Die Drei von der Hecke: Rotbuche, Blutbuche, Hainbuche - Von Christiane Looks

Die Mutter des Waldes

Die Drillingsbuche im Scheeßeler Holz ist ein geschütztes Naturdenkmal. Foto: Joachim Looks
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Scheeßel. Die Radtour war lange geplant. Bei bestem Wetter wollte eine kleine Gruppe begeisterter Radler sich die sehenswerte Schar Oberneulander Parkanlagen ansehen, die vor 200 Jahren als Sommersitze wohlhabender Bremer Bürger entstanden. Von besonderem Interessen war dabei das einzigartige Heckentheater in Heinekens Park, das um 1770 angelegt wurde. Vor dem doppelt bepflanzten Oval angekommen, stellte eine Mitradlerin fachmännisch fest: „Hainbuche“.

Hainbuche, Carpinus betulus, ist ein Birkengewächs und eine Laubmischwaldart. Der Name geht auf die beliebte Nutzung als Heckenpflanze zurück. Wer von Buche spricht, meint dagegen meist die Rotbuche, Fagus sylvatica. Sie ist die einzige in Mitteleuropa heimische Buchenart und wuchs hier bereits vor der letzten Eiszeit, in der ihr Verbreitungsgebiet in den Mittelmeerraum gedrängt wurde. Vor mehreren Tausend Jahren eroberte sich die Art verlorengegangenes Territorium zurück. So fanden sich im Sediment des mittlerweile verlandeten Luttersees im Eichsfeld bei Göttingen Rotbuchen-Pollen von vor 4.800 Jahren. Heute ist der Baum mit gut 15 Prozent die häufigste Laubbaumart in unseren Wäldern.

Rotbuchen verzichten als einzige heimische Art häufig auf das den Namen ergänzende Rot im Laub. Dann sind Verwechselungen mit Hainbuchen vorhersehbar, auch wenn Carpinus betulus beispielsweise als Buchenhecke auftritt, denn Rotbuchen sind ebenfalls schnittverträglich und eignen sich als Hecke.

Ihre ganze Schönheit entfaltet eine Rotbuche aber als Solitärbaum. Wird ihr der Platz eingeräumt, den sie als Großbaum zur Prachtentfaltung benötigt, entstehen Musterexemplare von bis zu 40 Metern Höhe und einem Kronendurchmesser von 20 bis 30 Metern. Bis zu 300 Jahre kann eine Buche alt werden – stolze Zahlen!

Woher kommt der Name Rotbuche? Nicht von den Blättern! Die sind grün. Rote Blätter finden sich nur bei der Blutbuche, Fagus sylvatica f. purpurea, einer Mutation der Rotbuche, ebenfalls schnitt- und heckenverträglich. Rotbuchen bekamen ihren Namen, so wird behauptet, von dem leicht rötlichen Holz oder – so eine andere Behauptung – von der herrlichen gelben bis rotbraunen Herbstfärbung. Damit würden denn doch Blätter zumindest im Herbst eine Rolle bei der Namensgebung spielen.

Hätten Menschen nicht massiv in den Lauf der Natur eingegriffen, so würden buchenreiche Wälder weite Teile Mittel- und Westeuropas bedecken. Gegenüber Mitkonkurrenten setzen sich Buchen nämlich durch, weil sie auch im Schatten gedeihen. Haben sie erst einmal andere überwachsen, rauben sie lichtbedürftigeren Baumarten das zum Gedeihen notwendige Licht – ein entscheidender Wettbewerbsvorteil!

Die Rotbuche wird von Fachleuten gerne als Mutter des Waldes bezeichnet. Ihre Wurzeln lockern den Boden auf, und Nährstoffe werden in Pflanzengewebe wie Blätter eingebaut, die dann im Herbst über das herunter rieselnde Laub dem Boden teilweise wieder zugeführt werden. Buchenblätter rascheln nicht nur herrlich beim Waldspaziergang, sie bilden eine schützende Decke für vieles und stellen wegen ihrer problemlosen Zersetzung Nahrung für viele Kleinlebewesen zur Verfügung, die Buchenblätterreste in Humus verwandeln und in den Mineralboden einarbeiten – ein geradezu genialer Kreislauf.

Wo kann eine Buche, dieser Motor des sinnvollen Recycling-Prozesses im Wald, angesehen werden? Im Scheeßeler Holz steht ein ganz besonderes Exemplar. Vom Scheeßeler Bahnhof aus wird die Bahnunterführung Richtung Westerveseder Landstraße genommen. Der Landstraße dann folgen bis zum Abzweig Küsterkampweg, in den nach rechts eingebogen werden muss. Knapp 200 Meter weiter links in den Moorhofweg gehen und auf diesem immer geradeaus Richtung Scheeßeler Holz laufen. Beim Eintritt in das Holz verlangt eine Art Wegespinne mit drei Möglichkeiten für das Weitergehen eine Entscheidung. Bitte den mittleren Weg wählen. Ungefähr 300 Meter weiter belohnt uns die mit dem gelben Eulen-Naturdenkmalsschild ausgestattete Drillingsbuche auf der rechten Wegeseite für die kleine Entdeckungstour.

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