Superintendent Hans-Peter Daub wird Samstag verabschiedet - Von Stephan Voigt

Elf erfüllte Jahre enden

23.09.2014
Hans-Peter Daub verabschiedet sich aus Rotenburg. Ein entsprechender Gottesdienst findet am Samstag statt          Foto: Voigt
Hans-Peter Daub verabschiedet sich aus Rotenburg. Ein entsprechender Gottesdienst findet am Samstag statt Foto: Voigt
 ©Rotenburger Rundschau

„Das waren elf ganz erfüllte, lebendige, dynamische Jahre“, sagt Hans-Peter Daub rückblickend zu seiner Zeit als Rotenburger Superintendent. In wenigen Tagen wird er nach Hannover ziehen. Zuvor, am Samstag, 27. September, findet sein Abschiedsgottesdienst in der Stadtkirche statt.

„Wir haben zusammen viel erreicht und viel angestoßen. Ich hatte viele tolle Begegnungen“, sagt Daub zu seiner Amtszeit und geht dann, gefragt nach konkreten Beispielen, vor allem auf einen innerkirchlichen Umbauprozess ein. „Es heißt, dass wir binnen einer Generation ein Drittel unserer Mitglieder und die Hälfte unserer Finanzmittel verlieren werden“, nennt Daub dramatische Zahlen und fügt hinzu: „Das Gefühl von vielen Kirchenleuten ist, dass das etwas ganz Schweres ist. Ich denke, dass Gott nicht mit uns spielt und uns nicht vor unlösbare Aufgaben stellt. Wir müssen das als Chance sehen. Kleiner zu werden heißt ja nicht, weniger wirksam zu sein.“ In den elf Jahren seiner Amtszeit, sagt Daub, habe der Kirchenkreis einen Budgetrückgang von 17 Prozent zu verdauen gehabt. Das habe auch zur Streichung von Pfarrstellen geführt. So wurde bereits im zweiten Jahr seiner Amtszeit ein Leitbildprozess ins Leben gerufen. An dem Prozess, der sich auch damit befassen sollte, wie konkret mit nötigen Kürzungen umzugehen sei, hätten etwa 500 Menschen mitgewirkt, so Daub. „Wir haben für alle einsichtige Kriterien erarbeitet, wie der Stellenzuschnitt funktionieren soll und die Zusammenarbeit gestärkt.“ Dies sei ein Kulturwechsel für die Kirche, sagt Daub. Unter seiner Ägide sei die Kirche auch auf andere Religionen, besonders auf die Moscheegemeinde, zugegangen. „Das war durchaus umstritten“, erinnert sich Daub. „Da gab es einen Fundamentalismusverdacht, ich habe die aber in Schutz genommen und wir haben gemeinsame Jugendprojekte veranstaltet.“ Außerdem sei die Diakonie immer ein Thema gewesen. So ist in den vergangenen Jahren das Forum Diakonie entstanden, dass die Zusammenarbeit der Diakonie mit der Kirche stärken soll, ebenso wurde ein Hospizverein aus der Taufe gehoben. „Mir ist wichtig, dass die Kirche zeigt, dass das ihre Diakonie ist“, so Daub. An diesem Ziel kann er auch künftig weiterarbeiten. Er wird nämlich nach seinem Abschied von Rotenburg theologischer Vorstand der Dachstiftung Diakonie. Diese Organisation wurde gegründet, um Synergien zu nutzen, damit sich auch kleinere Einrichtungen am Markt behaupten können. Daub wird dort zusammen mit einem wirtschaftlichen Vorstand die operative Mitverantwortung übernehmen. „Mein besonderes Augenmerk wird dabei auf der diakonischen Prägung liegen und auf der Frage, wie dort ein Stück Kirche erkennbar wird“, sagt Daub. Seinen Abschied aus Rotenburg empfindet er nicht als Niederlage, obwohl er sich auch vorstellen konnte, an der Wümme zu bleiben. Sonst hätte er schließlich nicht für das Amt des Landrates kandidiert. „Mir war immer klar, dass ich für etwa zehn Jahre Superintendent sein möchte und dass ich dann wieder wegziehen werde. In die Phase des Überlegens, was ich im Anschluss machen möchte, kam das Angebot der Mehrheitsgruppe im Kreistag, für das Landratsamt zu kandidieren. Darin, dass ich das angenommen habe, drückt sich aus, wie tief ich mich mit der Region verbunden fühle.“ Er sei aber kein Phantast und so war ihm klar, dass es eine Sensation gewesen wäre, wenn er als politischer Newcomer nach 60 Jahren CDU-Herrschaft die Wahl gewonnen hätte. Dennoch: „Es gab zwei Überraschungen: Zum einen die, dass wir den Wahlsieg für möglich gehalten haben, dass ihn immer mehr für möglich gehalten haben und dass auch der Mitbewerber ihn für eine Weile für möglich gehalten hat“, sagt Daub, ohne Hermann Luttmann beim Namen zu nennen. Die zweite Überraschung sei die Deutlichkeit seiner Niederlage gewesen. Nur knapp 38 Prozent der Wähler gaben ihm die Stimme. In Rotenburg wird er viele Menschen vermissen, auch das Kleinstädtische, das er durchaus als positiv wahrgenommen habe, obwohl es zwei Seiten hat. „Kleine Städte bedeuten kurze Wege und eine besondere Art Lebensqualität, auf der anderen Seite ist das an einigen Stellen auch Filz.“ Nun heißt es bald Kofferpacken für Daub und seine Familie. Der Umzug nach Hannover steht bevor. Was aber kann er seinem Nachfolger als Tipps mit auf den Weg geben? Daub überlegt lange, bevor er antwortet: „Der größte Fehler wäre, über das hinwegzugehen, was andere Menschen sich im Leben vorstellen. Außerdem sollte niemand glauben, alles allein machen zu müssen. Wir haben hier einen fantastischen Kirchenkreis-Vorstand – quasi die Regierung. Mit denen zusammenzuarbeiten, macht Spaß.“ Der Abschiedsgottesdienst für Daub findet am Samstag, 27. September, ab 14 Uhr in der Rotenburger Stadtkirche statt. Anschließend ist ein Empfang im Gemeindehaus geplant. Während des Gottesdienstes wird Daub ein letztes Mal in Rotenburg predigen und dann vom Landessuperintendenten verabschiedet.

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