Mögliche Belebung alter Förderstätte alarmiert Naturschützer - Von André Ricci

Erdölbohrung am Moor?

Pflöcke sind schon eingerammt, doch ansonsten deutet auf dem Gelände "Volkensen" bei Sothel noch nichts auf die dort geplanten Ölbohrungen hin Foto: Ricci
 ©Rotenburger Rundschau

Erdöl aus dem Landkreis Rotenburg? Was für jüngere Ohren recht abenteuerlich klingen mag, wird bei manch Älteren Erinnerungen wachrufen. Tatsächlich gibt es eine lange Fördertradition in der Region. Diese könnte schon bald wiederbelebt werden. Doch es regt sich bereits Widerstand.

In Celle begann vor rund 150 Jahren mit der weltweit ersten erfolgreichen Bohrung das Erdölzeitalter. Bis in die 1960er Jahre hinein wurde das Schwarze Gold in der Region im erwähnenswerten Umfang aus der Erde gefördert. Danach sanken die Quoten kontinuierlich, bis die Ölförderung schließlich ganz eingestellt wurde. Versiegt waren nicht etwa die Quellen, sondern das wirtschaftliche Interesse. Denn andere, viel größere Felder ließen sich einfacher und gewinnbringender ausbeuten. Rohöl aus der norddeutschen Tiefebene war nicht mehr konkurrenzfähig. Dies scheint sich jetzt angesichts des Rohstoffhungers der Welt, gestiegener Preise und verbesserter Fördertechnik zu ändern. Für drei stillgelegte Felder in umliegenden Landkreisen (Harburg, Heidekreis, Lüchow-Dannenberg, Lüneburg und Uelzen) hat die zuständige Behörde, das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), bereits Genehmigungen für neue Bohrtätigkeiten erteilt. Gesucht werden darf dort jetzt sowohl nach Erdgas- als auch Erdölvorkommen. Als nächstes könnte ein Feld bei Sothel in der Gemeinde Scheeßel an der Reihe sein. Im Umfeld des dortigen Salzstocks Volkensen wurde erstmals 1959 Erdöl nachgewiesen. Zwischen 1960 und 1993 fanden fünf Bohrungen statt. Seitdem ruht das Feld. Die Firma PRD Energy mit Hauptsitz im kanadischen Calgary, die einen deutschen Ableger in Berlin unterhält, möchte dies nun ändern und hat einen entsprechenden Antrag auf Wiederbelebung der Anlage gestellt. In einem Flyer und während einer öffentlichen Informationsveranstaltung in Sothel hat das 1997 gegründete Unternehmen seine Pläne konkretisiert. Demnach hat die PRD Energy Deutschland 2011 die Aufsuchungsrechte für das Feld Volkensen erworben und möchte dort zunächst eine Wiedererschließungsbohrung und anschließend gegebenenfalls drei weitere Erdölbohrungen durchführen. Der Bohrplatzbau soll nach den Planungen bereits im Oktober beginnen, die Bohrarbeiten selbst könnten dann im November starten. „Sportlich“ nennt Landrat Hermann Luttmann den Zeitplan der Gesellschaft. Die Genehmigungsbehörde habe sich bislang noch gar nicht bei der Kreisverwaltung, die anzuhören ist, gemeldet. Gleiches gilt für die Gemeinde Scheeßel, bestätigt auf Anfrage Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele. Sie mahnt zugleich Transparenz an und erklärt, die Einbindung ihrer Behörde ins Genehmigungsverfahren nicht einfach als Verwaltungssache abarbeiten zu wollen. „Da ist eine breite Beteiligung der Öffentlichkeit notwendig“, findet sie. Die politischen Gremien der Gemeinde werden sich mit dem Antrag des Unternehmens auf alle Fälle zu befassen haben. Immerhin sei wenigstens die Zuwegung zum Feld ein originäres Thema der Kommune. „Es kann ja nicht sein, dass die Allgemeinheit der Firma die Wege baut“, so Dittmer-Scheele. Die Anregung zur Bürgerversammlung sei von Scheeßel an die Firma herangetragen worden, betont die Bürgermeisterin. Dass die Idee aufgegriffen wurde, sei begrüßenswert. Immerhin bestehe keine gesetzliche Pflicht dazu. Ohne die rechtzeitige Einbindung der Bevölkerung sollten umstrittene, potenziell umweltbelastende Projekte aber nicht durchgezogen werden. „Die Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens ist sicherlich noch verbesserungswürdig“, sagt Luttmann. In die gleiche Kerbe schlägt auch der Nabu, der das Bohrprojekt nahe des ökologisch sensiblen Hatzer Moores argwöhnisch beäugt. „So schafft man kein Vertrauen“, schimpft Nabu-Kreisvorsitzender Roland Meyer unter Verweis auf die Info-Veranstaltung. „Eingeladen wurde mit einer kleinen Zeitungsannonce unter der Überschrift ‚Volkensen’, die kaum jemand mit Sothel in Verbindung bringt. Keine Einladung an Redaktionen. Keine Beteiligung der Verbände. Bisher keine Beteiligung des Gemeinderats. Auch nicht des Kreistags. Stattdessen wird ein Zeitplan präsentiert, der nur vom Bergamt im Harz abhängen soll.