Vor 30 Jahren: Mega-Orkan verwüstet Forsten - Seitdem naturnäherer Waldbau

Windstärke 16 erzwingt Umdenken

(rm). Feuerwehr und Militär machten die Wege frei. "Doch als wir in unsere Wälder kamen, wollten wir gleich wieder weg", erinnert sich Adolf Jürgens, Vorsitzender der Kreis-Waldmärkerschaft Rotenburg. Am 13. November 1972 nämlich war ein Sturm über Norddeutschland gefegt. Spitzengeschwindigkeit: mehr als 170 Stundenkilometer. Windstärke 16. Dem hielten die Kiefernforsten der Region nicht stand.

In den Morgenstunden dieses Montags schwenkte ein Tief von der Nordsee unerwartet auf die deutsche Küste zu. Gegen 9 Uhr passierte sein Zentrum Brunsbüttel. Luftdruck: 955,5 Millibar. Ein Minimum, das seit 1821 nicht mehr erreicht worden war. In nur sechs Stunden zerstörte der Sturm zehn Prozent des niedersächsischen Waldes. Vier Fünftel des Gesamtschadens fielen im Flachland an. Am stärksten betroffen: die Kiefer. Jürgens deckte an jenem Morgen eine Kartoffelmiete für seinem Hof in Waffensen ab. Kaum möglich - "die Strohballen flogen weg". Und der Wind nahm ständig zu. Nachmittags flaute es etwas ab. Abgedeckte Häuser und verwüstete Wälder blieben zurück. Allein im Gebiet der Kreis-Waldmärkerschaft fielen 266.000 Festmeter Schadholz an. Das ist mehr als das Zehnfache des durchschnittlichen Holzaufkommens pro Jahr. Und für Forsten gibt es keine Versicherungen gegen Sturmschäden. Auf einer Mitgliederversammlung in Worth wurde den Landwirten eröffnet: Nur Hölzer mit einem Durchmesser von 20 Zentimetern könnten überhaupt verwertet werden. Mutlosigkeit. Wer wollte da Arbeitskraft und Geld in Aufräumarbeiten investieren? Und selbst wenn mehr Holz zu verkaufen wäre - wie teuer? "Klar, dass die Preise unter dem Überangebot zusammenbrachen", sagt Jürgens. Die Bundesregierung griff ein. Sie ordnete an, den normalen Kieferneinschlag bundesweit um 70 Prozent zu reduzieren. Und der Landkreis gewährte Zuschüsse für Kredite. Schließlich kam Bewegung in die Situation. Viel Stammholz konnte exportiert werden - nach Schweden, Italien, sogar bis in die Türkei. Einiges wurde auch durch Beregnung so lange konserviert, bis sich der Markt erholt hatte. Letztlich konnten 90 Prozent des Holzes an den Mann gebracht werden. Und die Wälder? Da ging es ans Aufforsten. "Denk an deine Kinder", beschreibt Jürgens seine Motivation. Traditionell stellten Forsten für viele Höfe so etwas wie ein Sparschwein, einen Notgroschen dar. Radlader schoben ganze Abteilungen frei, häuften Wälle aus Ästen auf. Gepflanzt wurde meist wieder die Pionierbaumart Kiefer - mehr trauten die Landwirte ihren armen Böden nicht zu. Jürgens: "Immerhin wuchs auf vielen dieser Flächen noch um 1900 lediglich Heide." Bis heute sind die Spuren des Mega-Sturms zu erkennen: Viele der Kiefernforsten längs der Wümme sind erst 30 Jahre alt. Gegliedert wird solcher Wald durch Wälle, deren Untergrund Astwerk bildet. Einst werden sie in sich zusammenbrechen und als Rückegassen dienen. Auf einigen haben sich Birken angesät. Schlimme Stürme gab es auch 1976 und 1990. Zusammen richten sie jedoch nicht einmal zwölf Prozent des Schadens an, den der 72er-Orkan verursachte. Hat die Forstwirtschaft Konsequenzen gezogen? "Nach und nach", sagt Jürgens. Inzwischen würden Monokulturen unterpflanzt. "Das ist ökologisch sinnvoll und geht inzwischen auch auf unseren Kiefernböden." Ein Vorteil: "Laub bremst den Wind." Und anders als früher sei Wildwuchs von Sträuchern, Büschen und Bäumen an Waldrändern inzwischen erwünscht. Die Landesregierung ging noch einen Schritt weiter: 1991 machte sie für ihre Flächen den naturnäheren Waldbau sogar zur Vorschrift.

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