OSMTH-Orden lebt von sozialem Engagement und Nächstenliebe - Von Karolina Haselmeyer

Auf den Spuren der Templer

Dr. Claus Kock, Bürgermeister der Gemeinde Ahausen, ist Mitglied des Ritterordens OMSTH. Er wurde 2011 in Roskilde zum Ritter geschlagen Foto: Haselmeyer
 ©Rotenburger Rundschau

Im zwölften Jahrhundert wurde der berühmte und sagenumwobene Templerorden gegründet. Seit 2011 ist auch Dr. Claus Kock, Bürgermeister der Gemeinde Ahausen, offizielles Mitglied und Ritter der Templer. Der Orden, der während des 14. Jahrhundert von Papst Clemens V. (1250 – 1265) aufgelöst wurde, wurde im März 1705 von Prinz Philipp de Bourbon (1674 – 1723) wieder offiziell zum Leben erweckt. 1853 ermächtigte Kaiser Napoleon III. (1808 – 1873) den Orden, die offiziellen Abzeichen und Wappen tragen zu dürfen.

Kock gehört zur Komturei Rotenburg des Ordo Supremus Militaris Templi Hierosolymitani (OSMTH), dem einzigen kirchlich legitimierten Templerorden. 2002 wurde OSMTH von den Vereinten Nationen als nicht staatliche Hilfsorganisation mit Konsultativstatus in sozialökonomischen Fragen anerkannt. Damit tritt der Orden in die Fußstapfen der ursprünglichen Templer, zu deren Aufgaben es gehörte, Pilger auf dem Weg in die heilige Stadt Jerusalem vor Räubern und Wegelagerern zu beschützen. Im Laufe der Jahre erlangten die Templer, die als erste die Ideale des Mönchstums mit denen der Ritterschaft verbanden, immer mehr Reichtum und Macht. Dafür sorgte nicht zuletzt auch eine 1139 von Papst Innozenz II. unterzeichnete Urkunde (Omne datum optimum), die dem Orden seine Unabhängigkeit von weltlicher und kirchlicher Autorität bestätigte. Damit waren die Tempelritter nur noch dem Papst unterstellt. Dem französischen König Philipp IV. (1268 – 1314) missfiel dieser große Einfluss und er ließ alle Templer in Frankreich verhaften. Darüber hinaus sorgte er dafür, dass Papst Clemens V. den Orden auflöste. Bei Schauprozessen wurden den Rittern Verbrechen wie Ketzerei, Sodomie und Gotteslästerung vorgeworfen – zu unrecht, wie ein lange verschollenes und erst 2001 im Vatikan wieder aufgetauchtes Dokument bestätigt. Bis heute werden die Templer immer wieder mit zahlreichen abstrusen Verschwörungstheorien in Verbindung gebracht, die nicht zuletzt durch Dan Browns Roman Sakrileg gefördert wurden. Doch wer in Bezug auf den OSMTH jetzt ebenfalls an so etwas denkt, der irrt. Seine Mitglieder sind Bürger mit "einem guten Leumund und einer gewissen gesellschaftlichen Stellung“, verrät Kock. Rund 6.000 Ritter und Damen aus mehr als 40 Nationen umfasst der Templerorden weltweit und anders, als etwa beim Johanniter- und Malteserorden, werden Männer und Frauen gleichberechtigt aufgenommen. Außerdem ist der Orden konfessionsfrei, während bei den Maltesern ausschließlich katholische und bei den Johannitern nur evangelische Mitglieder aufgenommen werden. OSMTH unterstützt weltweit soziale und kirchliche Projekte in Afghanistan, Äthiopien, den baltischen Staaten, Bosnien, Bulgarien, Indien, Irak, Kamerun, Kongo, Kosovo, Philippinen, Rumänien, Russland, Serbien und in der Stadt Jerusalem. Außerdem werden humanitäre Missionen und Hilfsgütertransporte durchgeführt. Dabei arbeiten die Mitglieder eng mit dem Internationalen Friedensbüro, dem International Center for Religion and Diplomacy, anderen NGOs und Ritterorden sowie Regierungen von Nationen zusammen, um bei humanitärer Notlagen Hilfe zu leisten. Die Zielsetzungen schließen die Förderung der interkulturellen und interreligiösen Kontakte mit ein, um, so heißt es, "Brücken der Brüderlichkeit zwischen Nationen und Kulturen zu bauen“. Kock ist vor ein paar Jahren über einen Fernsehbericht auf den OSMTH aufmerksam geworden. "Ich habe daraufhin ein bisschen recherchiert und Kontakt aufgenommen.