Claudia Koppert schrieb den Roman Sisterhood – eine Sehnsucht / Thema: Feminismus - Von Andreas Schultz

Martha geht an der Hand von Pallas Athene

Die Stapeler Autorin Claudia Koppert schrieb das kürzlich erschienene Buch Sisterhood u2013 eine Sehnsucht Foto: Schultz
 ©Rotenburger Rundschau

Sisterhood – eine Sehnsucht: So heißt das neueste Werk von Autorin und Lektorin Claudia Koppert. Im Gespräch mit der Rundschau erklärt die Wahl-Stapelerin, warum gerade der Feminismus der 80er-Jahre eine große Rolle in ihrem Werk spielen und wie sie selbst zum Thema ihres Buches fand.

„Sisterhood is powerful“, so lautete der Wahlspruch der Frauenbewegung um 1980. Für die Hauptfigur des Buches, Martha, sind diese Zeiten lange vorbei. Sie war mitten drin, hat die Hoch-Zeit der Emanzipation erlebt – genauso wie den Zerfall der Bewegung. Heute kämpft sie damit, den Alltag und ihren Beruf als Krankenschwester unter einen Hut zu bekommen und dabei noch ihre Tochter zu erziehen: Rosa, die Inkarnation der Weiblichkeit. Sisterhood ist ein Roman gewordenes Charakterdrama und auch ein wenig Bildungsroman. Denn inmitten ihrer Konflikte trifft Martha auf alte Bekannte, setzt sich mit den guten und schlechten Seiten der Vergangenheit in der Sisterhood auseinander, verschriftlicht ihre Erinnerungen und Gefühle für ihre Tochter und entwickelt sich dabei weiter. Unterstützt wird sie dabei von der im Verschwinden begriffenen Göttin Pallas Athene. Zwischenmenschliche Konflikte stehen im Vordergrund. So kann und konnte die fast 40-Jährige Martha es ihrer Mutter in Sachen Weiblichkeit nicht recht machen. „Es geht um den Widerspruch zwischen dem Idealtypus der Frau und absoluter Gleichberechtigung der Geschlechter. Diesen Part erzählt Martha“, erklärt Koppert. Das traditionelle Bild der Weiblichkeit wird nämlich von der Figur im Zuge des Feminismus verschmäht und doch kann sie sich nicht ganz davon lösen, doch irgendwie klassisch Frau sein zu wollen. Statt der Mutter entwickelt sich allerdings Tochter Rosa im Rahmen der Pubertät in diese Richtung. Auch das bleibt nicht ohne Reibungen in der kleinen Familie. Sachbücher über Feminismus gebe es viele – bei Literatur zum Thema sehe das aber anders aus, erklärt die Autorin. Über Jahre hat sie sich mit der Materie auseinandergesetzt. Als Autorin und Herausgeberin von „Glück, Alltag und Desaster: Über die Zusammenarbeit von Frauen“ und „Hand aufs dekonstruierte Herz: Verständigungsversuche in Zeiten der politisch-theoretischen Selbstabschaffung von Frauen“ weiß sie über die Rolle der Frau Bescheid. Mehr als zehn Jahre hat sie schließlich an dem Roman gearbeitet: nicht in einer Tour, sondern immer mal wieder. Sieben Arbeitstitel hatte das kürzlich veröffentlichte Werk, zuletzt änderte Koppert den Namen wenige Monate vor dem Erscheinungstermin. „Da wusste ich endlich, was ich eigentlich möchte“, sagt Koppert und lächelt. Ihr persönliches Interesse am Feminismus entdeckte sie bereits als sie noch ein Kind war. „In den 70er-Jahren, ich war zwölf, 13 Jahre alt, war deswegen die Hölle los – auch bei uns in der Familie wurde gestritten. Wir Kinder nahmen die Angewohnheiten der Eltern genau unter die Lupe und diskutierten viel. Ich weiß noch, wie meine Oma sich aufregte, als ein Foto in der Zeitung erschien, auf dem eine Frau zu sehen war, die bei einem Prozess vor den Richtern ihr Oberteil auszog und so barbusig da stand. Das waren eindrückliche Bilder.