PRD-Energy legt Pläne für Seismik vor - Von Stephan Voigt

Nur 50 Sprengungen

Wigbert Freund (rechts) und Christoph Kramer informieren in der Rundschau-Redaktion über die PRD-Energy-Pläne Foto: Voigt
 ©Rotenburger Rundschau

Im Bereich zwischen Zeven, Sittensen, Fintel und Scheeßel will das Unternehmen PRD Energy nach Erdöl suchen. Dabei möchte die Firma maximale Transparenz gewährleisten. Selbst Schulklassen können sich die seismischen Untersuchungen des Erdbodens ansehen, zu denen auch beeindruckendes Gerät durch den Landkreis fahren wird.

Wigbert Freund, Geophysiker und Projektleiter, sowie Christoph Krämer, Geologe, haben in den vergangenen Wochen ihre Pläne den betroffenen Bürgermeistern vorgestellt. Das Erlaubnisfeld Sittensen, in dem der Erdboden untersucht wird, ist rund 90 Quadratkilometer groß. Viel für die Region, wenig, wenn ganz Niedersachsen ins Blickfeld rückt. Dort wurden bislang nämlich etwa 13.000 Quadratkilometer mit derartigen 3D-Seismiken vermessen, das entspricht etwa 25 Prozent der Landesfläche. Gemessen werde, so Freund, meist auf landwirtschaftlichen Flächen und außerhalb von Ortschaften. Sollte der Erdboden laut Seismik Potenzial bieten für Ölvorkommen, müsste dies durch Bohrungen bestätigt werden, so Freund. Vermutet werde der Energieträger in etwa 2.500 Metern Tiefe. Zunächst gehe es aber um die Seismik. Dafür werden in der Regel 20 bis 30 Tonnen schwere Vibrationstrucks durch das betreffende Gebiet fahren und alle 50 Meter stoppen. An den Messpunkten werden die Kolosse den Boden zum Vibrieren bringen. Diese Schwingungen werden von Geophonen aufgefangen, sodass die Fachleute die gewünschten Daten bekommen. „Wenn man neben den Vibrationstrucks steht, fühlt es sich an, als ob die Füße etwas kitzeln oder als ob man an der Straße steht und ein schwerer Lkw vorbeifährt“, sagt Freund und fügt hinzu, dass derlei Arbeiten auch in Ortschaften „supergut“ funktionieren würden: „Das gibt keine Schäden an Häusern. Schwingungen nahe Bebauung werden aber dokumentiert.“ Wo die schweren Trucks nicht fahren können, werde die Seismik mit Sprengungen durchgeführt, erklärt die Projektleiter weiter: „Deren Zahl wollen wir aber so gering wie möglich halten. In diesem Zusammengang sind wir in engem Dialog mit der Unteren Wasserbehörde und der Umweltbehörde des Landkreises. Von denen haben wir schon gutes Feedback bekommen.“ So seien Sprengungen beispielsweise im Wasserschutzgebiet Groß Meckelsen tabu, sodass dort die Vibrationstrucks zum Einsatz kommen müssen. Vor einigen Wochen hatte es von Seiten der Kreisverwaltung gegenüber der Rundschau noch geheißen, dass etwa 1.000 Sprengungen nötig werden. „Die Zahl konnten wir drastisch reduzieren und bekommen dennoch ein gutes Messergebnis. Darauf sind wir stolz“, sagt Freund und erklärt, gesprengt werde wohl lediglich 50 Mal. Diese kleinen Eruptionen werden in zwölf Metern Tiefe ausgelöst und sich oberirdisch wie ein Gewehrschuss anhören. Und wie sieht der Zeitplan von PRD aus? Die betroffenen Bürgermeister wurden mittlerweile informiert, gleichzeitig sollte der Betriebsplan für die Seismik fertiggestellt werden. Der wird zunächst ans Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) geschickt, danach kann der Landkreis seine Stellungnahme abgeben. Laut Freund seien für August und September Informationsveranstaltungen geplant. Wie diese gestaltet werden, wolle das Unternehmen laut Freund vom Feedback der Bürgermeister abhängig machen. Im Herbst werden PRD-Mitarbeiter von Tür zu Tür gehen und bei den Flächeneigentümern, auf deren Grund sie die seismische Untersuchung durchführen wollen, um Erlaubnis bitten. Im frühen Winter sollen dann die Messpunkte endgültig festgelegt werden und im Januar beziehungsweise Februar kommenden Jahres werde die seismische Untersuchung durchgeführt. „Dabei wird es zu Verkehrsbehinderungen kommen. Die Trucks halten alle 50 Meter und brauchen pro Messung zwei bis drei Minuten. Wir schaffen also etwa 200 Punkte am Tag. Wir werden aber keine Messungen in der Nacht durchführen und maximal von 6 bis 22 Uhr arbeiten – bevorzugt bei Tageslicht“, sagt Freund und fügt hinzu, die Messungen sollen „zum Anfassen“ sein. Heißt: Interessierte Bürger können den Arbeitern über die Schulter schauen, auch Schulklassen können sich die Aktion ansehen.

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