Hörfunkmoderator zu Gast beim Mittelstandsforum

Stimme macht Stimmung

Auf Tuchfühlung mit dem Publikum: Paul Johannes Baumgartner sprach in Scheeßel über die Kunst, Menschen zu begeistern Foto: Ricci
 ©Rotenburger Rundschau

(ari). Der Ton macht die Musik, weiß der Volksmund und hat wohl recht damit. Albert Mehrabian jedenfalls, amerikanischer Buchautor und Professor der Psychologie, kam in seinen Forschungen bereits 1971 zum Ergebnis, dass direkte Kommunikation zwischen Menschen weitaus stärker von Körpersprache (55 Prozent) und Stimme (38 Prozent) als vom Inhalt (sieben Prozent) beeinflusst wird. Referent Paul Johannes Baumgartner präsentierte die berühmte 55-38-7-Regel des Gelehrten während des Scheeßeler Mittelstandsforums, zu dem die Sparkasse und das Autohaus Holst geladen hatten.

Die Veranstaltung fand bereits zum siebten Mal im Beeke-Ort statt und stand in diesem Jahr unter dem Motto "Menschen begeistern!“ Mit Baumgartner hatten die Initiatoren einen Fachmann ins Bankhaus geholt, der einen ganz praktischen Zugang zum Thema gute Stimmung hat: Als langjähriger Primetime-Moderator beim privaten Radiosender Antenne Bayern hält der 40-Jährige mit Musik und Wortbeiträgen seine Hörerschaft bei Laune. Daneben hat sich der eloquente Niederbayer einen Namen als Kommunikationstrainer und Buchautor ("Begeistere und gewinne!“) gemacht. Gemeinhin werden Menschen wie Baumgartner auch gerne Motivationstrainer genannt, doch der Gast aus dem Süden der Republik machte in Scheeßel gleich zu Beginn seiner Ausführungen deutlich, dass er den Begriff Motivation weitestgehend meidet. Ihm gehe es um Begeisterung, das sei etwas Anderes, Grundsätzlicheres – sozusagen der Urstoff, von dem sich alles weitere, auch die Motivation zur Leistung, erst ableite. Die Frage, was genau Begeisterung ausmacht, beantwortete Baumgartner mit einer Formel wie aus dem Physikunterricht: Erwartungshaltung + X = Begeisterung. Es geht mithin ums Sahnehäubchen, ums Extra, das einen Kunden positiv überrascht. Der Referent zählte eine Reihe lapidarer Beispiele auf, es ging um aufmerksames Hotelpersonal und wertvolle Tipps auf Autobahnraststätten. Meist seien es die kleinen, alltäglichen Dinge des Lebens, die Begeisterung auslösten. Und besonders wichtig ist dabei natürlich die Verpackung des Ganzen. Hier kam Professor Mehrabian ins Spiel und hier blühte der Referent auf, der als Hörfunkmoderator schließlich darin geschult ist, Inhalte, über die alle anderen Radiostationen in der Regel auch verfügen, allein durch seine Stimme zu individualisieren. Der Ton der Stimme müsse zur Situation und zum Menschen passen, weshalb Fußballstar und Frauenschwarm David Beckham beim Sex lieber die Klappe halten sollte, empfahl Baumgartner. Indes sei Stimmklang kein Schicksal. Nicht nur Moderatoren und Politiker, sondern auch Geschäftsleute, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen überzeugen wollen, täten daher gut daran, ihre Stimmen zu schulen. Denn das Ohr kauft mit. Große Firmen geben nicht ohne Grund Millionen fürs richtige Sounddesign ihrer Produkte aus. Den geladenen Gästen im Foyer der Sparkasse wurde probeweise schon einmal eine erste Lektion verpasst: Aufstehen, tief in den Unterbauch atmen und dann einfach mal dem Nachbarn ein festes "Ich liebe dich!“ ins Gesicht sagen. Wie sehr der richtige Tonfall imponieren kann, demonstrierte Baumgartner während des stärksten Teils seiner ansonsten eher blassen Präsentation, indem er den Mitschnitt des Funkkontakts zwischen dem amerikanischen Piloten Chesley Sullenberger und dem Tower des New Yorker Flughafens abspielte. Es waren dramatische Sekunden: Nach einem Vogelschlag drohte dem Airbus A-320 der Absturz über der US-Metropole und als einziger Ausweg blieb die Notlandung auf dem Hudson River. Der später als Held gefeierte erfahrene Flugkapitän vollbrachte das Kunststück und verhinderte dadurch eine Katastrophe. Ganz nebenbei legte er dabei auch eine stimmliche Meisterleistung hin: Sein tiefer, bestimmter Tonfall strahlt ungeachtet der bedrohlichen Situation eine selbstsichere Souveränität aus, die an Hollywoodfilme erinnert. "Das ist kein Zufall“, erklärte Stimmexperte Baumgartner seinen imponierten Zuhörern. Offensichtlich sei der Pilot nicht nur in Flug-, sondern auch in Atemtechnik gut geschult. Und wer selbst während der Notlandung eines voll besetzten Passagierflugzeugs mitten in New York nicht die Kontrolle über seine Stimme verliert, kann sich wohl wirklich sicher sein, sie in allen Situationen, die das Leben zu bieten hat, im Griff zu haben.

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