Jägerschaft bereitet sich auf die Rückkehr des Raubtieres vor - von Andr' Ricci

Warten auf den Wolf

Dieser Wolf lebt bereits in Niedersachsen, wenn auch nur im Zoo. Tierpfleger Thorsten Vaupel gelang diese Aufnahme
 ©Rotenburger Rundschau

Landkreise. Kein anderes heimisches Wildtier weckt so starke Emotionen wie der Wolf. Er gilt als Bösewicht, der die herzensgute Großmutter auf dem Gewissen hat. Zugleich fiebern regelrechte Fan-Gemeinden seinem Auftauchen entgegen wie dem Comeback eines Superstars. Die Sichtung eines Jungtieres im Kreis Harburg beflügelt die Fantasie.

Niedersachsen bereitet sich vor. Offiziell gilt es zwar im Gegensatz zum benachbarten Sachsen-Anhalt noch nicht als Wolfsland – doch das wird sich ändern. Davon jedenfalls sind alle Experten überzeugt, ganz unabhängig von dem Pionier, der jüngst in Maschen vor den Toren Hamburgs in eine Fotofalle tappte und sich wohl inzwischen nicht mehr in der Region aufhält. Jungwölfe durchstreifen auf der Suche nach Paarungspartnern weite Gebiete. Gleichfalls viel rumgekommen ist Britta Habbe, seit sie im Februar ihren Posten als Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft antrat. Sie besucht Hegeringversammlungen und lädt zu Vorträgen ein. Noch ist sie Beauftragte für eine Art, die in den Revieren ihrer Zuhörer nicht vorkommt. Ihr Job ist es, die Jäger an den Gedanken zu gewöhnen, dass sich das sehr schnell ändern könnte. "Der Wolf wird kommen“, sagt sie. "Die Tiere sind unterwegs.“ Für die Diplom-Biologin bietet sich in der Lüneburger Heide, der wahrscheinlichsten Heimat des ersten niedersächsischen Wolfsrudels, auch unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten eine einmalige Gelegenheit. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Wildtierforschung an der tierärztlichen Hochschule in Hannover führt sie ein Schalenwild-Monotoring durch. Ziel der empirischen Studie ist es, den Einfluss von Wölfen auf die Population potenzieller Beutetiere zu erforschen. In der Lüneburger Heide kann ein vom Raubtier noch unberührter Landstrich erfasst werden, der sich womöglich bald biologisch wandeln wird – vorausgesetzt, Isegrim wird hier in absehbarer Zeit tatsächlich heimisch. Habbe jedenfalls bezeichnet die Region als "Ideallebensraum“ für den Urahn des Hundes. "Das Habitat ist ähnlich wie in der Lausitz, dem Hauptverbreitungsgebiet der Wölfe in Deutschland“, meint auch Kuno Kumpins, Obmann für Öffentlichkeitsarbeit der Jägerschaft Rotenburg. Allerdings werde es Canis lupus in der Lüneburger Heide etwas schwerer haben, weil die Region insgesamt besiedelter und landwirtschaftlich stärker erschlossen sei als das Braunkohlegebiet im Osten. Aufhalten werde ihn das jedoch nicht. "Der Wolf braucht keine Wildnis“, erklärt Habbe, "er geht den Menschen zeitlich aus dem Weg.“ Als sehr scheues Wildtier wage er sich meist nur in der Dunkelheit aus seinem Versteck. Eine Gefahr für den Menschen stellt der graue Räuber entgegen aller Schauergeschichten vom bösen Wolf nicht dar. Trotzdem löst seine erwartete Rückkehr längst nicht überall so ungeteilte Freude aus wie bei seinen tausenden Facebook-Freunden, die auf der Nabu-Seite "Willkommen Wolf“ jede neue Sichtung feiern. Denn ganz unproblematisch läuft es nicht ab, wenn ein Raubtier, das täglich mehr als drei Kilo Fleisch braucht, eine vom Menschen geprägte Kulturlandschaft zurückerobert. Auch um erbitterten Konflikten vorzubeugen, wie sie etwa in der Lausitz zwischen Viehhaltern und Tierschützern ausgefochten werden, bereitet sich die Landesjägerschaft frühzeitig auf die neue Zeit vor. Revierinhaber dürften wenig erfreut sein, wenn sich plötzlich Wölfe übers Wild hermachen, nennt Kumpins ein Beispiel für absehbare Probleme. Auch Schafe dürften künftig gefährlicher leben. Und selbst innerhalb des Naturschutzes macht Kumpins gewisse Zielkonflikte aus. "In der Lüneburger Heide wurde ein teures Birkhuhn-Programm umgesetzt“, so der Jäger. Inzwischen seien die geschützten Vögel wieder häufiger anzutreffen – für Wölfe wären sie eine leichte Beute. Kompensationszahlungen für Wolfsschäden, raubtiersichere Zäune, besondere Rücksicht bei der Jagd, um den strengstens geschützen Wolf nicht zu gefährden – es gibt eine ganze Reihe von Themen, die heute noch etwas exotisch klingen, aber schon bald auch im Landkreis Rotenburg ganz oben auf der Agenda stehen könnten. Wann? Darauf gibt es keine Antwort. Habbe jedenfalls erwartet die Wölfe eher früher als später zurück in der Lüneburger Heide. Ein Pärchen würde bereits ausreichen, um ein erstes Rudel zu etablieren.

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