Exxon Mobil informiert über Fraccing und Rohrleitungsdefekt - von Thomas Hartmann

Austritte im Literbereich

Christof Jarusz, Dr. Harald Kassner, Ritva Westendorf, Christian Brüning, Norbert Stahlhut und Eitel Blum von der Exxon Mobil (von links) informierten über den Zwischenfall an einer Lagerstättenwasserleitung bei Söhlingen Foto: Hartmann
 ©Rotenburger Rundschau

Umwelt-Skandal in Söhlingen? Nach einem Fernsehbericht des NDR blickten die Medien auf den kleinen Ort nahe Visselhövede. Dort fördert die Exxon Mobil seit Jahren Gas. 2007 wurde ein minimaler Druckabfall in einer Leitung für Lagerstättenwasser gemessen. Vorwurf an das Unternehmen: Es habe diesen Vorfall verschwiegen. Dagegen wehrt sich die Exxon Mobil vehement.

Was war passiert? Bei einer Sicherheitsüberprüfung wurde Ende 2007 festgestellt, dass eine Lagerstättenwasserleitung offensichtlich nicht dicht ist. Bei näherer Untersuchung wurde kein Leck festgestellt. Allerdings konnte der Geruch von Kohlenwasserstoff wahrgenommen werden. Schließlich stellte sich heraus, dass die zur Sicherheit nachträglich eingezogene Kunststoffleitung höhere Kohlenwasserstoffe durch die Wandung diffundieren ließ. "Das war nicht bekannt, als dieses Rohr eingebaut wurde“, erklärt Norbert Stahlhut von der Unternehmenskommunikation im Pressegespräch. Was ins Erdreich gelangt war, sind geringe Anteile der Kohlenwasserstoffe aus dem Lagerstättenwasser. Das ist ein Abfallprodukt der Erdgasförderung. Das Gas kommt nicht trocken an die Oberfläche. Mit dem Rohstoff wird auch Kondensflüssigkeit ans Tageslicht gefördert. Dabei handelt es sich um salzhaltiges Wasser, das Spuren von Kohlenwasserstoffen sowie auch geringe Quecksilberanteile enthalten kann. Dieses Wasser wird per Rohrleitung zur Sammelstelle in Söhlingen gepumpt, von wo es per Tanklastzug zu sogenannten Versenkbohrstellen gebracht wird. Das sind stillgelegte Bohrungen, durch die das Wasser in die ehemals gasführenden Gesteinsschichten zurückgepresst wird. Vorher können sich in mehreren Lagerstufen in verschiedenen Tanks schwere Schwebstoffe am Boden und leichte Kohlenwasserstoffe nach oben absetzen, wo sie jeweils entnommen und entsorgt beziehungsweise verwertet werden. Das Wasser wird dann ins Erdinnere gepumpt. Dass Teile dieser Flüssigkeit oberflächlich ins Erdreich gelangte (Christof Jarusz, Sanierungsprojektleiter der Exxon: "Es geht um Mengen im Literbereich“), war das eigentliche Problem. Hinzu kamen Spuren von Quecksilber, die wohl bereits Anfang der 90er Jahre beim Einschieben der Kunststoffrohre in die vorhandenen Stahlleitungen ins Erdreich gelangt sind. Auf die Leckage reagierte die Exxon Mobil durch Stillegung der Leitung, Abtragen und Ersetzen des verunreinigten Bodens und Kontrolle des Grundwassers. Lediglich an zwei von 44 Messpunkten ließen sich minimale Verunreinigungen feststellen. Im Dezember 2010 konnte die Maßnahme den deutschen Umwelt- und Sicherheitsbestimmungen entsprechend abgeschlossen werden. Das Grundwasser wird an einigen Stellen sicherheitshalber weiter kontrolliert. Die Baustelle wurde auf Einladung der Exxon Mobil von den Visselhöveder Kommunalpolitikern in Augenschein genommen. Auf Informationstafeln wies das Unternehmen Passanten auf die Leitungssanierung hin. "Deshalb weisen wir den Vorwurf einer Vertuschung entschieden zurück“, wie Norbert Stahlhut von der Unternehmenskommunikation des Konzerns betont. Ein Thema, das mit diesem Vorfall in Zusammenhang gebracht wurde, ist das sogenannte Fraccing. