Seit 1650 lebt und arbeitet die Familie Lohmann auf dem Hof in der Nähe von Sottrum

Barkhof: alt und geschichtsträchtig

Sottrum und Stuckenborstel, versteckt unter den Kronen mächtiger Eichen und deshalb von der vorbeiführenden Bundesstraße aus nur zu erahnen, befindet sich ein landwirtschaftliches Anwesen, das wohl zu den geschichtsträchtigsten in der Umgebung zählt: der Barkhof.

Wo heute Milchkuhhaltung und Rinderzucht betrieben werden, residierten vor Jahrhunderten jene Meier, die ursprünglich vom Domkapitel in Verden eingesetzt waren, um einen Zusammenschluss von kircheneigenen Gütern, eine so genannte Villikation, zu verwalten. Später erfolgten diese Dienste für den jeweiligen Herzog beziehungsweise König. Und Gerhard Lohmann, der heute gemeinsam mit Ehefrau Helma, den drei Söhnen Christian, Henning und Hauke und seiner Mutter Elfriede auf dem Hof lebt, kann auf einige Meier in seinem Stammbaum verweisen. "Wir bewirtschaften den Barkhof seit 1650. Davor lebten hier die Schumackers, doch deren letzter männliche Nachkomme kehrte nicht aus dem 30-Jäh-rigen Krieg zurück. Das Erbe fiel an die Tochter Margreta, die schließlich Gerdt Lohmann heiratete", weiß er zu berichten, während er in den alten Unterlagen und Dokumenten blättert. Vieles ist vergilbt, einiges kaum mehr lesbar. Doch das spricht für das Alter und somit für den Wert der Papiere, die eines jedoch nicht preisgeben: das genaue Alter des Barkhofes. Um das Jahr 1320 herum ist in Urkunden bereits von einem "Berchoff" die Rede - manch‘ ein Zeitgenosse vermutet die Entstehung des Hofes gar in der Zeit Karls des Großen, also um 800 herum. Doch dafür fehlen, leider, die schriftlichen Beweise. Ebenso strittig ist der Ursprung des Namens. Die einen behaupten, Barkhof stehe für Berghof, weil sich der Hof auf einem Hügel der Wiesteniederung befinde. Wissenschaftler, allen voran der Ortsnamenforscher Ulrich Scheuermann, gehen hingegen mittlerweile davon aus, dass sich "Bark" vom mittelniederdeutschen Wort für Birke, nämlich Berke beziehungsweise Barke ableitet. "Und die wachsen hier wie Unkraut", so Gerhard Lohmann. Unbestritten ist die Bedeutung des Anwesens. In dem im 16. Jahrhundert von Andreas von Mandelslo verfassten "Registrum ecclesiae Verdensis" wird der Hof neben Schneverdingen, Scheeßel, Visselhövede, Sottrum, Sittensen, Selsingen, Hittfeld und Helvesiek als "domus villicationis", als Meierhof genannt. Diesen waren stets einige Nebenhöfe zugeordnet - im Falle des Barkhofes Reeßum, Waffensen, Brockhoff, Hellwege oder Seedorf - die ihre Einkünfte beim Meier zu entrichten hatten. Der behielt es jedoch nicht für sich, sondern gab das erwirtschaftete Korn, Vieh aber auch Geld an den Probst, der Verdener Kirchengüter weiter, der dann daraus die Verteilung der Pfründe vornahm. 1645 eroberten die Schweden die Bistümer Bremen und Verden, die fortan Herzogtümer genannt wurden und die 1720 schließlich "königlich-großbri-tannisch" wurden. Der Meierei tat dies keinen Abbruch. Dem Bark-Meyer Gerdt Lohmann folgte Henrich, der bis zu seinem Tod 1744 amtierte. Der daraufhin ausgestellte Meyerbrief für den Nachfolger ist noch heute in den Familienunterlagen zu finden. "Demnach ein Voller Hoff im Kirchspiel Sottrum, und zwar zum Barckhoff durch Ableben Henrich Lohmanns erlediget, und zur königlichen Kammer freien Disposition anheim gefallen. So ist auf Ansuchen Gerd Lohmanns dieser volle Hoff gegen Erledigung eines zu 18 Talern und 25 Schillingen behandelten Weinkaufs hinwieder zum Meyer-Recht eingethan…" Das Eigentümliche war, dass den Bauern alles auf und an einem Hof gehörte, nach wie vor aber nicht der Grund und Boden. Der musste nach jeder Übergabe neu gepachtet werden. 30 Jahre später taucht in den Unterlagen ein Johann Hinrich Lohmann als Meyer auf, 1811 dessen Sohn Johan Ditrich. In seiner Ära mussten die Lohmanns einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen: Am 2. Februar 1820 brannte das Wohnhaus bis auf die Grundmauern nieder. Menschen kamen nicht ums Leben, wohl aber 25 Rinder und vier Pferde. Lamentiert wurde jedoch nicht lange, Johan Ditrich erwies sich als Mann der Tat. Noch im selben Jahr konnte der Neubau, ein stattliches niedersächsisches Hallenhaus bezogen werden. Jedoch: Der Bauherr starb fünf Jahre später. Eine weitere Hof-Übergabe fand 1839 statt, ein zweiter Meierbrief, der nun auf den Halbmeierhof ausgeschrieben ist, datiert aus dem Jahr 1866. Demnach musste der Pächter Johan Heinrich Lohmann Abgaben in Höhe von 22 Taler leisten. Inzwischen sind die Lohmanns Besitzer des Hofes. Dank der Hannoverschen Ablösungsgesetzgebung, die im 19. Jahrhundert umgesetzt wurde. Das Fachwerkhaus steht noch heute in seiner ganzen Pracht in direkter Nähe zur Wieste. Immer wieder wurde in den zurückliegenden Jahrzehnten angebaut - mal eine Veranda, wie 1930, mal ein Stall, in dem heute die Kälber untergebracht sind. Die alte Mühle des Hofes, die bis in den Zweiten Weltkrieg hinein nördlich des Wohnhauses geklappert hat, "und in deren Mühlenloch wir bis in den Herbst hinein gebadet haben", so Elfriede Lohmanns Erinnerung, ist nur noch auf Fotografien präsent. "Heute gehören neben den Scheunen mit den Stallanbauten und dem alten Knechtshaus außerdem eine Offenstall und ein Boxenlaufstall zum Betrieb", berichtet Gerhard Lohmann bei einem Rundgang über den Hof. 80 Hektar nennt er sein Eigen, insgesamt sorgen 50 Milchkühe dafür, dass die Mark rollt. "Im Advent, verkaufen wir Weihnachtsbäume, und das schon seit Jahrzehnten", so der Landwirt, "doch das Geschäft betreiben wir eher als Hobby." Gerhard Lohmanns Wunsch ist, dass die landwirtschaftliche Tradition auf dem Barkhof fortgeführt wird. Sohn Christian schickt sich bereits an, als 13. Lohmann das Erbe anzutreten. "Obwohl es sicherlich nicht leicht ist, auch künftig profitabel zu wirtschaften", so der 23-Jährige. In den Genuss von Privilegien, wie einst seine Vorfahren, wird er wohl kaum kommen. Dafür möchte die Familie künftig verstärkt auf die Direktvermarktung ihres artgerecht gezogenen Rindfleisches setzen. "Das ist zeitgemäß und kommt uns, aber auch dem Verbraucher zu Gute", meinen Lohmanns, die sich nicht auf der Geschichte ausruhen können, sondern nach vorn blicken müssen.

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