In Wort und Bild: Katharina Bertzbach veröffentlicht Buch - VON PETRA HOLTHUSEN

„Carline schaut zurück“

Katharina Bertzbach (59) blättert im Manuskript ihres Kinderbuchs "Carline schaut zurück", das im September erscheinen soll.
 ©Petra Holthusen

Fischerhude. Staunend stellt jedes Kind irgendwann fest, dass ja auch seine Eltern und Großeltern mal Kinder gewesen sind. Dann erwacht die Neugier: Wie war das damals, als ihr klein wart? Was habt ihr so gemacht, was habt ihr erlebt? Carline ist neun, als sie sich auf Forschungsreise in die Vergangenheit begibt und ihre Mutter, Oma und Urgroßmutter über deren Kindheit auszufragen beginnt. Das Mädchen ist die Ich-Erzählerin in dem Buch „Carline schaut zurück“, das Katharina Bertzbach (59) geschrieben und illustriert hat.

Carline ist fiktiv, sozusagen die Noch-nicht-Enkelin der Autorin. Die Geschichten aber, die das Mädchen in dem Buch von Mutter, Oma und Uroma erfährt, sind echt: „Das ist alles genauso passiert“, erzählt Katharina Bertzbach. Es sind Kindheitserinnerungen von ihr selbst, ihrer Tochter Zoë (29) und ihrer Mutter (88). Zusammen spiegeln sie als Carlines Vorfahrinnen drei Generationen Kinderleben in Fischerhude, das in dem Buch das kleine Dorf am Fluss ist – den bezaubernden Illustrationen nach ein norddeutsches Bullerbü. Die Zeichnungen von Katharina Bertzbach erinnern an die bildlichen Darstellungen der Kinder in den Astrid-Lindgren-Geschichten und offenbaren eine ganz neue künstlerische Seite der Fischerhuder Keramikmeisterin.

Das Angebot stand schon fast 20 Jahre: Damals hatte Katharina Bertzbach mal in Bremerhaven ausgestellt – und dort im Wilke-Atelier ein Stipendium angeboten bekommen. „Aber wie sollte ich das machen, als alleinerziehende Mutter mit zwei kleinen Kindern?“ Auch später ging immer Anderes vor. Bis voriges Jahr im Juni, da passte es. Wegen Corona stand sonst nichts an, und Katharina Bertzbach zog ins Wilke-Atelier am Meer in Bremerhaven – mit einem Monat Zeit und Raum zur freien Entfaltung. Was damit anfangen? „Auf keinen Fall töpfern!“, da war sich die Keramikerin sicher. „Malen vielleicht...“

Vorsorglich packte sie alles an Wasserfarben, Zeichenstiften und Pinseln ein, was ihr Haushalt hergab. Und ihr fiel ein: „Ich wollte doch immer schon mal ein Kinderbuch machen...“ Am liebsten über die „vielen herrlichen alten Geschichten“. Denn was Mutter, Onkel, Bruder, sie selbst und ihre Kinder in ihrer vom jeweiligen Zeitgeist geprägten Kindheit alles angestellt und erlebt haben, ist in der großen Fischerhuder Familie Bertzbach detailreich überliefert.

Einiges davon erfährt Carline in dem Buch: Wie die Oma (Katharina) mit fünf Jahren ganz bis nach Borgfeld spazierte und dort die letzten beiden Groschen in einer Telefonzelle investierte, um zu Hause Bescheid zu geben. Wie Mama (Zoë) eine Geheimschrift erfand und mit ihrer Freundin codierte Botschaften per Fax austauschte. Wie Uromas Familie im Krieg zu Verwandten auf einen anderen Hof zog, weil vor ihrem eigenen geschossen wurde, wie die Kinder damals das Plumpsklo sauber machen mussten und eine Hühnerzucht starteten, um Eier zum Sattessen zu haben. Zwischen den einzelnen Zeitreisen macht sich Carline ihre Gedanken über das Gehörte. Während ihres Atelier-Aufenthalts in Bremerhaven zeichnete Katharina Bertzbach die Bilder zu den wahren Familiengeschichten – insgesamt 17, die jeweils die rechte Seite des querformatigen Buchs einnehmen. Wieder zu Hause, „habe ich lange an den Texten rumgewerkelt“. Der Kellner-Verlag in Bremen sagte zu, Bertzbachs „Buch für Kinder und ihre Erwachsenen“ herauszubringen. Erscheinungstermin ist voraussichtlich im September. Für den ersten Druck müssen 200 Vorbestellungen vorliegen, und „120 sind es schon“, so die Autorin.

Die Arbeit an dem Buch „hat mich wirklich glücklich gemacht“, sagt Katharina Bertzbach strahlend. Sie hofft, kleinen und großen Lesern damit Anstöße zu geben für eigene Gespräche in der Familie: „Wie hat sich Kindheit über die Generationen verändert? Welche Ängste, Nöte und Fragen gab es früher und gibt es heute?“ Sie bewerte in dem Buch nicht, was früher besser oder schlechter gewesen sei: „Es war nur anders.“

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