Probanden der Reha-Klinik für Suchtkranke spielten Theater

"So viel Mut für Euer Leben"

(hf). "Das Theaterstück hat uns bewegt, Fragen aufgeworfen, zu Irritationen und Vermutungen geführt. Kurzum: Die Aufführung hat Spuren hinterlassen." Dieses Dankeschön von Schülern der Theodor-Heuss-Schule an die sieben Akteure, die das Stück "Babickas Erbe" kreierten und auch spielten, spiegelt den Eindruck wider, der bei der Aufführung im Kantor-Helm-ke-Haus zu gewinnen war. Die rund 50 Zuschauer belohnten die Laienschauspieler mit lang anhaltem Applaus.

Karin Tischer und Sascha Heuer, die vier Jahre Schauspiel an der Fachhochschule für Kunst in Ottersberg studiert haben, übten mit fünf Probanden der Drogenentwöhnungseinrichtung Pyramide das Stück ein, das sich mit dem Thema Sucht auseinandersetzt. Herbert Neumann vom Kirchenkreis Rotenburg hatte sich mit der Bitte an die Einrichtung gewandt, einen Beitrag zur Ausstellung "Erleben ohne Drogen" zu leisten. "Babickas Erbe" beginnt mit rhythmischem Klatschen aller Akteure und endet sehr leise. Eine Erbengemeinschaft erfährt, dass Miterbe Franz spielsüchtig ist und nicht nur den Gegenwert der Hinterlassenschaft im Casino verlor, sondern auch 1,5 Millionen Mark Schulden gemacht hat. Das von der verstorbenen Renate vererbte Hotel ist entsprechend belastet. Die Angestellten haben seit zwei Monaten keinen Lohn mehr erhalten. Franz hat seine Spielsucht lange geleugnet, indem er vorgab, das Geld investiert zu haben. Mit seiner Offenbarung bricht für die Miterben eine Traumwelt zusammen. Wer ein Stück erwartet hatte, dass Probleme der Sucht per Fingerzeig abhandelt, wurde enttäuscht. Eine gehörige Portion Aufmerksamkeit und Einfühlungsvermögen war erforderlich, um der Geschichte spezifische Erkenntnisse abzuringen. Zum Beispiel bei der Unterhaltung von Marion und Nachclubbesitzer Carlo über Stofftiere, die sie als Kinder besaßen: "Ich hatte einen Bären, den ich überall mit hinnahm. Wenn ich Angst hatte, hat er mich beschützt. Als er in den Fluss gefallen war, wollte ich keinen neuen", erzählt Carlo. Symbolisch geht es beim Baum zu, der gepflanzt, gesucht und nicht gefunden wurde. "War es nicht der Baum, vor dem wir die ganze Zeit gestanden haben?", wird gefragt. Was aus Franz wird ("eigentlich kann alles nur besser werden"), bleibt offen. Trotz der kurzen Vorbereitungszeit von nur vier Wochen haben die Darsteller beachtliche schauspielerische Leistungen erbracht. Die Figuren waren ihnen abzunehmen. Neumann dankte den Akteuren aus der Reha-Klinik für die Courage, sich als Laien dem Publikum zu präsentieren. "Weiter so viel Mut für Euer Leben", wünschte er. In der anschließenden Diskussion gab die Leiterin der Pyramide Auskünfte über die Einrichtung, in der jeder eine Kurz- oder Langzeittherapie machen kann. "Sucht ist ein missglückter Selbstheilungsversuch", sagte sie. Erleben ohne Drogen Ausstellung Rathaus Rotenburg bis 22. September

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