Junge Christen und Muslime übertragen "Nathan“ ins Heute - VON JANIKA REHAK

Wie aus Recha Yeliz wurde

Im Vordergrund standen die Dialoge und die Frage nach Konflikten zwischen Religionen und Kulturen. Dafür schlüpften die Mädchen in die verschiedendsten Rollen Foto: Rehak
 ©Rotenburger Rundschau

In einer Zeit, in der immer wieder von Parallelgesellschaften die Rede ist, entschlossen sich die Evangelische Jugend Rotenburg und die Moscheegemeinde, gemeinsam gegenzusteuern. Mit dem Ziel, den Dialog voranzutreiben, entwickelten sie in zwei Jahren ein Theaterstück, dass sich mit dem Problem von Vorurteilen und Missverständnissen zwischen den Kulturen beschäftigt. Jetzt wurde es aufgeführt.

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Evangelische Jugend und Moscheegemeinde spielen Nathan

Es waren einmal zwei, die sich liebten, aber ihre Liebe wurde nicht gerne gesehen... – nein, die Rede ist nicht von Romeo und Julia, sondern von Recha, der Ziehtochter eines jüdischen Kaufmanns Nathan im Jerusalem der Kreuzzüge, und einem jungen Tempelritter. Oder auch von Stefan und Yeliz, einem deutschen Jungen und einem türkischen Mädchen, die in der Gegenwart ineinander verliebt sind. Und noch von einer Menge anderen Jungen und Mädchen, Männern und Frauen, die eine Liebe unter nicht ganz idealen Startbedingungen wagen. Betreut von Kreisjugenddiakonin Sabine Ahua sowie Sevil Dalaslan und Selma Kulsu vom Erziehungsverein der Moscheegemeinde Rotenburg begannen ursprünglich zwölf Mädchen, ihre schauspielerischen Fähigkeiten zu erproben. Theaterpädagogische Unterstützung gab´s von Pastor Walter Merz, der mit einer entsprechenden Ausbildung die nötige Erfahrung mit einbringen konnte. Ausgehend von der Idee, vor allem Themen wie Toleranz, Gleichberechtigung der Religionen und religiöse Vorurteile anzusprechen, wurde zuerst überlegt, die Ringparabel aus Lessings "Nathan der Weise“ im Original auf die Bühne zu bringen. "Bezüge zur Gegenwart gibt es da genug“, so Ahua. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass der Original-Nathan ziemlich schwere Kost ist. "Wir quälten uns durch die Reclam-Hefte und kamen nicht recht voran“, beschreibt Ahua die Situation. Dann der Einschnitt: Pastor Merz nahm eine neue Stelle in Berlin an. Außerdem hatten sich inzwischen auch einige Mädchen vom Theaterspiel verabschiedet. Daraufhin wurde das Stück ganz neu aufgerollt und komplett umgeschrieben. "Die grobe Story und die aktuellen Bezüge sind geblieben“, erklärt Ahua, "die Originaltexte weniger.“ Theaterpädagogische Unterstützung lieferte Karin Tischer aus Bremen. Ausgehend vom Streit über die Mohammed-Karikaturen, die im vergangenen Jahr für eine Menge Zündstoff sorgten, wird von den Darstellerinnen (Merve Sari, Miray Sari, Yasemin Kilic, Sümeyye Kilic, Meryem Kuslu, Carolin Vesper, Sandra Lange, Cath'rine Hildebrandt) die Geschichte von Yeliz und Stefan erzählt, die sich in der Schule ineinander verlieben und dabei mit diversen Vorurteilen zu kämpfen haben. Da sind zum Beispiel Stefans eifersüchtige (deutsche) Exfreundin, die mitsamt ihrer Clique auf Yeliz natürlich gar nicht gut zu sprechen ist, Yeliz´ Bruder Erkan, den die Karikaturen so richtig wütend machen, und eine deutsche und türkische Clique, die sich auf dem Schulhof aufs Übelste beschimpfen. Parallel dazu wird die Geschichte von Nathan, seiner Tochter Recha und dem christlichen Tempelherrn erzählt – und hier wird es so richtig kompliziert. Nathan ist Jude, seine Ziehtocher laut Geburt eigentlich Christin und der stattliche junge Tempelherr in Wirklichkeit ein verschollener Bruder des Sultans und demzufolge strenggenommen Moslem... Eine eher spärliche Requisite stellte die Dialoge in den Vordergrund, bei denen die Mädchen in verschiedenste Rollen schlüpften und die Frage nach Konflikten zwischen Religion und Kultur, nach der richtigen Religion (und ob es eine solche überhaupt gibt) zur Sprache. Unterschiede und erstaunliche viele Gemeinsamkeiten traten hervor. "Unser Ziel war vor allem, dass alle, wenn sie hinterher nach Hause gehen, Stoff zum Nachdenken mitnehmen“, so Ahua. Nach dem Stück gab es einen Imbiss und Gelegenheit zu Begegnung und Gespräch.

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