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, das es ermöglicht, auch Gas aus Lagerstätten zu fördern, die auf konventionellem Wege nicht zu erschließen wären. Dazu wird mit einer Flüssigkeit, die in die entsprechenden Schichten gepresst wird, Druck aufgebaut, der die Poren des Gesteins aufbricht und so Fließwege für das Gas öffnet. Quarzsand, der mit in die Tiefe gepumpt wird, hält die künstlichen Risse offen. Mit dem Wasser-Sand-Gemisch werden zu einem geringen Anteil Additive in die Lagerstätten gepresst. Dazu zählen chemische Substanzen, die die Bildung von Faulgasen unterbinden und Reibung reduzieren sollen. "Auch wenn einzelne dieser Stoffe für sich genommen als wassergefährdend eingestuft werden, gilt dies bei den angegebenen Konzentrationen nicht für die angemischte Frac-Flüssigkeit als Ganzes“, erläutert Exxon-Chemiker Dr. Harald Kassner. Ein Großteil der Flüssigkeit wird nach dem wenige Stunden dauernden Fraccing wieder zurückgepumpt, Reste werden mit dem Gasstrom ausgetragen, obertage vom Rohstoff getrennt und separat entsorgt. Dass durch Austreten der Flüssigkeit in der Tiefe das Grundwasser verunreinigt werden könnte, sei kaum vorstellbar, wie die Exxon Mobil in einer Erläuterung darlegt, die der Stadt Visselhövede im November zugeleitet wurde, nachdem eine anberaumte Informationsveranstaltung wegen mangelnder Anmeldungen ausfallen musste. "Zwischen den grundwasserführenden Horizonten, die in Norddeutschland meist nur in Tiefen bis zu 200 Meter reichen, und dem zu fördernden Erdgas befindet sich ein viele hundert bis mehrere tausend Meter mächtiges Deckgebirge“, heißt es da. Das Fraccing werde in Tiefen von einem bis fünf Kilometern vorgenommen. Bislang habe es keinen Fall gegeben, dass Trinkwasserhorizonte durch das Fraccing belastet wurden. "Das ist schlicht nicht möglich“, so Dr. Kassner. Erbost reagiert Visselhövedes Bürgermeisterin Franka Strehse auf die Art der Berichterstattung. Sie fühlt sich von der Exxon Mobil stets gut informiert. Die Reaktion des Unternehmens auf die Leckage hält sie für verantwortungsvoll. "Das erwarte ich auch von solchen Konzernen“, sagt sie. Ihre Äußerungen zum Thema seien drastisch verkürzt und gezielt auf die Intention des Berichterstatters ausgewählt worden. Erstaunt zeigte sich Strehse über das Verhalten eines Bundestagsabgeordneten der Grünen aus Nordrhein-Westfalen: "Um Punkte in einer Schlacht mit der Exxon an seinem Heimatstandort zu gewinnen, sollte er nicht in Visselhövede für Verunsicherung sorgen.“ Mit kleinen Anfragen wandten sich die Landtagsabgeordneten Ralf Borngräber (SPD) sowie Stefan Wenzel und Elke Twesten (Grüne) an die Landesregierung. Borngräber möchte wissen, welche Chemikalien in Söhlingen für das Fraccing verwendet werden, wer darüber Kenntnis bekommt, welches Institut nach der Leckage mit dem Grundwassermonitoring beauftragt wurde und wann Ergebnisse veröffentlicht werden. Außerdem fordert er eine Beurteilung der Genehmigungspraxis. Wenzel und Twesten fragen, wo und wann in Niedersachsen Frac-Verfahren eingesetzt werden, ob es Unfälle mit Boden- und Grundwasserverseuchungen gegeben hat, welche Mengen Frac-Flüssigkeit in welcher Zusammensetzung verwendet wurden und wie diese entsorgt werden.

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17.10.2017

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14.10.2017

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