Schüler-AG stellt Nachforschungen über Fabriken an

„Und heute kennt es niemand mehr…“

Bürgermeister Ralf Goebel ließ sich von den jungen Leuten der Geschichts-AG von Bärbel Korgel ihre Ideen erläutern Foto: Rehak
 ©Rotenburger Rundschau

(ja). Sieben Gebäude stehen in Visselhövede unter Denkmalschutz – Grund genug für Stadtarchivarin Bärbel Korgel und die Projektgruppe Denkmal aktiv!, einmal genauer hinzusehen. Das Projekt wurde jetzt Bürgermeister Ralf Goebel vorgestellt.

Dass in Visselhövede sieben Gebäude unter Denkmalschutz stehen, war dem Bürgermeister bekannt. Bei der Frage, welche genau das seien, wurde es schon schwieriger. Auf die Johannis-Kirche, das ehemalige Deutsche Haus und den Wasserturm kam er spontan, dann jedoch musste er passen. Die Schüler, inzwischen umfassend informiert, halfen gerne aus: Ebenfalls geschützt ist die Villa in der Goethestraße 22, Stall und ehemaliges Forsthaus, die Ehrenhalle auf dem Friedhof und das Rathaus. „Schau an“, nahm Goebel es locker, dass ihm ausgerechnet dieser Umstand nicht bekannt gewesen war. „Da habe ich mal wieder etwas gelernt.“ Nun sind es nicht alle sieben Gebäude, welche die Schüler in der Projektgruppe gleichermaßen beschäftigen. Der Schwerpunkt liegt auf den beiden ehemaligen Fabriken, die einst zu den größten Arbeitgebern am Ort zählten: die ehemalige Wachs- und Honigfabrik Winkelmann und die Zündholzfabrik von Deylen in der Celler Straße. Diese werden genauer unter die Lupe genommen und sollen anschließend miteinander verglichen werden. Zunächst haben die Schüler eine Umfrage gestartet und Visselhöveder Bürger nach ihrem Wissen befragt. „Wo genau liegt die Fabrik? Was wurde dort hergestellt? Wie viele Leute haben dort zu Spitzenzeiten gearbeitet? Kennen Sie jemanden persönlich, der dort gearbeitet hat? Wie wird das Gelände heutzutage genutzt?“, fassten es die Schüler Jonas Voß und Lars Wilkens zusammen. Diesen Fragen musste sich nun auch der Bürgermeister stellen. Mit der Geschichte des Sonnentau-Geländes kannte sich Goebel gut aus, bei der Zündholzerfabrik leitete er sich einiges her, bezeichnete sein Wissen dabei aber selbstkritisch als „nicht so ganz sattelfest“. Dieses Ergebnis deckt sich laut Korgel allerdings mit dem, was bei der Umfrage allgemein herauskam: Das Sonnentau-Gelände ist bei den meisten Vissehövedern präsenter als die Zündholzfabrik. Demnächst steht für die Projektgruppe noch eine Gesamtauswertung ihrer Umfragen an. Außerdem wollen sie mit dem ehemaligen Fabrikbesitzer Heinrich Winkelmann sprechen, um noch mehr Details aus der bewegten Firmengeschichte zu erfahren. Winkelmann war von der Idee begeistert und erklärte sich spontan zur Mithilfe bereit. Auch Ekkehard Tamm hat eine Menge Infomaterial gesammelt. Weiterhin steht auch noch ein Besuch im Stadtarchiv an. Goebel lobte die jungen Leute für ihren Einsatz. „Ich finde es klasse, was ihr hier macht“, so der Bürgermeister. Mit dem Projekt, so Goebel weiter, werde der Bezug der Schüler zu der Region gestärkt. Bei dem einen oder anderen, sofern nicht ganz frisch zugezogen, finde sich sicherlich noch ein Familienmitglied, das selbst einmal sein Geld in einer der beiden Fabriken verdient hat. Anschließend wies Goebel noch darauf hin, dass Visselhövede „einmal ganz bekannt“ gewesen sei. Das Sonnentaugelände habe sogar einen eigenen Gleisanschluss gehabt, mit dem die Rohstoffe ohne Umwege direkt aufs Gelände transportiert werden konnten. Dass ihr Heimatort früher einmal einen hohen Bekanntheitsgrad gehabt haben soll, konnten die Schüler nur schwer glauben, von dem einen oder anderen wurde diese Aussage zunächst mit einem ungläubigen Kichern quittiert. Als Korgel dies jedoch bestätigte und außerdem darauf hinwies, dass früher auch der große Postweg zwischen Amsterdam und Hamburg durch die kleine Heidestadt geführt habe, wurden die Kinder nachdenklich: „Seltsam“, so das Statement der Schüler. „Und heute kennt es niemand mehr…“ Damit zumindest die Visselhöveder Bürger wieder ein bisschen informierter in Sachen Geschichte sind, sollen die Ergebnisse des Projektes ausgestellt werden. Dafür wird noch ein geeigneter Ort gesucht. Goebel schlug spontan das Foyer des Rathauses vor. Dieses will er in Zukunft öfter für derartige Dinge nutzen. Eine weitere Möglichkeit, so Goebel, wären die Räume des Sonnentaugeländes selbst. „So wäre die Geschichte gleich vor Ort“, findet der Bürgermeister. Weiterhin werden die Schüler im kommenden Jahr nach Bad Segeberg fahren. Dort treffen sich AGs und Gruppen, die sich mit ähnlichen Themen beschäftigen. Dort sollen die Ergebnisse vorgestellt werden. „Außerdem“, so Korgel, „gibt es die Möglichkeit, sich mit ähnlichen Projekten auseinanderzusetzen und Gleichgesinnte zu treffen.“

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