Lydia Lindes seit 40 Jahren

Zeit fürs Kartoffelaufsetzen

Bimm-Bamm muss sie machen. Und zwar 50 Mal hintereinander. Darauf achtet Lydia Lindes genau. Jeden Tag, pünktlich um 11.30 Uhr, steht die 85-Jährige am Stuckenborsteler Glockenstuhl und läutet die Mittagszeit ein.

Für die rüstige Dame ist die alte Tradition mehr als nur eine Aufgabe. "Mir macht es einfach Spaß. Ich möchte das Läuten nicht missen", sagt sie. In diesem Jahr feiert Lindes Jubiläum: Seit dem 1. April 1967 ist sie nun schon die Glöcknerin von Stuckenborstel. Als die gebürtige Stettinerin vor 40 Jahren gefragt wurde, ob sie die Aufgabe übernehmen wolle, war sie in den landwirtschaftlichen Familienbetrieb voll eingebunden. "Deswegen sagte mein Mann mir auch: ‚Mach das bloß nicht! Dann musst Du das jeden Tag machen.‘ Ich hatte aber Lust dazu und sagte ja", erinnert sie sich. Sicher, manchmal sei es nicht einfach gewesen, rechtzeitig vom Kartoffelfeld zurück zu sein. Und auch das Melken kam oft dazwischen. "Das musste dann warten, bis ich geläutet hatte." Vom 1. Oktober bis zum 1. April erklingt die Glocke nur einmal am Tag - von Montag bis Samstag um 11.30 Uhr und sonntags um 9 Uhr. In der Sommerzeit läutet Lindes zusätzlich um 18 Uhr. Sollte sie außer der Reihe morgens um 9 Uhr im Einsatz sein, ist jemand aus dem Dorf verstorben. "Damals diente das Läuten dazu, den Tagesablauf zu regeln", erklärt sie. Dann wussten die Männer auf dem Feld bescheid, dass es Zeit war, die Pferde anzuspannen und zum Hof zurückzukehren. Für die Frauen war es das Zeichen, die Kartoffeln fürs Mittagessen aufzusetzen. Sonntagmorgens machten sich die Bürger nach den Glockenschlägen auf zum Gottesdienst. Auch als diese Zeiten längst vorbei waren, bestand Lindes darauf, ihre Arbeit fortzuführen. "Für viele Kinder bedeutet das Läuten heute noch, dass sie zurück ins Haus müssen", sagt sie. Als der Glockenstuhl in den 80er Jahren immer maroder wurde, setzte sie sich dafür ein, dass ein neuer errichtet wurde. Und zwar ausdrücklich einer, der per Hand geläutet werden muss. "Viele werden elektronisch betrieben. Da braucht sich niemand mehr Mühe machen", sagt sie. Der neue Turm wurde 1987 errichtet. Lindes, die für ihre Arbeit jährlich eine kleine Entschädigung von der Gemeinde erhält, konnte ihn allerdings nicht lange in Betrieb nehmen - offenbar gab es ein paar statische Probleme. "Er schwankte richtig, sobald ich begann, am Strang zu ziehen", blickt sie zurück. Mehrmals musste sie das Problem extra angereisten Experten erklären. Es dauerte fünf Jahre, bis der Turm wieder in Betrieb genommen werden konnte. Besonders stolz ist die Stuckenborstelerin auf die Bronzeglocke, die einen sehr schönen Klang hat, wie sie findet. "Sie stammt vom ehemaligen Feuerschiff Norderney und wurde 1949 beim Erntefest eingeweiht", erklärt Hans-Richard Buthmann, Stuckenborsteler Heimatforscher. Seitdem hat der Turm zwischen dem ehemaligen Feuerwehrhaus und der Landesstraße seinen festen Platz. Dort bekommen auch Auswärtige mit, wenn Lindes den Mittag einläutet. "Oft halten Interessierte an und wollen wissen, warum ich das mache", sagt sie. Manchmal - wenn auch äußert selten - kommt es vor, dass die Glocke zur angestammten Zeit stumm bleibt. "Dann bin ich irgendwo eingeladen oder nicht über die Straße gekommen." Denn: Wenn auf der A1 Stau ist, weichen viele Fahrzeuge über Stuckenborstel aus. "Da ist es manchmal einfach zu gefährlich, rüberzulaufen." Ansonsten kann sie aber kaum etwas davon abhalten, die Glocke rechtzeitig klingen zu lassen. "Bei Regen habe ich einen Schirm, bei Schnee und Eis rutschfeste Schuhe", sagt sie. Bild: Lydia Lindes feiert in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum: Die 85-Jährige läutet seit 40 Jahren die Glocke in Stuckenborstel Fotos: Zachrau

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