60 MINUTEN Das erste Konzert nach langer Zeit im Heimathaus mit An Rinn

Normalität erobert sich die Bühne

Das Button-Akkordeon ist nicht nur schön anzuhören, sondern es macht auch optisch was her. Fotos: Menker
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Rotenburg – Der Kreis schließt sich. Und schon allein deswegen ist dieser Abend einer, der eine Marke setzt. In wenigen Minuten starten die Musiker der Osnabrücker Folk-Formation An Rinn ein Konzert. Es ist das erste seit mehr als zwei Jahren im Rotenburger Heimathaus.

Dort also, wo im März 2020 am Tag der Meldung über erste Corona-Infizierte im Landkreis Rotenburg die letzte größere Veranstaltung für lange Zeit auf dem Programm stand: die Niedersächsische Tafelrunde, bei der die mehr als 150 Gäste dazu aufgerufen waren, auf das Händeschütteln zu verzichten. Es sollte der Beginn einer Zeit sein, in der wir alle uns in Verzicht zu üben haben und plötzlich ganz neue Regeln gelten: Ghetto-Faust statt Händeschütteln, Mund-Nasen-Schutz, Tests und im schlimmsten Fall Quarantäne. Abstand statt Nähe.

Um kurz vor 20 Uhr haben die rund 70 Konzertbesucher ihre Sitzplätze eingenommen. Ihnen ist anzusehen, wie sehr sie sich auf diesen Abend freuen. Es gibt Bier und Wein sowie nichtalkoholische Getränke. Die Seitentüren des Heimathauses sind geöffnet – ganz so, als wolle die Kulturinitiative Rotenburg (Kir) zumindest ein kleines Zeichen setzen. Corona ist – gefühlt – zwar überwunden, aber frische Luft kann ja nicht schaden. Und so entert plötzlich eine gehörige Portion Normalität die Bühne unseres Lebens.

Mit An Rinn macht die Kir ganz passend mit einer Folk-Band im Heimathaus weiter. Es ist eben diese mal melancholische, dann wieder unglaublich lebensbejahende Musik, die die Menschen immer noch an den Songs aus Irland und Schottland vor allem so sehr fasziniert. Und endlich ist so etwas wieder live zu erleben – ein ganz anderes Gefühl, als sich zu Hause einer der ersten CDs der Band anzuhören.

Die Freude ist groß. Das lässt der Blick durch die Stuhlreihen erahnen – auch, weil der Mund-Nasen-Schutz uns allen nicht mehr unserer Gesichtszüge beraubt. Das alles ist echt. Und es ist schön. Diese ersten Gehversuche zurück in das, was wir vor 2020 als selbstverständlich hingenommen und mit Beginn der Pandemie daher als Normalität bezeichnet haben, scheint allen gutzutun. Den Besuchern, den Musikern da vorne auf der Bühne, die endlich wieder tun können, was sie wollen, sowie den Veranstaltern von der Kir. Sie bauen gar einen Tisch an einer Wand auf, um dort alles in Plakatform zu präsentieren, was uns Kulturhungrigen in den kommenden Wochen an der Wümme erwartet. Es kommt einem Schrein nahe, der zwangsläufig die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Um den Soundtrack für das, was sich mitunter anfühlt wie ein Film, liefert dieses Quintett, das seit mehr als 25 Jahren schon sein Publikum mit Musik zu begeistern weiß, die voller Seele und Leidenschaft steckt. Der „Song for Ireland“ oder auch „Caledonia“, mal mit Gitarre, mal mit Banjo, Flöten, Akkordeon und Geige, aber auch begleitet von der irischen Variante des schottischen Dudelsacks – An Rinn kramt alles hervor, was der Folk so zu bieten hat. Etwas mehr Rhythmus würde dem Ganzen sicherlich guttun. Doch auch so dankt das Publikum in beiden Konzertblöcken mit reichlich Applaus.

Da ist sie wieder – diese Nähe, die wir alle so vermisst haben. Auch in der Pause, während man sich austauscht, erfrischt und auf den Abend anstößt. Die 60 Minuten sind vorbei. Es folgt die Pause. Der Reporter geht und freut sich über die Fotoausbeute. Endlich wieder Motive. Mit der Kir folgt noch ein Mail-Austausch. Vorstandsmitglied Carsten Kahle: „Ein gut besuchtes und tolles Konzert endete mit ,All Games People play’, wobei das Publikum ordentlich mitgemacht hat.“Alles ganz normal!

men

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