Dr. Hans Krech referiert in Kaserne zu Afghanistan-Problem

"Das muss man wissen...!"

(hm). Das zweite und letzte Referat der Wintervortragsreihe in der Visselhöveder Lehnsheide-Kaserne hielt jetzt Dr. Hans Krech vor vollem Haus zum Thema "Afghanistan - Gegenwart und Zukunft". Auf beeindruckende Weise gelang es dem Experten, an wenigen herausragenden Schlüsselstellen der Geschichte des Landes die heutige Problematik nachvollziehbar werden zu lassen.

Krech, der als Geschäftsführer des wissenschaftlichen Forums für internationale Sicherheit mit Sitz in der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg fungiert, war auf Einladung des Führungsunterstützungsbataillons 285, der Friedrich Naumann- und der Rudolf von Bennigsen-Stiftung nach Visselhövede gekommen. Das Thema schien vor allem deshalb treffend gewählt, weil die Soldaten des gastgebenden Bataillons immer wieder bei Einsätzen in Afghanistan vertreten sind. Der Referent leitete mit der Meldung des Tages in seinen Vortrag ein: Taliban-Kämpfer hatten ein Lager von amerikanischen und kanadischen Soldaten offen angegriffen. "Um verstehen zu können, was in Afghanistan vorgeht, müssen wir ein Stück in die Geschichte zurückblicken", so Krech. Er erläuterte, wie nach dem Abzug der sowjetischen Truppen aus dem Land und dem Ende des Engagements der Amerikaner für die aufständischen Paschtunen in diesem Kampf das Chaos und die Gesetzlosigkeit um sich griffen. Am Beispiel von Mullah Mohammed Omar machte er deutlich, wo die große Akzeptanz einiger Führer ihre Wurzeln hat: "Der einfache Prediger griff als einziger ein, als zwei Mudshaheddin eines kleinen Mädchen auf offener Straße zu vergewaltigen versuchten. Nach seiner Flucht in die pakistanische Grenzregion unterrichtete er im Auftrage der Stammesfürsten Waisenkinder von im Kampf gegen die Sowjets gefallenen Kriegern." Daraus entwickelten sich die Taliban. "Das muss man wissen...", so Krech. Der Referent ging auf die Enttäuschung der Menschen ein, die den Sieg gegen die Sowjets errungen hatten und nun keine Rolle mehr spielten. "Als sich die Amerikaner Mitte der 90er Jahre für den Bau einer Gas-Pipeline über Afghanistan stark machten, wurde klar, dass dazu die Befriedung Afghanistans nötig ist." Dazu habe die US-Regierung die Taliban unter Mullah Mohammed Omar instrumentalisiert. Krech: "Der war eine leicht zu bedienende Marionette." Unter härtester Anwendung des religiösen islamischen Rechts habe er Ruhe geschaffen und dabei die Unterstützung der wirtschaftlich tragenden Schicht erhalten. "Denn in ruhigen Verhältnissen war wieder Handel möglich", erklärte der Referent. "In dieser Situation kam Osama Bin Laden ins Spiel." Die durch viel Geld gestützte Sozialpolitik verschaffte dem saudischen Oppositionsführer Ansehen. Krech: "Er arbeitete sich in die Herzen der Kämpfer und ihrer Familien. Er machte Mullah Mohammed Omar zu seiner Marionette. Damit waren die Taliban nicht mehr kontrollierbar." Die strengen Regeln der Taliban auch für das alltägliche Leben seien für die Menschen aber irgendwann unerträglich geworden. "Die Taliban konnten im Prinzip nichts dafür. Sie sind ursprünglich völlig indoktrinierte Kindersoldaten. Das normale Leben ist aus ihrer Sicht nicht verständlich", schilderte Krech. "Der Taliban freut sich auf seinen Tod im Kampf, ermöglicht der ihm doch den Weg ins Himmelreich. Das macht sie so unberechenbar." Und für die Menschen in den Dörfern, in denen sich die Anführer heute verstecken können? Krech: "70 Prozent der Bevölkerung sind Analphabeten. Viele sind aus ihren Dörfern nie herausgekommen, wissen nichts von unserer Welt und verstehen nicht, was die ausländischen Soldaten von ihren Predigern wollen. Auch das muss man wissen..." Krech zieht aus dieser Analyse folgende Schlüsse: "Wir kümmern uns heute um die Befriedung des Landes, die schon nach dem Abzug der Sowjets hätte erfolgen müssen. Und der Einsatz in Afghanistan verändert das Land positiv, denn die unumschränkte Macht der Taliban ist gebrochen. Die Weichen für eine Demokratisierung sind gestellt." Er sieht aber auch: "Es muss verhindert werden, dass Bin Laden in Saudi-Arabien an die Macht gelangt. Das Engagement ist nicht ohne Gefahr und wird noch viele Jahre andauern. Aber da geht es auch um unsere Sicherheit." Er geht davon aus, dass Bin Laden und Omar gefasst und vor einem allen Ansprüchen gerecht werdenden ordentlichen Gericht zur Verantwortung gezogen werden müssen. "Damit die islamische Welt deren Verurteilung akzeptieren kann", wie Krech sagt. "Außerdem muss der afghanischen Bevölkerung und nicht zuletzt den Taliban und Warlords gezeigt werden, dass Frieden lohnt."

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