Umweltminister Stefan Wenzel bei Aktivisten in Grapenmühlen - Von Thomas Hartmann

„Lange Zeit nicht im Fokus“

Umweltminister Stefan Wenzel (rechts) im Gespräch mit Andreas Rathjens bei seinem Besuch auf der Verpressbohrstelle in Grapenmühlen Foto: Hartmann
 ©Rotenburger Rundschau

Großer Presseauflauf am Bohrloch in Grapenmühlen. Die Initiativen gegen Fracking und die Verpressung von Lagerstättenwasser hatten den niedersächsischen Umweltminister Stefan Wenzel (Bündnis 90/Die Grünen) eingeladen und der stellte sich den Fragen der empörten Anwohner und der Aktivisten gegen die Techniken im Zusammenhang mit der Erdgasförderung.

In Grapenmühlen wurde seinerzeit in zwei Etappen nach Gas gebohrt. Auch nach Anwendung des Frack-Verfahrens sei die Bohrung aber nicht ergiebig gewesen und eingestellt worden. Das berichtete Joachim Euhus, Grundeigentümer des Areals, auf dem die Verpressanlage heute steht. Gegen die Umwandlung von der Bohrung zur Einpressstelle habe er nichts machen können, weil die Verträge das zugelassen hätten. „Mir wurde gesagt, das sei Salzwasser. Durch Störfälle bekamen wir dann immer mehr Informationen.“ Inzwischen weiß Euhus, dass in einer Tiefe von 2.800 bis 3.500 Metern 1995 rund acht Kubikmeter quecksilberverseuchter Schlamm in verschweißten Kapseln entsorgt wurde. „Mit Genehmigung vom Landesbergamt. Diese Behälter können im Salzwasser korrodieren“, moniert er. Das alles habe die Bürger dazu bewogen, die Initiative Wittorfer für Umwelt und Gesundheit ins Leben zu rufen. „Wir sind unsicher, was die Immissionen der Anlage angeht. Von offizieller Seite werden ja keine Luftmessungen angeordnet.“ Klaus Hoins, früherer Ortsbürgermeister von Wittorf, hat die Entwicklung hautnah miterlebt und fragt: „Ist diese Bohrung mit ihrer Vorgeschichte wirklich die richtige?“ Er erklärt, dass in etwa 2.000 Metern Tiefe ein Salzwasserreservoir durchbohrt worden und auch Gestänge im Bohrloch abgebrochen sei. Hoins machte deutlich, dass die Bürger dem in Grapenmühlen tätigen Unternehmen, der RWE Dea, inzwischen misstrauten, weil keine Informationen geflossen seien. Fehlende Informationen beträfen offensichtlich auch Politiker: „Wir hatten drei Abgeordnete zu Gast, die alle mit den Worten gingen: Das haben wir nicht gewusst.“ Andreas Rathjens forderte als Sprecher der Bürgerinitiativen eine deutlich bessere Kommunikation und Information. „Wir wollen alle die Energiewende. Wir wollen aber auch eine enkeltaugliche Entwicklung. Und die Fragen der Entsorgung des Abwassers und des Abfalls aus der Erdgasproduktion müssen als erstes auf den Tisch. Hier ist ein Endlager entstanden. Die Schadstoffe zurückzuholen, ist unmöglich. Und dennoch ist diese Lagerstätte bis heute nicht durch ein mehrschichtiges Grundwassermonitoring abgesichert.“ Dass die Kommunikation nicht funktioniere, machte er an einem Beispiel fest: „2012 wurde uns versichert, dass die Verpressung stillgelegt werde. Jetzt wurde die Anlage mit großem Aufwand aufgerüstet.“ Wenzel bedankte sich für die offenen Worte: „Ich möchte möglichst viele Infos aus erster Hand mit nach Hannover nehmen. Die Erdgasförderung stand lange Zeit nicht im öffentlichen Fokus. Die Technik galt als problemlos. Das Thema ist erst durch undichte Lagerstättenwasserleitungen auf den Tisch gekommen.“ Er betonte, dass die Landesregierung bessere Umweltstandards durchsetzen wolle und sprach von verpflichtenden Umweltverträglichkeitsprüfungen und der Umkehr der Beweislast. Als Unding sieht der Minister an, dass in Grapenmühlen in eine Tiefe von 900 bis 1.000 Metern verpresst werde. „Das Bergrecht ist nie zum Umweltrecht geworden. Jetzt müssen wir das Abfallrecht mit heranziehen. Und das bedeutet: Das Lagerstättenwasser muss gereinigt werden. Zumindest aber muss es in die Tiefe zurückgebracht werden, aus der es gefördert wurde.“ Gleichzeitig relativierte er aber auch: „Eine Änderung des Bergrechtes muss her. Aber das ist Bundesangelegenheit. Ein entsprechender Antrag liegt im Kanzleramt, wurde dort aber erst einmal gestoppt.“ Dennoch sei die Landesregierung nicht machtlos: „Wir werden alles tun, um Umweltstandards durchzusetzen – bis an die Grenzen dessen, was Landesrecht zulässt.“ Und wo geltendes Recht nicht eingehalten werde, müsse das Konsequenzen nach sich ziehen – bis hin zu Betriebseinstellungen. Nach Bekanntwerden der erhöhten Zahl der Krebsfälle in Bothel seien umfangreiche Untersuchungen eingeleitet worden. Wenzel: „Wir müssen die Ursachen herausfinden. Aber das braucht Zeit.“ Dass der zu erwartende Förderzins den Politikern zu wichtig sei, ließ Wenzel nicht gelten: „Gesundheit geht vor.“ In Rotenburg nahm Wenzel anschließend an einer Sitzung des Arbeitskreises im Kreishaus teil. Diskussionen hatte es im Vorfeld darüber gegeben, dass diese Sitzung nichtöffentlich stattfinden sollte. Schließlich wurde sie aber doch nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehalten.

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