Löw kontert Ballack-Attacke: „Nächste Woche erst recht nicht“

Toni Kroos (l.) stärkt Bundestrainer Joachim Löw den Rücken.
 ©dpa / Christian Charisius

Michael Ballack hätte nach dem WM-Debakel einen Neustart ohne Joachim Löw erwartet. Die aktuellen Spieler kontern und verteidigen den Bundestrainer. Den interessiert der Angriff momentan nicht.

Update 12.10.2018, 17.31 Uhr:

 Joachim Löw hat die Kritik seines langjährigen Kapitäns Michael Ballack gelassen gekontert. "Er kann gerne was sagen, das ist völlig egal. Jeder kann gerne seine Meinung sagen", sagte der Bundestrainer vor dem Nations-League-Spiel am Samstag (20.45 Uhr/ZDF) in Amsterdam gegen die Niederlande.

Ballack hatte betont, er sei "wie viele andere überrascht", dass Löw nach dem WM-Desaster seinen Job behalten habe und seinem früheren Chef indirekt einen Rücktritt nahegelegt. "Ich habe das gesehen, die Überschrift, aber nicht gelesen, weil es mich diese Woche nicht interessiert, da habe ich andere Gedanken", sagte Löw, "und nächste Woche erst recht nicht".

Löw (58) präsentierte sich in Amsterdam außergewöhnlich ruhig. "Ich bin jetzt seit 2006 Nationaltrainer", sagte er, "ich spüre nicht mehr Druck als bei der Heim-WM 2006, der WM 2010 oder 2014. Warum sollte ich?"

Kroos spottet nach Ballack-Attacke auf Löw

Berlin - Führungskraft Toni Kroos und die neue Angriffshoffnung Timo Werner haben Bundestrainer Joachim Löw die richtigen Reaktionen nach dem WM-Debakel in Russland bescheinigt. Es könne sein, dass das Verhältnis von einem Trainer zu einer Mannschaft ein paar neue Reize brauche. „Aber die können manchmal auch vom selben Trainer kommen, wenn er sich hinterfragt. Das hat er getan“, sagte Kroos vor den Nations-League-Spielen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in den Niederlanden und in Frankreich. „Natürlich hat er sich weiterentwickelt. Er redet noch mehr mit den Spielern“, berichtete der Leipziger Werner. Auch taktisch würde der Bundestrainer neue Wege einschlagen.

Kroos konterte damit auch die Kritik des ehemaligen DFB-Kapitäns Michael Ballack, der nach dem historischen WM-Ausscheiden des deutschen Teams in der Vorrunde einen Neustart ohne Löw für richtig gehalten hätte. „Ich bin überzeugt, dass wir die Kurve mit Jogi Löw kriegen“, sagte der Profi von Real Madrid am Donnerstag in Berlin. „Es ist eine Wortmeldung mehr. Es gibt immer verschiedene Ansichten. Die einen sagen, nach einem großen Erfolg ist der richtige Moment. Die anderen: Nach einem schlechten Moment geht es nicht mehr weiter“, bemerkte Kroos zu Ballacks Meinung. Kroos spottete über Ballack: "Vielleicht hätte er es übernehmen wollen?"

Ballack über Löw: „War überrascht, dass er seinen Job behalten hat“

Ballack hätte einen Rückzug von Löw (58) erwartet, der seit 2006 verantwortlicher DFB-Chefcoach ist: „Am Ende ist er verantwortlich und sollte professionell genug sein.“ Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hielt an dem Weltmeistercoach von 2014 fest. Löws Vertrag war von Präsident Reinhard Grindel kurz vor dem Turnier bis zur nächsten WM 2022 in Katar verlängert worden.

„Ich war wie viele andere Leute auch überrascht, dass er seinen Job behalten hat“, sagte der 42 Jahre alte Ex-Profi Ballack im Interview der Deutschen Welle. „Er hat lange mit dem Team gearbeitet. Irgendwann muss man sich doch eingestehen, dass die Dinge nicht mehr funktionieren, wenn jemand so lange mit einer Mannschaft zusammenarbeitet wie er“, erklärte Ballack zu Löw.

Kroos: Bundestrainer hat die Chance auf Wiedergutmachung verdient

Kroos hob hervor, der Bundestrainer habe über viele Jahre bewiesen, dass er bereit sei, sich selbst zu entwickeln. „Ich habe es selbst gesehen, das ging bei ihm genauso stetig nach oben“, bemerkte der 28 Jahre alte Kroos. Von seiner ganzen Ansprache, von der Qualität des Trainings sei Löw „jetzt auf einem ganz anderen Niveau als 2010“. Und er habe es nach seinen großen Erfolgen in den vielen Jahren vor der WM in Russland „absolut verdient“, die Mannschaft weiter zu führen und zu entwickeln.

Auch der 22-jährige Werner sieht in Löw weiter den richtigen Mann. „Natürlich war viel Kritik auch an ihm“, aber so ein Turnier passiere eben einmal: „Es läuft nicht immer nur bergauf.“ Und man sollte nicht gleich Löws Stärken und Methoden, die ihn in 14 Jahren ausgezeichnet hätten, „über den Haufen werfen“. Von 2004 bis 2006 war Löw Assistent von Bundestrainer Jürgen Klinsmann.

Ballack fordert ernsthafte Analyse des WM-Debakels

Ballack kritisiert auch die Aufarbeitung des Vorrunden-Ausscheidens in Russland durch den Verband. „Die Weltmeisterschaft war eine große Enttäuschung, und dafür gab es Gründe. Man sollte sie ernsthaft analysieren und nicht sagen „Wir analysieren das“, während in Wahrheit bereits beschlossen ist, am Trainer festzuhalten. Das ist keine echte Analyse“, sagte er.

Ballack hatte zwischen 1999 und 2010 für Deutschland 98 Länderspiele bestritten (42 Tore). Der Ex-Kapitän arbeitete lange erfolgreich mit Löw zusammen. Nachdem der Mittelfeldspieler die WM 2010 in Südafrika wegen einer Verletzung verpasste, kam es zum Ende seiner DFB-Karriere und auch zu einem Bruch mit Löw.

dpa/ sid

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