske
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Scheeßel. Es entsteht fast der Eindruck, dass es im Scheeßeler Moor vor Leichen nur so wimmelt. Aber keine Angst, das ist nur eine Fiktion aus der Feder der Schauspielgruppe Leporello. Die Sottrumer Laienschauspieler haben sich bei ihrem neuesten Stück „Mayenlust – Ein Moorkrimi“ etwas ganz makaberes aus der Zwischenwelt von Diesseits und Jenseits ausgedacht und unter der Federführung von Regisseurin Ramona Schmalen zu Papier gebracht.

Bei Ritualen denkt man im norddeutschen Raum vielleicht an Schützenfeste, Kohltouren oder auch die Erntefeste mit Königen. Nicht so im Mai auf dem Meyerhof in Scheeßel: Dort bringt ein absurder Ritualmord mit einer frischen Moorleiche den Moorkrimi so richtig in Fahrt.

Die Theatertruppe nimmt ihre Zuschauer dabei wie gewohnt mit auf eine Reise zu den Originalschauplätzen und manchem der Theaterfreunde wird sicherlich ein kalter Schauer über den Rücken laufen, wenn die Untoten aus dem Moornebel aufsteigen und ihre Bühne im schwarzen Moder der sumpfigen Bretter betreten. Geradezu ideal sind die Spielstätten auf dem Meyerhof für den Streit auf dem Dorfplatz oder eine Szene im alten Speicher.

Dass bei der Dorfgesellschaft einiges nicht im Lot ist, merkt das Publikum recht schnell während der Stationen, auf die das Ensemble Leporello sie mitnimmt. Das Stück ist ein echtes Schmankerl für Freunde von schaudrigen Ermittlungen.

Dabei spielt die therapiewürdige Dorfgemeinschaft mit ihren verschrobenen, zerstrittenen Bewohnern vielleicht die wichtigste Rolle bei den Ermittlungen von Kommissarin Mona Mönckemayer (Silke Mehring). Diese wurde extra von der Kripo Verden nach Scheeßel beordert, um Licht in die neblige Landschaft zu bringen. Unterstützt wird sie von der adretten, forensischen Archäologin Katinka Speerfuß (Majdra Kalovna), die berufsbedingt einen ganz schwarzen Humor hat. Und welche Rolle der Botaniker Mats Meier (Dietrich Metzger) dabei spielt, wird sich zwischen Sumpfdotterblume und Engelskraut zeigen.

Das Ensemble informierte sich im Vorfeld im Detail bei einem echten Experten und nahm eine Lehrstunde beim Archäologen Stefan Hesse. Für das passende Ambiente und schummriges Licht im Sumpf des Meyerhofes sorgt André Wieding.

In die Rollen der Dorfbewohner schlüpfen Birgit Metzler, Lothar Franz, Hanne Wieding, Irmgard Bongartz, Eva Rothmaler, Thomas Voß, Mathias Brinkmann und Rudi Müntefering. In weiteren Rollen sehen die Zuschauer Petra Haferkamps, Jens Kramer und Florian Kramer.

„Wo keine Leiche, da ist auch kein Mord“ ist die Leitlinie in vielen Krimis, aber in der Mayenlust gibt es derer viele. Darauf können sich die furchtlosen Theatergänger in Scheeßel verlassen – die am besten warm eingepackt und mit festem Schuhwerk kommen. Insgesamt zehn dieser Untoten haben ihren Auftritt, ihre rastlosen Seelen treiben ihr Unwesen.

Die Charaktere aus der schwarzen Schlacke des grundlosen Moores sind an reale Menschen aus der Historie der Umgebung angelehnt. Hierbei wurde auf einen realistischen Querschnitt der Gesellschaft geachtet: So spielt Müntefering den reichen hanseatischen Kaufmann und Bongartz die arme Torfstecherin.

Die anderen Schauspieler sind ebenfalls mit dem anspruchsvollen Spiel einer Doppelrolle eingespannt: Franz spielt den französischen Soldaten, den Napoleon im Moor vergessen hatte, Rothmaler ist die Nonne auf Suche nach Erlösung ihres Seelenheils und Brinkmann ist der im Moor verschwundene Postkutscher. Auch ein Kreuzfahrer, gespielt von Thomas Voß, war in Scheeßel, ebenso wie eine heilkundige Frau (Hanne Wieding) und die Marketenderin (Birgit Metzler). Die Rollen weiterer Moorleichen übernehmen Stephanie Weidig, Christiane Kuhlmann und Michael Zehl, die ihren Zuschauern zwar einen gehörigen Schrecken einjagen, sie aber in Ruhe lassen – oder nicht?

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