Landkreis: Umweltausschuss diskutierte über Glindbusch - Von Stephan Voigt

Mulmshorn unter Naturschutz

Das FFH-Gebiet Glindbusch soll jetzt, wie auf der Karte zu sehen, als Landschaftsschutz- (schraffierte Fläche) und Naturschutzgebiet ausgewiesen werden
 ©Rotenburger Rundschau

Der Glindbusch in Mulmshorn sollte ein Naturschutzgebiet werden. Örtliche Landwirte wehrten sich aus Angst vor zu großen Einschränkungen für ihre Arbeit, woraufhin die Politiker des Landkreises nachverhandelten. Jetzt gab der Umweltausschuss eine finale Empfehlung an den Kreistag ab: der neue Verwaltungsvorschlag soll nicht mehr verändert werden.

Die Landwirte wollten erreichen, den Glindbusch – oder Teile davon – als mit weniger Restriktionen verbundenes Landschaftsschutzgebiet auszuweisen. Fraglich waren nun zwei Dinge: Ist das überhaupt von Vorteil? Und ist es praktisch umsetzbar? Grünen-Politiker Thomas Lauber wies darauf hin, dass Landwirte, deren Flächen zu einem Naturschutzgebiet gemacht werden, einen Erschwernisausgleich – also Geld – erhalten. Das bekämen sie bei einem Landschaftsschutzgebiet nicht. Und Naturschutzamtsleiter Jürgen Cassier fügte hinzu, dass es sich beim Glindbusch bereits um ein FFH-Gebiet handele, das schon jetzt nur noch eingeschränkt landwirtschaftlich genutzt werden dürfe. Volker Kullik (SPD) sagte mit Blick auf eine vorhergehende Äußerung der Christdemokratin Dr. Gabriele Hornhardt: "Es handelt sich dabei nicht um hochwertige Flächen, die intensiv landwirtschaftlich genutzt werden. Sonst wären sie nicht FFH-Gebiet. Ich weiß nicht, ob Betriebe, die auf solche Flächen zwingend angewiesen sind, auf längere Sicht bestehen können. Eine Existenzbedrohung kann ich also nicht erkennen.“ Und Cassier fügte noch hinzu, im Glindbusch lebten störungsempfindliche Tiere wie Fischotter und Schwarzstorch, die nur durch ein Betretungsverbot im Rahmen eines Naturschutzgebietes sinnvoll geschützt werden könnten. Zu Beginn der Sitzung erklärte Erster Kreisrat Dr. Tosten Lühring: "Wir haben nun noch mal nachgeschaut, wo prioritäre Flächen sind, die Naturschutzgebiet werden müssen und wo wir vielleicht doch ein Landschaftsschutzgebiet einrichten können.“ Diese Landschaftsschutzgebiete sollten aber, so Lühring, nicht zu kleinteilig ausfallen, weshalb nicht alle Wünsche berücksichtigt werden konnten. Der neue Vorschlag der Verwaltung wurde mit Naturschutzverbänden abgestimmt und öffentlich ausgelegt, bevor er jetzt erneut beraten wurde. Einige Landwirte waren im Vorfeld dieser neuerlichen Ausschusssitzung an die Politiker herangetreten und hatten darum gebeten, doch noch weitere Flächen zu Landschaftsschutz- und nicht zu Naturschutzgebieten zu machen – zur Verärgerung von Kullik, der die Verhandlungen mit einem orientalischen Basar verglich: "Das geht schon in Richtung Klientelpolitik. Motto: Wer am lautesten schreit, wird gehört.“ Cassier gab zu bedenken, dass Umweltverbände ein Normenkontrollverfahren anstrengen können, wenn nun erneut Änderungen an dem Plan vorgenommen werden. Grünen-Politiker Lauber sagte dazu: "Nabu und BUND haben zu diesem Vorschlag ihr Okay gegeben – mit Hängen und Würgen.“ Und Kullik erklärte, er wünsche sich langsam sogar, dass es ein Normenkontrollverfahren gibt. Am Ende der langen und kontroversen Diskussion gab das beratende Ausschussmitglied Werner Burkart einen kämpferischen Appell für mehr Naturschutz ab und Kullik ergriff nochmals das Wort: "Was das Durchsetzen von FFH-Gebieten angeht, ist Deutschland ein Schmuddelkind. Wenn irgendwo Regenwald abgeholzt wird, fordern wir die Länder auf, das auf Kosten der Wirtschaft zu unterbinden, und wir als eines der reichsten Länder der Welt tun uns hier so schwer?!“ Dann empfahl der Umweltausschuss bei zwei Enthaltungen dem Kreistag, die von der Verwaltung erarbeitete Kompromisslösung zu beschließen – ohne weitere Änderungen.

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