“ Groß war dabei die Überraschung, als er erfuhr, dass die Großpriorin, das heißt die Vorsteherin des deutschen Ordens, Elke Bruns, ebenfalls aus der Gemeinde Ahausen kommt. Bevor der Bürgermeister aber selbst Ritter und damit offizielles Mitglied des Ordens werden konnte, musste er sich, wie alle anderen auch, als Knappe während einer zweijährigen Probephase bewähren. Doch im Gegensatz zu früher, als die Ausbildung zum Ritter mehrere Jahre dauerte und sehr hart war, müssen die Ordensanwärter heute nicht mehr an fremde Höfe reisen, um sich ausbilden zu lassen. "Während der zwei Jahre kann der Interessent prüfen, ob das überhaupt etwas für ihn ist. Und die Ordensmitglieder können ebenfalls schauen, ob der Anwärter zu ihnen passt“, berichtet Kock. Er hat während seiner Probezeit verschiedene Aktivitäten der Nächstenliebe, darunter auch einen Sozialflohmarkt, veranstaltet. Ihm gefiel die Arbeit und weil die anderen Mitglieder zufrieden mit ihm waren, wurde er am 19. November 2011 in Dänemark, im Dom zu Roskilde, vom Konzil zum Ritter geschlagen. "Das war ein richtig feierlicher Gottesdienst, bei dem wir Männer einen schwarzen Anzug und einen weißen Mantel getragen haben“, erinnert sich der Ahauser, der dort von Großpriorin Bruns mit einem Backenstreich als Ritter aufgenommen wurde. Außerdem wurde er von Bischof Dr. Munib Younan, Präsident des Lutherischen Weltbundes, gesegnet, was für Kock, wie er selbst sagt, "eine ganz besondere Ehre“ war. Der OSMTH Deutschland ist in verschiedene Komtureien und Ordenshäuser unterteilt, eine von ihnen sitzt in Rotenburg. Der Komturei, die 2004 gegründet wurde und bis nach Scharbeutz reicht, gehören elf Mitglieder an. Geleitet wird sie von Komtur Fritz Strunk. Zweimal im Jahr treffen sich die Rotenburger Ritter und Damen auf Konzilen mit anderen Mitgliedern des deutschen Ordens. Das nächste Konzil wird im Juni in Rotenburg stattfinden. "Dazu werden alle Mitglieder aus Deutschland angereist kommen und es gibt einen großen Gottesdienst“, verrät Kock. Auch Bischof Younan wird zu dem Anlass in die Wümmestadt reisen. Das Bekenntnis zum christlichen Glauben war übrigens ein ausschlaggebender Punkt für Kock, sich dem Orden anzuschließen – schließlich, so sagt er, gebe es mit den Lions und dem Rotary-Club auch andere Organisationen, die gemeinnützige Dinge tun. Ein aktuelles Projekt vor Ort, das von den Rotenburger unterstützt wird, ist das Hospiz Bremervörde. "Die Ordensarbeit lebt vom sozialen Engagement“, so Kock. "Das Geld, das wir im Rahmen verschiedener Veranstaltungen und durch Spenden einnehmen, geht weiter an bedürftige Personen.“ Darüber hinaus engagiert sich die Komturei Rotenburg für die Kirchenstiftung Ahausen, PC-Hilfe für Senioren und die Ghana-Hilfe. Außerdem kooperiert sie mit dem Großpriorat Bulgarien. Weitere Informationen zum OSMTH und den verschiedenen Projekten gibt es im Internet unter www.osmth-deutschland.de sowie unter www.osmth-rotenburg.de.

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