Hebammen arbeiten oft 60 Stunden in Sieben-Tage-Wochen - Von Karen Bennecke

Berufung mit Hindernissen

Birgit Große (von links), Ruth Meyer und Antje Jäger raten Schwangeren, sich so früh wie möglich um eine Hebamme zu bemühen. Foto: Dennis Bartz
 ©

Rotenburg. Dass in Pflegeberufen Notstand herrscht, ist allgemein bekannt. Nicht ganz so bekannt ist der landesweite Hebammenmangel. „Der gesamte Landkreis und auch die Stadt Rotenburg sind davon betroffen“, sagen Antje Jäger, Birgit Große und Ruth Meyer von der Hebammenpraxis Rotenburg.

Gründe für den Mangel an Nachwuchs gebe es genug. Freiberufliche Hebammen hätten oft eine 60-Stunden- sowie Sieben-Tage-Woche und keine geregelten Arbeitszeiten – das mache den verantwortungsvollen Beruf nicht unbedingt attraktiv.

Viele Kolleginnen arbeiteten deshalb nur Teilzeit oder sattelten früher oder später um. „Junge Hebammen mit einem Bachelorabschluss bekommen auch nur einen Stundenlohn von 30 Euro brutto wie alle anderen“, sagt Jäger. „Ich wäre froh, wenn jemand bereit wäre, für den Preis meine Waschmaschine zu reparieren.“

Laut einer Studie bleibt den freiberuflichen Hebammen durch ihre hohen Gesamtkosten am Ende ein magerer Nettoverdienst von 7,50 Euro pro Stunde. „Wir müssen also unheimlich viel arbeiten, um alle Kosten zu decken, bevor überhaupt etwas für uns übrig bleibt“, so Jäger. Neben Renten-, Kranken- und Haftplichtversicherung seien es unter anderem die geforderte Mitgliedschaft im Hebammenverband, die Fortbildungspflicht und die gemieteten Räumlichkeiten für Geburtsvorbereitungskurse, die so zu Buche schlagen.

„Trotzdem ist es für uns der schönste Beruf der Welt“, sind sich Jäger und ihre Kolleginnen einig, „und wir würden liebend gerne alle Frauen betreuen, die sich bei uns melden.“ Aber das sei schlichtweg nicht zu schaffen, denn die vielen Hausbesuche machten die Arbeit auch sehr zeitaufwendig. „Wir sind ja nicht nur in Rotenburg, sondern auch auf den Dörfern unterwegs“, so Jäger. „Da gibt es viele Unwägbarkeiten wie langsame Trecker, Umleitungen wegen Baustellen, die auch noch an unserer Zeit fressen.“

Man versuche dennoch nach Kräften, alles möglich zu machen. „Weil wir eine Praxis mit fünf Hebammen sind, landen die meisten Anfragen bei uns, und wir leiten sie dann gegebenenfalls an Kolleginnen weiter“, erklärt Jäger. „Aber obwohl wir alle eng miteinander vernetzt sind, schaffen wir es oft nicht, kurzfristige Anfragen zu bedienen.“ Umso wichtiger sei es, dass sich werdende Mütter, die eine Betreuung durch eine Hebamme wünschen, rechtzeitig meldeten.

„Leider wird den Frauen in manchen gynäkologischen Praxen gesagt, dass sie sich nach der 16. oder sogar nach der 20. Schwangerschaftswoche bei einer Hebamme melden sollen, aber das ist viel zu spät“, bedauert Große. Am besten sei es, wenn sich werdende Mütter gleich nach dem positiven Schwangerschaftstest um eine Hebamme kümmerten, die sie dann während der gesamten Schwangerschaft betreuen könne. Alle gesetzlich versicherten Schwangeren hätten einen Anspruch auf Hebammenbetreuung von Beginn der Schwangerschaft an, betont Meyer: „Das ist im Gesetz so verankert.“

Das Besondere an der freien Hebammenarbeit seien die Hausbesuche: „Wir bekommen auf diese Weise sehr viel mehr von den Lebensumständen der Frauen mit, als es den Gynäkologen und Hebammen in den Praxen möglich ist.“ Beispielsweise könne es vorkommen, dass Kinder zu früh geboren würden, wenn die Belastung der Mütter während der Schwangerschaft zu groß sei. „Wenn wir die Frauen frühzeitig betreuen, sehen wir das und können rechtzeitig gegensteuern“, erklärt Große.

Um die Frauen, die keine Hebamme bekommen haben, nach der Geburt nicht alleine zu lassen, bietet Meyer von nun jeden Mittwochnachmittag eine Notsprechstunde in der Hebammenpraxis Rotenburg an: „Es geht darum zu gucken, wie es Mutter und Kind geht und die Fragen der Mutter zu beantworten.“

• Eine telefonische Anmeldung ist zwingend erforderlich, weitere Informationen gibt es unter www.hebammenwelt.de.

16.01.2018

Scheeperabend

16.01.2018

Theaterpremiere in Jeddingen

12.01.2018

Neujahrsempfang Scheeßel

05.01.2018

Einweihung Krippenanbau Vahlde