“ Koppert wird mit 16 Jahren politisch aktiv, setzt sich damals für die Absage der Fußball-WM ein, um ein Zeichen gegen die Diktatur in Argentinien zu setzen. Auch bei der Bewegung gegen Atomkraftwerke mischt sie mit. Während ihrer Anstellung im Frauenselbstverlag (heute Orlanda) in damals noch West-Berlin erlebte sie, wie ihre Chefin, Dr. Roswitha Burgard, das erste Frauenhaus in Berlin mitgründete. „Das war eine ganz andere Welt. Während es heute beispielsweise solche tollen Einrichtungen gibt wie die Beratungsstelle Wildwasser in Rotenburg, wurde erst vor etwa 20 Jahren öffentlich über Kindesmissbrauch gesprochen, nachdem der Spiegel mit Das geheimste Verbrechen titelte“, erklärt Koppert zur Veränderung der Wahrnehmung von Tabu-Themen. Bewegungen mit dem Ziel, Grundlegendes zu verändern, gab es viele. Im Zuge des Feminismus war auch das Frauenaktionszentrum (Faz) dabei, das für ihre Figur Martha eine zentrale Rolle spielt. Viele dieser Bewegungen haben nach Koppert die gleichen Entwicklungsstadien durchgemacht: Am Anfang steht die Euphorie des Aufbruchs mit dem Willen, etwas aus guten Gründen anders zu machen. Irgendwann komme die Enttäuschung innerer Konflikte und im Ernstfall fangen die Zerfallsprozesse bei den Gruppen an. So sei es auch bei den treibenden Kräften der französischen Revolution gewesen. „Auch beim Faz waren das zum Teil sehr schmerzliche Erfahrungen, die die Aktiven gemacht haben. Da war nicht alles nur toll, die sind auch mal mächtig auf die Schnauze gefallen – und gerade die Frauen nehmen sich diese Enttäuschungen besonders übel“, so Koppert. Eine Szene aus dem Buch zeigt, wie schnell es zu solchen Zerrüttungen kommen kann: Ins Faz wurde eingebrochen, die beiden Leiterinnen erstatten Anzeige bei der Polizei – sehr zum Unmut einiger Mitfeministinnen, denn mit den „Bullen“ ist damals nicht gut Kirschen essen. Bei der entgleisenden Diskussion gerät kurz Marthas Freundin Margie ins Kreuzfeuer, immerhin könnte sie vom Verfassungsschutz sein, doch die Wogen glätten sich gerade noch. Kopperts Vorhaben war es, Martha erinnern zu lassen. Und zwar nicht nur die Hochgefühle des Aufschwungs, denn: „Man kann nicht nur das Gute wieder hervorrufen.“ Martha lernt schließlich, mit ihren Enttäuschungen aus der Vergangenheit und ihrer Sehnsucht umzugehen und findet sich mit dem nie Erreichten und dem Hader ab. Eine Selbstversöhnung. Wie – das erfahren die Leser des Buches. -------------------------------------------------------------- Lesungen aus Sisterhood - Mittwoch, 8. Oktober, ab 19 Uhr in der Cohn-Scheune, Am Kirchhof 1 in Rotenburg. Die Lesung in Rotenburg ist eine Kooperation des Vereins der Cohn-Scheune und der Gleichstellungsbauftragten des Landkreises Rotenburg. - Dienstag, 14. Oktober, 19.30 Uhr, Buchhandlung Heine, Herrlichkeit 2 in Verden. Die Verdener Lesung findet in Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Verden statt. -------------------------------------------------------------- Claudia Koppert wurde 1958 in Heidelberg geboren. Sie studierte Sozialarbeit, um schnell ins Berufsleben starten zu können, orientierte sich aber danach um. 1984 bis 1987 wurde sie als Lektorin im Frauenselbstverlag (heute Orlanda) angestellt und arbeitete danach bis heute als freie Lektorin weiter. Von 1992 bis 1999 unterrichtete sie mit Lehrauftrag an der Technischen Universität Berlin im Fachbereich Erziehungswissenschaften/ Soziologie zum Schwerpunkt Frauenforschung. 1993 war sie Herausgeberin der Aufsatzsammlung „Glück, Alltag und Desaster – Über die Zusammenarbeit von Frauen“ Ihr Romandebüt feierte Koppert 2003 mit Allmendpfad. Thema ist der Strukturwandel in Gärtnereien. Ebenfalls 2003 bringt die Schriftstellerin mit Beate Selders zusammen die Aufsatzsammlung „Hand aufs dekonstruierte Herz – Verständigungsversuche in Zeiten der politish-theoretischen Selbstabschaffung von Frauen“ heraus. 2007 erscheint die Gemeinschaftsarbeit von Stapeler Einwohnern mit dem Titel Stapel – Streifzüge durch die Gegenwart und Vergangenheit eines Geestdorfs (online abrufbar unter www.claudiakoppert. de). In dem Werk wird die Geschichte des Ortes anhand von Spaziergangs-Routen durch den Ort erläutert.

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Foto: Andrea Winterhalter

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07.04.2017

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