Veranstaltungsreihe: auf den Spuren von Moorkommissar Jürgen Christian Findorff

Zum 300. Geburtstag

Hermann Roettjer und Marion Schorfmann im Findorff Hof in Grasberg
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Landkreis. Für die Findorff-Siedlungen ist das Jahr 2020 keines wie jedes andere. In diesem Jahr wäre der königlich-hannoversche Moorkommissar Jürgen Christian Findorff 300 Jahre alt geworden. Grund genug, dem Mann, der bis heute in den Landkreisen Rotenburg, Verden, Osterholz und in der Stadt Bremen unvergessen ist, zahlreiche Veranstaltungen zu widmen.

Der Iselersheimer Ortsbürgermeister Hermann Röttjer, Heimatforscher und Historiker aus Leidenschaft, sowie zahlreiche, überaus sachkundige Mitstreiter sind derzeit dabei, Planungen und Vorbereitungen für das Findorffjahr umzusetzen. Mehr als 100 interessierte Mitwirkende und Sponsoren konnte der Verein „Findorffs Erben vom Kolbecksmoor“, geführt von Richard Henning, dafür mit ins Boot holen.

Die Auftaktveranstaltung im Grasberger Findorff-Hof, zu der neben zahlreichen geladenen Gästen auch Dr. Karsten Müller-Scheeßel, Autor eines neuen Findorff-Buches geladen war, führte in das Geburtstagsjahr ein. Grasbergs Bürgermeisterin Marion Schorfmann richtete eine ausführliche Ansprache auf plattdeutsch an die Anwesenden. Los geht die Veranstaltungsreihe bereits am 22. Februar, dem Geburtstag von Findorff, mit einer Andacht in der Findorff-Kirche und einer Gedenkminute an seinem Grab in Iselersheim. Es folgen zahlreiche Veranstaltungen übers Jahr im Wirkungsgebiet von verschiedenen Vereinen und Institutionen wie Ausstellungen, Gottesdienste, Projekte in Schulen, Filmvorführungen und eine Torfkahnarmada. Das zentrale Festwochenende zum Findorff-Jahr ist für den 29. und 30. August auf dem Schützenplatz in Worpswede vorgesehen. Es gibt Musik, Tanz, Festvorträge, Handwerkskunst, Ausstellungen und vieles mehr, und Ministerpräsident Stephan Weil, der auch die Schirmherrschaft übernommen hat, hat sein Kommen zugesagt. An dem Oste-Hamme-Kanal-Fest am 12. und 13. September beteiligen sich alle sieben Ortschaften entlang des 19 Kilometer langen Oste-Hamme-Kanals. Das Programm beinhaltet einen historischen Ernteumzug, plattdeutschen Gottesdienst und „Kanal in Flammen“ von der Kreuzkuhle in der Ortschaft Karlshöfener Moor über Findorf (Gemeinde Gnarrenburg) bis an die Oste in Spreckens (Stadt Bremervörde). Sowohl die Ortschaften als auch den Kanal hatte Findorff angelegt, vermessen und gebaut. Der Kanal entstand in der Zeit von 1769 bis 1790. Am 3. und 4. Oktober warten die Vereine „Findorffs-Erben vom Kolbecksmoor,“ „Adolphsdorfer Torfschiffer,“ und die „Torfkahnschiffer Osterholz-Scharmbeck“ mit einem ganz besonderen Event auf: Gemäß der Tradition der Torfschifffahrt stellen sie ihre 25 nach historischem Vorbild nachgebauten Torfkähne zur Schau. Diese Kähne stellten über zwei Jahrhunderte die Lebensgrundlage für die Moorbauern dar. Über natürliche Wasserwege, künstlich angelegte Gräben und Kanäle brachten sie Brenntorf nach Bremen und transportierten ihn weiter über die Weser bis nach Brake und verkauften ihn dort. Vom Torfschiffhafen in Osterholz-Scharmbeck starten die Teilnehmer mit ihren Kähnen über den zwei Kilometer langen, von Findorff angelegten Kanal zur Hamme, vorbei an alten Schutzhütten und Zollstellen über Worpswede bis zum Torfschiffhafen in Gnarrenburg. Auf der Fahrt dorthin müssen die Schiffe durch zwei Schleusenanlagen, die wie in früheren Zeiten manuell bedient werden. Am Nachmittag sollten die Kähne im Torfschiffhafen an der Kreuzkuhle eintreffen. Auf Gäste wartet ein vielfältiges kulturelles Programm: Kurze Theateraufführungen in Plattdeutscher Sprache und musikalische Darbietungen auf verschiedenen Bühnen sind vorgesehen, bevor der Tag mit einem offiziellen Festakt ausklingt. Am Sonntag, 4. Oktober gibt es auf dem Hafengelände einen plattdeutschen Gottesdienst und im Anschluss daran ein gemeinsames Frühstück. Am Nachmittag treten die Torfkähne ihre Rückreise an, ein Anblick, der sicherlich viel Publikum anziehen wird. Der niedersächsische Landesminister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler, hat seine Teilnahme signalisiert. Zielsetzung dieser Veranstaltungen ist nicht nur der Unterhaltung und Nostalgie, sondern sie sollen zu Überlegungen beitragen, ein Gleichgewicht zwischen der Bewahrung des kulturellen Erbes und der Befriedigung heutiger Nutzungsansprüche des Moores und seiner Siedlungsdörfer zu finden. Die Findorff-Siedlungen sind in der Landschaft einmalig und stellen eine Besonderheit in der norddeutschen Landschaft dar. Darüber hinaus ranken sich unzählige Geschichten, Dokumentationen und Veröffentlichungen um die Person Findorffs und seine Dörfer um das urbar gemachte Moor. Regionalgeschichte, Entwicklung, Heimatkunde und nicht zuletzt touristische Entdeckung gehören dazu. Zum Gedenken an Findorff wurde sogar eine Taschenuhr in limitierter Auflage herausgebracht. • Alle Veranstaltungen zum Findorffjahr können auf www.findorffs-erben.de eingesehen werden.

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