Die Bufdis der Samtgemeinde Fintel / Teil 1: Schulen

„Hallo, wir sind die Neuen“

Sophie Bellmann (von links), Kathena Behrens, Ben Renken, Tobias Steinke und Jörg Leskien sehen den BFD als eine wertvolle Erfahrung. Foto: Ann-Christin Beims
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Lauenbrück (acb). Die Schulzeit ist zu Ende – und nun? Die Frage nach dem richtigen Job beschäftigt jedes Jahr viele junge Menschen. Wer diese noch nicht gleich beantworten kann, für den bietet sich der Bundesfreiwilligendienst (BFD) an, um erste Erfahrungen in der Berufswelt zu sammeln. Seit dem vergangenen Sommer sind in der Samtgemeinde Fintel elf sogenannte Bufdis in den Schulen und Kindertagesstätten unterwegs. Im heutigen ersten Teil berichten die Schul-Bufdis von den Erlebnissen der ersten Monate.

„Viele möchten ein Jahr zur Findung, um zu sehen, ob ein Beruf im pädagogischen Bereich etwas für sie ist oder sie nutzen die Zeit zur Überbrückung bis zum Studien- oder Ausbildungsbeginn“, erklärt Koordinatorin Kim Holsten. Vor fünf Jahren sei das Programm in der Samtgemeinde gestartet – mit steigender Nachfrage.

Jörg Leskien absolviert ein Bufdi-Jahr mit Flüchtlingsbezug an der Grundschule an der Wümme. Diesen bietet das Bundesamt für Familie seit zwei Jahren an, im Zuge der großen Zuwanderung. „Ich hatte Abitur gemacht und danach noch keine Ahnung, was ich machen soll“, erzählt der Scheeßeler. Da seine Schwester ebenfalls Bufdi war, hat er sich bei der Samtgemeinde beworben. „Es ist ein Findungsprozess und ein guter Einstieg in das Leben nach der Schule“, erklärt er. Leskien begleitet unter anderem Kinder von Zugezogenen im Schulalltag. „Nach den Herbstferien kam Familiennachzug aus Syrien, die konnten kein Deutsch. Inzwischen sieht man kleine Entwicklungen, das ist schön“, sagt der 18-Jährige, der über die VHS Rotenburg auch einen Arabischkurs belegt hat.

Mit-Bufdi an der Grundschule Tobias Steinke ist es ähnlich ergangen, auch er wusste erst nicht, was er nach der Schule machen sollte. „Aber ich komme aus einer Lehrerfamilie, da stand das immer im Raum, so kann ich gucken, ob der Beruf etwas für mich ist.“ Der 18-Jährige ist morgens in einer ersten Klasse dabei, dort unterstützt er ein Inklusionskind und zwei DaZ-Kinder (Deutsch als Zweitsprache). „Ich sortiere außerdem Materialien, schreibe Buchstaben in den Heften vor und betreue einzelne Lerngruppen“, berichtet der Finteler. Die ersten Wochen seien auch eine Herausforderung gewesen. „Aus einzelnen Buchstaben Worte zu bilden, war doch anstrengend – aber mittlerweile können fast alle Kinder ein wenig lesen, das ist ein schönes Gefühl“, meint er und lächelt.

Kathena Behrens ist in der Friedrich-Freudenthal-Schule Fintel im Einsatz. Die 18-Jährige nutzt die Bufdi-Zeit nach dem Abitur ebenfalls als Jahr der Findung. „In der Schule begleite ich die Lehrer im Unterricht, betreue einzelne Gruppen und organisiere den Ganztag mit“, erklärt die junge Frau aus Vahlde. Außerdem leitet sie eine Spiele-AG. „Man merkt in manchen Momenten, wie sehr die Schüler einem schon ans Herz gewachsen sind.“ Behrens hat auch ihren Übungsleiterschein gemacht – eine Möglichkeit, die viele Bufdis gern in Anspruch nehmen. Dadurch gibt sie bereits privat im Sportverein eigene Stunden.

Der 19-jährige Ben Renken unterstützt das Kollegium der Fintauschule Lauenbrück. „Ich war mir relativ sicher, dass ich Lehrer werden will, aber ich wollte vorher die Erfahrung machen, wie es ist, auf der anderen Seite zu stehen“, erzählt er. Der Osterveseder trainiert eine Fußballmannschaft und macht Ferienbetreuung – gute Voraussetzungen, um mit einer Horde Grundschulkinder bestens auszukommen. „Es ist auch so, wie ich mir das vorgestellt habe“, sagt er. Durch viele Krankheitsfälle in der Herbst- und Winterzeit mussten Mit-Bufdi Sophie Bellmann und er ein paar Herausforderungen bewältigen. „Wir haben das Weihnachtsturnier organisiert – aber es ist gut, so viel Verantwortung zu haben“, erzählt er. Oft ist er bei den Sportlehrern im Unterricht dabei, da er Sport unterrichten möchte. „Da bekommt man viel mit.“

Auch die 21-jährige Bellmann möchte Lehramt studieren. „Mein Entschluss steht auch noch fest“, sagt sie und lächelt. Die Fächer Deutsch und Kunst interessieren sie dabei am meisten. Auf ihrem derzeitigen Stundenplan steht neben der Betreuung von Inklusions- und DaF-Kindern unter anderem die AG „Kochen und Backen“ mit den fünften bis siebten Klassen. „Aber die machen immer das, was sie nicht machen sollen“, grinst sie. Das Einkaufen dafür übernimmt sie oft in ihrer Freizeit. „Ein schönes Engagement“, wirft Holsten ein.

Die Bufdis besuchen zudem verpflichtende Seminare in Ritterhude und können ihren Übungsleiterschein machen. „Ich fühle mich jetzt besser vorbereitet, auch weil man organisatorisch viel mitbekommt“, erklärt Steinke. Dem stimmt Behrens zu: „Ich fühle mich verantwortungsbewusster.“ Die Schüler sind den Bufdis bereits jetzt sehr ans Herz gewachsen und in einem sind sich alle einig: Egal wie anstrengend es auch manchmal ist, der Abschied im Sommer wird schwer.

• Ab sofort nimmt die Samtgemeinde Bewerbungen für Sommer 2018 für alle Schulen und Kindergärten (auch Vahlde) entgegen. Kim Holsten beantwortet Fragen unter 04267/930012 oder per E-Mail an holsten@sgfintel.de.

Autor

Ann-Christin Beims Ann-Christin Beims
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