Fischerhuder Rehkitzrettung zieht Bilanz / Weitere Drohnen geplant

Rettung im Morgengrauen

Wenn die Sonne aufgeht, sind die Drohnen schon lange unterwegs. Foto: Rehkitzrettung Fischerhude
 ©Rotenburger Rundschau

Fischerhude (bb). 108 Rehkitze, unzählige meist junge Hasen und ein Brachvogelgelege konnte das 23-köpfige Team, darunter drei Copter-Piloten, der Rehkitzrettung Fischerhude in der abgelaufenen Saison vor dem sicheren Tod bewahren. Insgesamt waren sie von Mai bis Juli in 22 Einsätzen auf den Feldern in Fischerhude, Quelkhorn, Rautendorf, Sagehorn, Oberneuland, Backsberg, Ottersberg, Otterstedt, Campe, Narthauen und Bassen unterwegs. Die Rehkitzretter schätzen, dass sie dabei mehr als 600 Hektar abgegrast haben.

So beeindruckend die Bilanz auch klingt, es könnten noch mehr Tiere gerettet werden. „Aktuell müssen wir leider sehr vielen Landwirten absagen, da wir aufgrund des nötigen Temperaturunterschiedes zwischen der abstrahlenden Wärme des Kitzes und der Umgebung, in der es liegt, nur ein kleines Zeitfenster zur Verfügung haben“, erklärt Sarah Meyer, Gründerin des Rehkitzrettervereins gegenüber der Rundschau. Sie und ihre Teams sind daher bereits sehr früh morgens unterwegs, in der Regel zwischen 4 und 8 Uhr. Und die Zeit drängt jedes Mal, denn die Mahd erfolgt wetterabhängig. „Oft wird erst am Vorabend von den Landwirten entschieden, dass beziehungsweise wann gemäht wird“, berichtet Meyer.
Und so organisiert sie dann in Windeseile und mithilfe einer Whatsapp-Gruppe die möglichen Teilnehmer an der Suche, bildet die Teams und legt die Treffpunkte fest. „Aufgrund der Corona-Pandemie war unser Saisonstart zunächst in Gefahr. Da wir nun als Verein tätig sind, waren jegliche Treffen verboten. Wir konnten jedoch mit unserem Hygieneplan eine Ausnahmeregelung beim Gesundheitsamt Verden erwirken“, freut sich Meyer.

Dennoch, die Absagen an die Landwirte setze dem Verein ziemlich zu, denn was passiert, wenn die Rehkitzretter nicht rechtzeitig zur Stelle sind, beschreibt Meyer so: „Die Kitze sind für die Fahrer auf den Schleppern einfach nicht sichtbar. Der Duckreflex bewirkt, dass sich die Kitze tot stellen. Meistens leben die Kitze nach dem Mähen noch schwer verletzt, ihnen ist dann der Bauch aufgeschlitzt und/oder die Beine abgemäht. Dann kommen die Krähen und hacken ihnen bei lebendigem Leibe die Augen aus.“

Um diesem unsäglichen Leid ein Ende zu setzen, sei eine Lösung, noch mehr Teams über die Äcker zu schicken. „Daher beraten wir auch viele andere Gruppierungen, die mit der Rehkitzrettung anfangen wollen, und geben ihnen gerne Tipps“, so Tierretterin Meyer.
Aber auch technische Aufrüstung sei ein adäquates Mittel. Meyer erklärt: „Wir planen nun zwei Copter anzuschaffen, mit denen wir gut dreimal so hoch fliegen können und so viel mehr Flächen absuchen können. Ein Copter-Team würde an einem Morgen somit mehr schaffen können, als wir bisher mit drei Teams und unserem aktuellen Equipment schaffen konnten.“

Um die Anschaffung der Drohnen finanziell möglich zu machen, hat die Rehkitzrettung mittlerweile Anträge sowohl bei der Postcode-Lotterie als auch bei der Stiftung der Sparkasse Verden gestellt und hofft nun täglich auf positive Antworten. „Auch das Sponsoring der Achimer Stadtwerke wäre wirklich wichtig für uns, daher zählt jeder Like“, winkt Meyer mit dem Zaunpfahl. Sie erklärt dazu: „Dieser Wettbewerb findet auf www.macht-alle-mit.de statt. Die Gruppierung, die am meisten „gefällt mir“-Klicks bekommt, erhält ein Sponsoring in Höhe von 5.000 Euro. Geld, das die Rehkitzretter aus Fischerhude dringend gebrauchen können. Aber nicht nur das.

„Wir benötigen auch noch weitere Helfer in den Morgenstunden. Wer einmal dabei war, käme immer wieder gerne mit", weiß Meyer. „Das Gefühl, solch ein kleines zauberhaftes Wesen retten zu können, ist einfach wunderbar“, schwärmt Meyer. Sie plaudert aus dem Nähkästchen, wenn sie sagt: „Beim Absuchen selber hat man kaum Gelegenheit, aber nach der Mahd beim Entfernen der großen Wäschekörbe, mit denen wir die Kitze sichern, und beim Entfernen der Markierungsstangen, kommen einige Helfer gerne noch mal wieder nach Fischerhude und genießen diesen unvergesslichen Augenblick.“ Da würden auch mal Freudentränen fließen und alle Mühen und das Aufstehen mitten in der Nacht seien vergessen.

Wer den Verein finanziell unterstützen möchte, kann ihm beitreten. „Wir haben den Jahresbeitrag mit 20 Euro bewusst niedrig angesetzt, damit jeder, der möchte, eintreten kann“, erklärt Meyer. Eine Mitgliedschaft verpflichte nicht zum Helfen an den Einsatztagen, genauso, wie die Mithilfe bei den Einsätzen nicht zum Vereinsbeitritt verpflichte, lässt Meyer wissen.

Autor

Björn Blaak Björn Blaak
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 bjoern.blaak@rotenburger-rundschau.de

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