Söhlingen Z5: Anlieger erheben Vorwürfe gegen Exxon Mobil - Von Stephan Voigt

Bewohner im Säure-Nebel?

Denis Schimmeyer präsentiert eines der durchlöcherten Blätter u2013 für ihn ein Hinweis auf den Säure-Nebel Foto: Voigt
 ©Rotenburger Rundschau

Der Vorwurf ist schwerwiegend: Während Exxon Mobil an der Erdgasbohrung Söhlingen Z5 Arbeiten zur Optimierung durchgeführt hat, haben sich einige Anlieger wegen des weithin sichtbaren Fackelscheins dort getroffen und klagen nun über gesundheitliche Beschwerden. Standen sie in einem Säure-Nebel? Das zumindest vermuten Denis Schimmeyer aus Wittorf und Silke Döbel aus Söhlingen.

„Als wir nahe der Bohrstelle standen, haben wir ein Kitzeln im Gesicht gespürt. Am nächsten Tag habe ich aus Hautporen geblutet“, beschreibt Schimmeyer seine Beschwerden. Auch Göbel hatte das Kitzeln gespürt und berichtet: „Mein Mann fuhr etwas später zur Bohrstelle. Ihm kamen dann laut hustend Radfahrer entgegen, die bloß weg von der Fackel wollten.“ Was war in der Nacht des 1. April geschehen? Um diese Frage zu klären, besichtigten Schimmeyer und Döbel zusammen mit Rochus Rieche vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), Gesundheitsamtleiter Dr. Frank Stümpel und Dr. Ellen Scherer vom Amt für Wasserwirtschaft die Bohrstelle. Nachdem er tags darauf geblutet hatte, fragte er einen Toxikologen nach seiner Meinung, so Schimmeyer: „Der hat vermutet, dass wir in einem Salzsäurenebel gestanden haben.“ LBEG-Mitarbeiter Rieche kann zumindest bestätigen, dass bei den Optimierungsarbeiten das Bohrloch mit Salzsäure behandelt wurde. Schimmeyer machte bei dem Ortstermin auf in Mitleidenschaft gezogene Pflanzen aufmerksam, die dort wachsen, wo der mutmaßliche Säurenebel herübergezogen ist. Tatsächlich haben Blätter viele kleine Löcher. „Aber bestimmt wird wieder behauptet, das wäre ein Pilz oder eine Schnecke gewesen“, nimmt Schimmeyer mögliche Ausreden Exxons vorweg und versucht diese gleich zu widerlegen, indem er auf bereits verdorrte Blätter einer Eiche hinweist, die wohl kaum gefräßigem Getier zum Opfer gefallen sein werden. Als Scherer entsprechend durchlöcherte Blätter aber auch auf der anderen Seite der Bohrstelle gefunden hatte, meinte Schimmeyer nur, er könne natürlich nicht sagen, wohin der Nebel bei Windstille und als noch keine Anwohner vor Ort waren gezogen sei. Rieche und Scherer dokumentierten die Situation, machten Fotos und sahen sich in der Umgebung der Bohrstelle genau um. Seitens des LBEG hieß es am Ende, die Vorwürfe sollten nun geprüft werden, vielleicht werde das Amt Proben nehmen. Dass dann noch etwas gefunden werden kann, sieht Schimmeyer kritisch: „Als ich mir die Umgebung der Bohrstelle nach dem Abfackeln bei Tag noch mal angesehen habe, musste ich feststellen, dass über die angrenzende Wiese bereits mit der Schleppe gefahren wurde.“ Von wem dies veranlasst wurde, kann der Wittorfer aber nicht sagen. Gesundheitsamtsleiter Stümpel weist dabei nochmals auf eine Untersuchung hin, die sich mit der Vermutung aus der Bevölkerung befassen soll, dass es in Hemslingen wegen der Gasförderung mehr Krebsfälle gibt: „Wir planen eine Untersuchung mit dem epidemiologischen Krebsregister und dem Landesgesundheitsamt.“ Stümpel musste aber zugeben, dass ein Nachweis einer erhöhten Krebsrate in einem solch kleinen Bereich wie der Gemeinde Hemslingen schwer sei. „Würden wir das in Berlin-Mitte untersuchen, wäre das leichter. Wir arbeiten aber aktuell an einer Methode.“ Und was sagt Exxon Mobil zu den Vorwürfen? Das Unternehmen äußert sich denkbar knapp. Arbeiten zur Optimierung hätten stattgefunden: „Diese Fackelarbeiten sind planmäßig ohne Auffälligkeiten durchgeführt worden. Dabei sind beim gezielten Verbrennen des Gases keine Flüssigkeiten freigesetzt worden.“ Das gelte für die Arbeiten an Söhlingen Z5 und Söhlingen Ost Z1 – auch nach dem dortigen Abfackeln klagten sowohl Schimmeyer als auch seine Frau über Beschwerden wie Übelkeit und Kopfschmerzen sowie einen metallischen Geschmack im Mund.

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