Jugendtrendforscher Gast beim Mittelstandsforum

Wie Teenager ticken

Mit einem Quiz führte Trendforscher Peter Martin Thomas seinen Zuhörern vor Augen, wie fremd ihnen viele Themen der Teenagerwelt sind Foto: Ricci
 ©Rotenburger Rundschau

(ari). Früher hatten Jugendliche es noch leicht, sich von ihren Eltern abzugrenzen. Rockmusik hören, Jeans tragen, Haare färben, fertig. Und heute? Peter Martin Thomas machte als Referent des von der örtlichen Sparkasse und dem Autohaus Holst ausgerichteten Scheeßeler Mittelstandsforums deutlich, dass es Teenagern in einer alternden Gesellschaft immer schwerer fällt, so etwas wie ein Generationenbewusstsein zu entwickeln.

Die hippen Väter und Mütter setzen Trends, drehen Joints, hören lieber Madonna als Hansi Hinterseer. Thomas verwies gar auf die Werbung einer großen, bei Jugendlichen angesagten Modekette, die vor einigen Jahren Plakate klebte, auf denen Mütter und Töchter, Väter und Söhne jeweils gemeinsam abgebildet waren. Im gleichen Outfit lächelten die Paare in die Kamera. In den 70-er Jahren wäre so eine Kampagne wohl der Tod jedes sich cool wähnenden Unternehmens gewesen. Trendforscher Thomas präsentierte den geladenen Gästen aus Wirtschaft und Verwaltung ein unbekanntes Wesen: Den noch nicht ganz fertigen Arbeitnehmer, der bereits in den Starlöchern steht, aber noch nicht angekommen ist in den Ausbildungsbetrieben. „Was kommt nach der Generation Y?“, hieß sein Vortrag, in dem es um junge Menschen zwischen 14 und 17 Jahren ging. Also, was kommt da auf die Firmen zu, von denen viele händeringend nach fähigem Nachwuchs suchen? Wer auf eindeutige Antworten des Experten hoffte, wurde enttäuscht. Die großen, allumfassenden Mega-Trends gebe es im Jugendbereich gar nicht mehr, teilte der Referent seinen Zuhörern mit. In einer digitalen Welt, in der die neuesten Modeerscheinungen Tokyos, New Yorks oder Mailands jeweils nur einen Klick weit entfernt sind, herrsche zunächst einmal Unübersichtlichkeit. Anhand einer Sinus-Jugendstudie von 2012 versuchte Thomas gleichwohl, Breschen der Erkenntnis zu schlagen. Dies gelang ihm auf äußerst unterhaltsame und spielerische Art. Mit der Nachstellung des TV-Quizs „Wer wird Millionär“ führte Thomas zunächst jedoch vor, wie wenig der durchschnittliche Erwachsene von dem speziellen Wissensschatz, den Jugendliche miteinander teilen, tatsächlich mitbekommt. Spätestens bei der Frage nach dem Tatoo, das Justin Bieber am Bein trägt, half nur noch Raten. Und wer meint, so ein Thema sei abwegig, der sollte einmal danach googeln. Im Internet werden Kontroversen um die Waden des Popstars ausgetragen, als seien sie ein Politikum. Nach dem Quiz erschienen die Jugendlichen noch seltsamer als vorher. Doch Thomas nutzte die Ergebnisse der genannten Studie, an deren Erstellung er selbst beteiligt war, um das Rätsel dann doch noch aufzulösen. Anhand eines Modells mit sieben verschiedenen Typen, vom prekären Bildungsfeind über den konsumfreudigen Hedonisten, dem aufstiegswilligen Anpasser und dem ehrgeizlos-bodenständigen Konservativen bis zum nonkonformen Mainstream-Verweigerer spannte er einen weiten Bogen, der alle Facetten der fragmentierten Jugendkultur zu erfassen schien. Die befragten Mädchen und Jungen ließen ihre Jugendzimmer fotografieren und verrieten auch, welche Musik sie hörten. Mit Bildern und Song-Collagen konnte somit sinnlich erfahrbar gemacht werden, in welchen Welten bestimmte Gruppen von Teenagern heute leben. Dabei wurde vor allem deutlich, wie wenig gängige Klischees noch zutreffen. Bei Jugendlichen existiert kaum noch ein Trend ohne Gegenbewegung. Für die einen ist der Markenturnschuh ein Muss, für den anderen ein No-go. Identitätsstiftend wirkt er freilich in beiden Fällen.

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