Radtke äußert sich zu Eimers Verunglimpfungsvorwurf

Kritik an der Kritik

Rotenburger Kreishaus Foto: Archiv
 ©Rotenburger Rundschau

(r/sv). Die Äußerungen des Landvolk-Vorsitzenden Gerhard Eimer in Bezug auf Landwirtschaft und Ernährung rufen nun Manfred Radtke, Vorsitzender des Bündnisses für artgerechte Tierhaltung, auf den Plan.

Eimer hatte in der Rundschau zwar begrüßt, dass Landwirtschaft und Ernährung ein breites gesellschaftliches Thema geworden seien, gleichzeitig aber Verunglimpfungen von Bauern verurteilt („Landvolk wirbt für einen fairen Umgang“, www.rotenburger-rundschau.de). „Die angebliche Verunglimpfung der Bauern, die Herr Eimer beklagt, gibt es überhaupt nicht. Wenn heute von immer mehr Menschen und gesellschaftlichen Gruppen bestimmte Entwicklungen in der Landwirtschaft beklagt werden, richtet sich das nicht gegen die Bauern im Allgemeinen. Kritisiert wird, dass immer mehr diejenige profitieren, die an der Landwirtschaft verdienen statt diejenige, die von der Landwirtschaft leben“, so Radtke. Deutlich sei das nicht zuletzt durch die Demonstration von mehr als 7.000 Menschen gegen den Riesenschlachthof in Wietze geworden. „Dort macht ein Konzern Milliardenumsatz auf Kosten von Landwirten. Sie sind im Geflügelbereich nur noch abhängige Vertragsmäster, die sich vollständig einem Konzern unterwerfen müssen: Tiere und Futter werden ihnen geliefert, eigenständige betriebliche Entscheidungen gibt es nicht mehr“, empört sich Radtke. Der Schlachthof in Wietze gleiche einem Hochsicherheitstrakt. Gesichert durch Stacheldraht, überwacht mit Kameras, kontrolliert durch Wachmannschaften – Vergleichbares finde man nur bei Atomkraftwerken. „So sieht das Ende einer bäuerlichen Wertschöpfungskette in der Landwirtschaft aus. Was stört Herrn Eimer eigentlich an der Kritik an diesen Zuständen?“, fragt der Umwelt- und Tierschützer. Er berichtet: „Vor wenigen Tagen hat der Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft die Überproduktion im Geflügelbereich kritisiert. Bei Masthühnern und Mastputen gibt es praktisch keine Rentabilität mehr. Die ruinösen Überschüsse sind Ausdruck einer unsinnigen agrarindustriellen Expansion. Es findet ein Verdrängungskampf der großen Futtermittel- und Schlachtkonzerne statt, die ausschließlich zu Lasten der abhängigen Vertragsmäster, also der Bauern, geht. Fachleute und Umweltverbände warnen seit Jahren vor dieser Entwicklung, während der Bauernverband immer noch Landwirte ermuntert, in diese Form der modernen Landwirtschaft einzusteigen.“ Radtke abschließend: „Es ist bedauerlich, dass Herr Eimer und der Bauernverband immer noch versuchen, Kritik an diesen Zuständen als Kritik an der bäuerlichen Landwirtschaft umzudeuten. Wenn die Interessenvertretung der Landwirte endlich in der Lage wäre, zu verstehen, dass sich die Kritik gegen ein bestimmtes System richtet und nicht gegen bäuerliche Betriebe, wären wir in der gesellschaftlichen Diskussion schon viel weiter. Dass Verbraucher, Umweltschützer und bäuerliche Betriebe eigentlich im gleichen Boot sitzen sollten, ist bei manchen leider noch nicht angekommen.“

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