Rotenburger Geschäftsleute: Längere Öffnung mit Nachteilen

"Alle sind nicht nur happy"

(fk). Des einen Freud ist oft des anderen Leid. Wenn es denn in vielen Fällen, in denen Rotenburger Geschäfte länger geöffnet haben, auch so wäre, daß die Kunden das neue Angebot nutzen würden, sähe mancher Kaufmann der Zukunft optimistischer entgegen. Die Änderung des Ladenschlußgesetzes hat ein paar (für manchen Geschäftsinhaber äußerst nachteilige) Konsequenzen bewirkt, deren endgültige Folgen noch gar nicht abzusehen sind.

Die von den Mitgliedern im Verein für Wirtschaftsförderung vereinbarte Testphase von einem halben Jahr wurde von einigen Geschäftsleuten bereits nach acht Wochen nicht mehr eingehalten. Nach der Weihnachtssaison kam vielfach die Ernüchterung. Der Grund: In den Abendstunden bleibt die Kundschaft aus. So manche Ladentür wird wieder zu den alten Schließzeiten zugeschlossen. "Dies verunsichert die Kundschaft in unerträglichem Maße", so wendet sich der Vorsitzende des Wirtschaftsförderungsvereins, Nils Hoffmann, gegen die seiner Ansicht nach verfrühte Resignation. In der letzten Vereinssitzung, die extra für eine Beratung anberaumt wurde, ließ der Vorstand abermals abstimmen. Die Mehrheit der erschienenen Mitglieder stimmte dafür, die Probephase, die noch bis einschließlich April läuft, durchzuhalten. Diese Entscheidung machten sich die Geschäftsleute allerdings nicht leicht. Der eine oder die andere wird möglicherweise auch in naher Zukunft schon wieder zu den alten Zeiten zurückkehren. Um die Problematik aus unterschiedlicher Sicht näher beleuchten zu können, wurde Rolf Knetemann, Geschäftsführer des Unternehmerverbandes im Einzelhandel, eingeladen. Knetemann schilderte seine bisherigen, Erkenntnise, die nach eigener Aussage keinerlei Allgemeingültigkeit hätten. "Auch die großen Häuser im Umland sind längst nicht alle happy und zufrieden", stellte der Fachmann fest. Knetemann weiter: "Jetzt sehen wir, wie träge die Masse "Verbraucher" wirklich ist. Aber was erwarten wir eigentlich nach 45 Jahren, die die alten Öffnungszeiten gegolten haben?" Motivation für den Einzelhandel: Die Verbraucher müssen dazu bewegt werden, ihr Abendbrot vielleicht erst um Viertel nach Sieben statt wie bisher um sechs Uhr einzunehmen. Auch eine Kundenfrequenz von ein bis zwei Prozent nach 18 Uhr sei aus bestimmten Erwägungen heraus noch als akzeptabel anzusehen: "Es geht nicht um die Frequenz allein, sondern um die Frage, ob es sich eine Stadt wie Rotenburg leisten kann, langfristige Umsatzrückgänge von sieben oder acht Prozent in Kauf zu nehmen." Diese Einbußen blieben nach Knetemanns Einschätzung nicht aus, wenn die Mehrzahl der Geschäfte sich der neuen Regelung verschließen würde. Eine verstärkte Käuferabwanderung ins Umland und in die Zentren sei in diesem Fall unausweichlich. Viele Inhaber Rotenburger Fachgeschäfte sehen ihre Stärken allerdings an anderer Stelle. Hannelore Staas (Kosmetik): "Wir haben doch ein großes Potential an geschulten Fachkräften." Auch Uwe Meyer (Einrichtungshaus) ist von der Leistungsfähigkeit der in der Innenstadt ansässigen Firmen überzeugt. Gleichzeitig meint er: "Wir müssen die Leute an die Hand nehmen, und ihnen zeigen, daß sie bis 19 Uhr zu uns kommen und einkaufen können."

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