Krebserkrankungen in Bothel beschäftigen die Politik

Frage von Leben und Tod

10.10.2014
  Bothels Samtgemeindebürgermeister Rüdiger Woltmann
Bothels Samtgemeindebürgermeister Rüdiger Woltmann
 ©Rotenburger Rundschau

(sv). Die erhöhte Blutkrebsrate bei Männern in der Samtgemeinde Bothel war nun Thema im dortigen Samtgemeinderat – allerdings nicht nur da. Auch im deutschen Bundestag in Berlin war Bothel auf der Tagesordnung.

In Bothel sagte der sichtlich emotional betroffene Samtgemeindebürgermeister Rüdiger Woltmann: „Mir wäre es lieber, wenn ich schon aus Hannover gehört hätte, wie es mit der Untersuchung weitergeht. Das ist aber nicht so.“ Er habe bereits einen Brief an Ministerpräsident Stephan Weil geschrieben und darauf gedrungen, schnellst möglich in der Umgebung der übrigen Erdgasbohrstellen zu untersuchen, ob dort ebenfalls erhöhte Krebsraten zu verzeichnen sind. „Dass ich den Brief verschickt habe, ist nun aber schon ein bisschen her. Das ärgert mich, dass alles immer ein bisschen her ist“, monierte Woltmann das zu lange Ausbleiben von Reaktionen in dieser Angelegenheit. Weiter sagte er: „Das ist insgesamt traurig.“ Zudem kritisierte Woltmann das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG). Deren Mitarbeiter hätten im Arbeitskreis des Landkreises zur Erdöl- und Erdgasförderung gesagt, sie reagierten aktuell nur, wenn es Meldungen von Bohrplätzen wegen Störungen oder entsprechende Beschwerden gebe. „Für weitere Kontrollen ist kein Personal da. Das bestätigt mich in meiner Ansicht: Dort fehlt es meines Erachtens nach an Quantität.“ Dirk Eberle, der ab November Bothels Samtgemeindebürgermeister ist, erklärte: „Wir müssen ganz schnell herausfinden, woher die Häufung der Krebsfälle kommt. Das wird meine erste große Aufgabe sein, damit wir in Hannover auch entsprechende Forderungen stellen können. Das Land verdient viel Geld mit dem Förderzins, während hier vor Ort Väter und Kinder sterben. Es geht um Leben und Tod.“ Anschließend diskutierten die Ratsleute lange über einen von der SPD vorgeschlagenen Antrag, laut dem das Land Niedersachsen in Kooperation mit dem Landkreis Rotenburg alle Gasförder- und Versenkbohrstellen auf Samtgemeindegebiet sowie deren nähere Umgebung auf schädliche Rückstände untersuchen soll. Rolf Lüdemann (CDU) kritisierte die von Barbara Frömming (SPD) eingebrachte Formulierung, weil der Landkreis keinerlei Handlungsbefugnis habe. Dies habe ein Gutachten ergeben („Kümmerer gesucht“, www.rotenburger-rundschau.de). „Wir wollen aber denen auf den Pelz rücken, die Kompetenzen haben“, so Lüdemann. Nachdem auch Eberle meinte, das Land sei der erste Ansprechpartner und der Landkreis müsse in dem Antrag nicht explizit genannt werden, lenkte Frömming ein: „Mir liegt nämlich viel daran, dass wir einen einstimmigen Beschluss fassen.“ Die Samtgemeinde Bothel wendet sich nun also an das Land Niedersachsen und fordert entsprechende Untersuchungen, wobei Dr. Gabriele Hornhardt (CDU) in Erinnerung rief, auf Landkreis-Ebene gebe es bereits den Antrag, die Untersuchung bezüglich der Krebserkrankungen auf das gesamte Kreisgebiet auszudehnen. Viele Kilometer von Bothel entfernt – in Berlin – waren die Krebserkrankungen nun auch Thema. Der niedersächsische Linken-Abgeordnete Hubertus Zdebel ergriff dort in der Fragestunde an die Bundesregierung das Wort: „Sieht die Bundesregierung die Notwendigkeit, weitere Ergebnisse der Ursachenerkundung von erhöhten Leukämie- und Lymphomwerten in Gasförderregionen abzuwarten, bevor sie durch gesetzliche Neuregelung einen Rechtsrahmen für den Einsatz der umstrittenen Gasfördermethode Fracking in Deutschland schaffen will?“ Darauf antwortete Iris Gleicke, parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, laut Sitzungsprotokoll: „Bereits nach den geltenden bergrechtlichen Regelungen des Bundes sind bei Zulassung eines Bergbaubetriebes Gefahren für die Gesundheit der Beschäftigten und Dritter im Betrieb auszuschließen und öffentliche Interessen zu berücksichtigen. Insofern bietet das geltende Bundesrecht ausreichend Handlungsspielraum, um gesundheitsgefährdenden Gasförderbetrieben Auflagen zur Vorsorge zu erteilen oder diese gegebenenfalls zu untersagen. Die Bundesregierung sieht daher keine Notwendigkeit, die Ergebnisse der Ursachenerkundungen durch die zuständigen Landesbehörden abzuwarten, bevor sie die Neuregelungen zum Einsatz der Fracking-Technologie beschließen will.“ Nach einer ersten Frage Zdebels verwies Gleicke auf die nun anstehenden detaillierten Untersuchungen. Daher könne die Bundesregierung gegenwärtig nicht einschätzen, ob die erhöhte Krebsrate in Bothel mit der Erdgasförderung zusammenhänge.

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