Wanderwege unter der Beeke-Brücke und dem Oste-Schwinge-Kanal

Hölzerne Laufstege für Fischotter

06.01.2015
Mit neu erbauten Laufwegen, wie diesem unter der Beeke-Brücke, soll Fischottern Schutz vor dem Straßenverkehr geboten werden
Mit neu erbauten Laufwegen, wie diesem unter der Beeke-Brücke, soll Fischottern Schutz vor dem Straßenverkehr geboten werden
 ©Rotenburger Rundschau

(r/cd). „Für den Fischotter ist die Querung des Landkreises im Dezember wieder ein klein wenig sicherer geworden“, weiß Kuno Kumpins von der Jägerschaft Rotenburg zu berichten und meint damit neu gebaute Wander-Brücken für die possierlichen Tiere.

Die seit einigen Jahren anhaltende Ausbreitungstendenz des Fischotters, ausgehend von Osteuropa nach Westen, führe ihn in den Rotenburger Landkreis. Die großen Aktionsräume des Fischotters lassen ihn häufig Straßen queren. Dies geschieht umso häufiger, je verbauter die Wasserdurchgänge unter den Straßen sind. All das werde den Tieren häufig zum Verhängnis, so Kumpins. Auf seiner Wanderung stellen Wehre, eingeengte Wasserführungen oder fehlende Uferstreifen Hindernisse dar. Der Otter werde gezwungen, dort das Gewässer zu verlassen und gerät so auf die Straße. „Die Kollision mit einem Kraftfahrzeug ist derzeit leider die häufigste nicht-natürliche Todesursache des Fischotters“, erklärt Kumpins bedauernd. In den vergangenen Jahren wurden im Landkreis Rotenburg 14 Fischotter bei ihren nächtlichen Wanderungen Opfer des Straßenverkehrs. Dies veranlasste die drei Jägerschaften Bremervörde, Rotenburg und Zeven, sich aktiv dem Fischotterschutz zu widmen. So wurden bereits im Jahre 2012 erste drei Brücken im Kreis durch Erstellung künstlicher Bermen ottersicher gestaltet. Im vergangenen Dezember wurden zwei weitere Brücken mit Hilfe von Laufbrettern für den Otter passierbar gemacht. Beide Projekte förderte das Land Niedersachsen zu 90 Prozent aus Mitteln der Jagdabgabe. Die restlichen Kosten wurden von der Sparkassenstiftung Scheeßel, der Jägerschaft selbst sowie privaten Spendern getragen. Die Wiederausbreitung des Fischotters im Landkreis spreche für die in den vergangenen Jahren stetig verbesserte Wasser- und Lebensraumqualität in und an den Fließgewässern im Einzugsgebiet der Wümme, so Kumpins. „Der Otter stellt sehr hohe Ansprüche an die Gewässerreinheit und gilt daher als Repräsentant für ökologisch intakte Gewässersysteme. Er stellt eine sogenannte Leitart dar und ist damit zu einem Symbol für den Arten- und Naturschutz geworden.“ Bei den Leitarten handele es sich um gefährdete Arten, die charakteristisch sind für einen bestimmten Lebensraumtypus und erhalten werden sollen. Von den Maßnahmen zur Förderung und Erhaltung dieser Arten und der Verbesserung ihres Lebensraumes, profitieren auch alle anderen in diesem Lebensraumtypus vorkommenden Arten, weiß das Mitglied der Rotenburger Jägerschaft. Kumpins: „Anfang Dezember konnte nun das erste Laufbrett unter der Beeke-Brücke an der L131 angebracht werden. Es beseitigt einen potenzialen Gefahrenpunkt. Die Beeke-Brücke stellt sich als kastenförmiger Brückenkörper dar. Sie wurde im Jahre 1980 aus Beton gegossen und verfügt über keinerlei Uferstreifen. Mit einer Länge von 40 Metern und einer sehr geringen Deckenhöhe von etwa 1,50 Metern, stellt sie für die Tierwelt eine unüberwindbare ökologische Barriere dar.“ Unter schwierigen Arbeitsbedingungen – alle Arbeiten mussten kniend im Wasser ausgeführt werden – brachten die Freiwilligen in Fließrichtung rechts, ein Laufbrett mit einer Breite von 40 Zentimetern in einer Höhe an, die einem Otter auch noch bei einem mittlerem Hochwasser die Unterquerung der Brücke trockenen Fußes ermöglichen soll. Das Laufbrett wurde vor dem Brückenkörper an beiden Enden so an die Uferböschung angepasst, dass es dem Otter ein leichtes Betreten ermöglicht, erklärt Kumpins weiter. Auch das Laufbrett über den Oste-Schwinge-Kanal (an der B74 nahe Bremervörde) steht dem Otter nun seit Kurzem zur Verfügung. „Dieses Brückenbauwerk unterscheidet sich jedoch deutlich von der Beeke-Brücke durch eine größere Bauhöhe und geringere Länge. Die Arbeiten konnten dort stehend ausgeführt werden, sodass der Arbeitsaufwand deutlich geringer war. Auch dieses Laufbrett wird dem Otter zukünftig die Unterquerung der B74 ermöglichen, ohne dass er sich den Gefahren des Straßenverkehrs aussetzen muss“, erklärt Kumpins erfreut über den Fortschritt in Sachen Otterschutz. Das nun folgende Monitoring werde zeigen, welche heimischen Tierarten die Laufbretter nutzen und so erstmalig die bisher vorhandenen ökologischen Barrieren überwinden können. Ein drittes Projekt soll noch folgen, welches vom Umfang und Aufwand her einmalig im Landkreis sei. Kumpins führt aus: „Im Bereich Weertzen/Hanrade wird eine sogenannte Trockenröhre in einem Bohr-Pressverfahren unter der L142 hindurchgeführt werden, um dem Fischotter so eine sichere Unterquerung der Straße zu ermöglichen. So kann er zu den jenseits gelegenen Fischteichen gelangen.“ Die Fertigstellung dieses Unterfangens zum Zwecke des Otterschutzes sei noch im ersten Halbjahr diesen Jahres geplant.

-0.704711914062 sec