“ Scheinbar gebe es aus Unternehmenssicht nichts mehr, was noch vor Ort zu entscheiden wäre. „Wer so mit den Menschen umgeht, erweckt den Anschein, dass er etwas zu verbergen hat“, sagt Meyer. Konkret geht es ihm um den Verdacht, dass entgegen den Versicherungen des Unternehmens das höchst umstrittene Fracking-Verfahren in Sothel zur Anwendung kommen könnte. Auch stelle sich angesichts der „unbekannten und nach eigenen Angaben kleinen Firma“ die Frage nach deren Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit. Schließlich sei auch der zu erwartende Tanklastverkehr ein Punkt, über den geredet werden müsse – zumal weder Gemeinde noch Landkreis von dem Geld profitieren würden, das mit der Ölförderung verdient wird. „Dass dem zum Teil gerade renaturierten Hatzter Moor und seinen Kranichen mit Bohrturm und Gasfackel auf die Pelle gerückt werden soll, ist nicht im Sinne des Naturschutzes“, stellt Meyer klar. Ein Genehmigungsverfahren nach dem in seinen Augen dringend reformbedürftigen Bergrecht werde der Lage nicht gerecht. Bezüglich möglicher Schäden durch Beben an Gebäuden müsse es eine Beweislastumkehr sowie Beweissicherungen im Vorfeld geben, fordert der Nabu-Chef. Eher gelassen schaut dagegen Günter Bassen auf die Pläne des Unternehmens. „Wir kennen das ja schon“, sagt Sothels Ortsvorsteher. Er selbst erinnert sich noch gut an die Zeit, als im Außenbereich des Ortes nach Erdöl gebohrt wurde. Größere Beeinträchtigungen der angrenzenden Wohnbevölkerung seien von den Arbeiten damals jedenfalls nicht ausgegangen. Das Unternehmen selbst räumt gegenüber der Rundschau ein, dass sein ambitionierter Zeitplan möglicherweise nicht mehr realisierbar ist. Technisch sei man jedenfalls bereit, zügig loszulegen. Die von den Behörden zur Prüfung der Anträge noch benötigte Zeit könne dagegen nicht bemessen werden. „Wir hoffen jedoch auf eine konstruktive Bearbeitung.“ Die Sorge, dass in Sothel gefrackt werden soll, sei unbegründet, heißt es weiter. Die PRD Energy setze stattdessen auf die Horizontalbohrtechnik. Dieses Verfahren sei in den vergangenen Jahren verfeinert worden. Unter Verweis auf gute Erfahrungen in Kanada erklärt das Unternehmen, technische Fortschritte jetzt auch in Deutschland zur Wiederbelebung kleinerer Erdöllagerstätten ausnutzen zu wollen. Risiken bezüglich mikroseismischer Erdbeben bestreitet das Unternehmen. Diese entstünden hauptsächlich im Zusammenhang mit Injektionsvorgängen, zum Beispiel der Reinjektion von Wasser. Derartiges sei in Sothel nicht geplant. Auch die Gefahr der Verunreinigung von Grundwasser bestehe nicht, teilt die Firma unter Verweis auf rechtliche Vorgaben mit. Die PRD werde die geforderten Sicherheitsbestimmungen strikt befolgen. Bezüglich des zu erwartenden Tanklastverkehrs teilt das Unternehmen mit, dass im Produktionsbetrieb mit sechs bis sieben Transporten täglich zu rechnen sei. ----------------------------------------------------------- Kommentar von André Ricci: Kein guter Start Erdölförderung in der Nähe eines ökologisch wertvollen Moores – die Pläne der Firma PRD Energy rufen reflexhaft Bedenken hervor. Im riesigen, dünn besiedelten Kanada, dem Sitz des Mutterunternehmens, mag so etwas kein großes Ding sein. In Deutschland ist es das schon. Es ist verständlich, dass der Nabu angesichts des forschen Vorgehens der Ölsucher erst einmal versucht, ein Stopp-Schild hochzuhalten. Eine mangelhaft vorbereitete Info-Veranstaltung Ende August und dann Erschließungsbohrungen ab dem Herbst? Ein solches Hau-Ruck-Verfahren provoziert geradezu die Vermutung, dass eine halbwegs fundierte öffentliche Auseinandersetzung mit dem in seinen Einzelheiten komplizierten Vorhaben im Vorfeld eben gerade nicht gewünscht ist. Wer weiß denn schon, was genau sich hinter dem Begriff Horizontalbohrtechnik (statt Fracking) verbirgt, wer kann einschätzen, ob die zur Anwendung kommenden Verfahren nicht beim Übergang von der Aufsuchungs- in die Förderphase wechseln? Das Unternehmen hat einen Info-Flyer herausgegeben mit einer Telefonnummer, bei der niemand abnimmt, und einer E-Mail-Adresse, die wegen falscher Endung (de statt com) nicht funktioniert. Bezeichnend. Da ist gut, dass Scheeßels Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele das Thema nicht als Geschäft der laufenden Verwaltung betrachtet. Es gehört in die politischen Gremien der Gemeinde.

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