Vom Vorteil einer sorgfältigen Pflanzenauswahl - Von Christiane Looks

Erst testen, dann pflanzen!

Diese Douglasie im Höpen bei Westertimke ist 125 Jahre alt und 34 Meter hoch. Foto: Joachim Looks
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Westertimke. Die Bekannte lud zu ihrem Taglilienfest in das über 800 Jahre alten Dorf an der Wölpe ein, einem kleinen Fluss südwestlich von Rethem (Aller). Der Garten lag idyllisch an einem alten, verwitterten Fachwerkhaus. Seine gemütliche Hausterrasse schmiegte sich in eine Ecke des Gebäudeensembles und wurde überragt von einem mächtigen Lederhülsenbaum.

Gleditsia triacanthos, die amerikanische Gleditschie, ist ein sommergrüner Laubbaum, wächst in östlichen sowie mittleren Teilen der USA und gehört wegen seiner beeindruckenden, gold-gelben Herbstfärbung zu den wichtigsten Bäumen des Indian Summers. Im nordamerikanischen Forst ist er ein bedeutender Holzlieferant, ebenso wie die spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina), deren spektakuläre Herbstfärbung in Gelb, Orange und Rot maßgeblich zum Indian Summer beiträgt.

Erfolgreiche Forstpflanzen anderer Kontinente interessieren auch außerhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes. Zunächst gepflanzt als vorzeigbarer Exot in Parkanlagen, wandelte sich das Interesse an nicht heimischen, aber in unseren Breiten einsetzbaren Bäumen, wenn sie sich hier als Zierbaum bewährten. Die ebenfalls in Nordamerika beheimate Robinie (Robinia pseudoacacia) hatte sich dort als erfolgreicher Baum in durch katastrophale Brände zerstörten Wäldern ausgezeichnet.

In Europa während des 17. Jahrhunderts wegen seiner dekorativen Blütenstände zunächst als attraktiver Parkbaum eingeführt, wurde sie im 18. Jahrhundert auf waldlich übernutzten Flächen bei Wiederaufforstungsmaßnahmen eingesetzt, und nach dem letzten Weltkrieg breitete sie sich in zerstörten Städten auf Trümmerschuttflächen rasch aus, wenn der sommergrüne Laubbaum in Parks, Gärten oder entlang von Straßen gepflanzt worden war. Heute ist sie weltweit ein begehrter Plantagenlaubbaum.

Wuchskräftige Baumarten anderer Kontinente, die sich auch bei uns erfolgreich anbauen lassen, schienen im 19. Jahrhundert erfolgreiche Antworten auf Fragen zu geben, die durch ruinöse Waldnutzung entstanden und nach Meinung ungeduldiger Holzverwerter mit heimischen Gehölzen nicht zügig genug zu beheben waren. Dabei konnte mangels Erfahrung nicht vorhergesehen werden, wie sich ein exotischer Parkbaum gegebenenfalls als Plantagenbaum unter hiesigen Bedingungen entwickelte. Die spätblühende Traubenkirsche wächst beispielsweise in jungen Jahren mit einem Jahreswuchs von ungefähr 50 Zentimeter turbomäßig. In den USA erreicht der Baum Wuchshöhen von 30 Metern, und sein Holz ist begehrt im Möbelbau. In Mitteleuropa erreicht Prunus serotina selten mehr als 15 Meter Höhe, tritt zumeist auch nicht als Baum, sondern Großstrauch auf, kann also höchstens als Furnierholz verwendet werden, und lässt sich, einmal aufgelaufen, wegen üppigem Vermehrungsdrangs durch überreichen Fruchtbesatzes und starker Wurzelbrut auch bei radikalstem Rückschnitts kaum wieder beseitigen. Aus heutiger Sicht ist die spätblühende Traubenkirsche bei uns eher ein Problem, trotz Indian Summer-Färbung.

Schon im 19. Jahrhundert wurde erkannt, dass es sinnvoll ist, fremdländische Baumarten aus aller Welt zunächst einmal probehalber zu pflanzen und auf ihre Verwendbarkeit unter hiesigen Bedingungen zu untersuchen. Um den vorletzten Jahrhundertwechsel pflanzte eine Göttinger Forscherin in der Nähe Westertimkes eine Douglasie zu Testzwecken. Die Baumart war vor dem Eiszeitalter auch in Mitteleuropa heimisch, wurde dann aber durch die Eiszeiten in unseren Bereichen ausgelöscht. Seit dem frühen 19. Jahrhundert ermöglichte ein Import nordamerikanischer Samen in Deutschland die Zucht amerikanischer Douglasien. Welche Entwicklungsmöglichkeiten sie bei passendem Standort haben, lässt sich sehr gut an dem Westertimker Testbaum ablesen. Von Kirchtimke aus kommend über die „Hauptstraße“ Richtung Westertimke. Gleich die erste Straße rechts („Auf der Worth“) nehmen und sofort rechts wieder abbiegen. Es geht geradeaus zum Waldgebiet „Höpen“. Am Ende des Waldstücks zweigt wiederum rechts ein Weg ab. Ihm folgen und nach wenigen Meters rechts führt ein schmaler Fußweg in den Wald direkt zu der Testdouglasie. Und, fühlt sie sich wohl im Höpen?

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